Auf dem Weg zur Bibliothek 3.0
Datum: 13. November 2013
Autor: Erwin König
Kategorien: Fachartikel



Im September 2005 wurde der Begriff „Library 2.0“ durch Michael Casey auf seinem LibraryCrunch-Blog zum ersten Mal verwendet. In seinem Blog-Beitrag diskutierte er die Möglichkeit, durch den Einsatz von Web 2.0-Technologien die Bibliotheken zu verbessern. Das Konzept dieser Bibliothek 2.0 fand danach in der Bibliothekswelt sehr schnell Anklang. Dieser Ausdruck steht heute allgemein für die Anwendung von interaktiven, kollaborativen, multimedialen und webbasierten Technologien, die für Bibliotheksdienste und Sammlungen eingesetzt werden. Inzwischen wird in der Bibliotheks- und Informationsfachwelt immer öfter ein neuer Begriff diskutiert, nämlich die Library 3.0. Ist mit dieser Versionserhöhung wirklich ein neuer Entwicklungsschritt in der Geschichte der Informationseinrichtungen verbunden, bzw. worin unterscheidet sich die Bibliothek 3.0 von der Bibliothek 2.0? Oder ist dies nur ein weiterer Hype, um die Fachzeitschriften mit vermeintlich neuem Material zu versorgen?
Bibliotheken sind in den letzten Jahren, wenn nicht Jahrzehnten, immer stärker durch die ablaufenden sozialökonomischen und technologischen Veränderungen einschlägig gelenkt worden. Dieser Wandel wird aktuell mit den Phänomenen der Kollaboration und durch Nutzer erstellte Inhalte („user generated content“) auf ein völlig neues Niveau gehoben. Aber nicht nur das, diese Prozesse laufen auch viel schneller ab, als dies in der Vergangenheit der Fall war. Gleichzeitig versuchen Informationsspezialisten mit diesem Entwicklungstempo mitzuhalten. Deswegen bestimmen heute immer öfter neue Informations- und Kommunikationstechnologien die Entwicklungen der Bibliotheken, indem sie die Art und Weise verändern, wie diese ihre Dienstleistungen für Benutzer anbieten.

Die mit diesem Wandel verbundenen Bezeichnungen wie Bibliothek 2.0, 3.0 oder sogar 4.0 sind inzwischen zum Thema einer Kontroverse geworden. Das sogenannte „Punkt 0“-Etikett will einen neuen, wichtigen Trend suggerieren, ist aber für viele Informationsspezialisten nur mehr eine hohle Phrase ohne jegliche inhaltliche Bedeutung. Diese Art der Versionierung entstammt bekanntlich dem Softwarebereich, wo eine neue Programm-Version eine höhere Nummer erhält. Kleinere Verbesserungen eines Programms („Updates“) werden dort durch kleine Versionssprünge wie von 1.2 auf 1.3 angezeigt. Diese geringen Veränderungen finden auf Basis der existierenden Architektur statt. Beträchtliche Programm-Veränderungen („Upgrades“) werden durch große Versionssprünge dargestellt, eben z.B. von 2.0 auf 3.0. Gleichzeitig soll mit der höheren Versionsnummer auch angedeutet werden, dass die höchste Nummer auch die aktuellsten und besten Weiterentwicklungen enthält. So gesehen ist Bibliothek 4.0 besser als Bibliothek 3.0, und Bibliothek 3.0 besser als …

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