Kognitive Hindernisse bei der Informationssuche

Wir leben heute bekanntlich in einer vernetzten, digitalen Welt. Dadurch hat sich der Zugang zu Informationsressourcen gegenüber früher ohne Zweifel erheblich vereinfacht. In der Realität hat der Einzelne bei der Informationssuche allerdings weiterhin mit...

Infoprofis leiden unter Informationsfettleibigkeit

Der Begriff des Information Overload ist nicht nur im deutschsprachigen Raum ein oft und gerne benutzter Begriff, wenn es um die Informationsüberflutung unserer heutigen Informationsgesellschaft geht. Eher unbekannt ist in unseren Regionen das umfassendere Konzept der Information Obesity (IO), oder frei ins Deutsche übersetzt, die Informationsfettleibigkeit oder das Informations-Übergewicht. Unter dem Phänomen zu viel „Infoballast“ leiden aber nicht selten auch die „Masters of Information“ selbst, also Informationsspezialisten aller Art. Genauso, wie körperliches Übergewicht nicht alleine die Folge von zu vielem Essen ist, wird Information Obesity nicht ausschließlich durch Information Overload verursacht. Nachfolgend werden die Auswirkungen und Ursachen der Informationsfettleibigkeit vorgestellt sowie einige Lösungsmöglichkeiten diskutiert.

Informationsfettleibigkeit kann nach Andrew Whitworth (2009) etwa definiert werden als das Unvermögen, Information in Wissen umzuwandeln, und hat daher Auswirkungen auf unseren Geist, Körper, Leben und Gesellschaft. Ursachen der Information Obesity sind laut Whitworth:

  • Information Overload.
  • Eine Abnahme bei der Informationsqualität.
  • Fehlende Fähigkeiten, Schulungen etc. beim Informationskonsum.
  • Externer Druck, der dazu führt, dass Informationen konsumiert werden, bevor diese Informationen richtig geprüft werden können.

Erschwerend zu diesen oben genannten Faktoren kommt hinzu, dass unsere schöne, neue Online-Welt immer mehr und neue Arten von Informationen produziert. Teil davon ist auch die Informationsexplosion durch die sozialen Medien, bei der nun auch die früher passiven Informationskonsumenten selbst zu Informationsproduzenten werden. Bei den sozialen Medien führen aber nicht nur die durch die User erstellten Inhalte zu einer Informationsflut, sondern auch die einfache Möglichkeit, Informationen, z.B. durch Re-Tweets auf Twitter, beliebig oft zu vervielfältigen.

Neben diesem grundsätzlichen „Infofett“ entwickeln gerade Infoprofis noch zusätzlich berufsspezifisches Informationsübergewicht u.a. durch folgende Faktoren:

  • Beruflicher Stress und Unsicherheit, ausgelöst durch anhaltenden Druck aufgrund der Veränderungsprozesse in unserer Informationsgesellschaft oder auch wegen Budgetkürzungen innerhalb einer Informationseinrichtung.
  • Verunsicherung darüber, wie das zukünftige Berufsbild der Infoprofis aussieht und wie die daran geknüpften Erwartungen erfüllt werden können.
  • Überforderungen durch die rasanten technologischen Entwicklungen und die Furcht, mit diesen Veränderungen nicht mithalten zu können.
  • Informationsangst bzw. Informationsperfektionismus führt dazu, dass Infoprofis alle relevanten Informationen in jedem Projekt oder Auftrag finden und bereitstellen wollen.

Grundsätzlich braucht es auf Seiten der Information Professionals viel Disziplin und Konzentration auf das Wesentliche, um Informationsfettleibigkeit in den Griff zu kriegen. Bevor wir unseren Benutzern helfen können, die gewünschten Informationen in verdaulichen Mengen zu beschaffen, müssen wir selbst dafür sorgen, dass wir allen möglichen Informationsballast loswerden. Nachfolgend werden zwei Lösungsansätze vorgestellt, wie…