Zur Krise der internationalen Bibliotheks- und Informationswissenschaften

Ausgabe 01/2013



In einem kritischen Beitrag wirft der Autor Paul Sturges den gegenwärtigen Bibliotheks- und Informationswissenschaften vor, nur mehr langweilige, formelhafte und einfach unglaublich schlechte Forschungsbeiträge zu produzieren. Und diese Aussage gilt nicht nur etwa für einige Länder, sondern weltweit. Er fordert daher von den Wissenschaftlern, sich vermehrt wieder auf ihren Einfallsreichtum, ihre Empathie und ihre vorhandenen Denkfähigkeiten zu stützen. Schließlich sind die Wahl eines Themas, die Konstruktion von Theorien und theoretischen Modellen, Literaturrecherchen, die Anwendung von Methoden sowie die Abschätzung von Resultaten entscheidend. Dies sind alles Bereiche, in welcher Phantasie sehr hilfreich ist und produktiv eingesetzt werden kann.

Um diese Krise – Sturges ist bekanntermaßen nicht der einzige, der die gegenwärtige Bibliotheks- und Informationswissenschaften in einer Sackgasse sieht – zu überwinden, ist es notwendig, unser Fachgebiet in ein Forschungsfach zu verwandeln, dass lebhaft, relevant, vollendet und vor allem intelligent ist. Um dies zu erreichen, empfiehlt er, sich von vorgegebenen Recherchetechniken und Lehrbuchmeinungen zu trennen.

Konkret kritisiert Sturges folgende Punkte an den Forschungsarbeiten aus dem Bereich der Bibliotheks- und Informationswissenschaften:

Themen
Wenn man einen Forschungsauftrag hat, um Geld zu verdienen, scheint die Forderung nach dem Einsatz von Phantasie etwas sinnlos zu sein. Für diese Situation empfiehlt es sich ein von seiner Institution oder Unternehmen unabhängiges kleines eigenes Projekt in der Freizeit zu starten. Für Studenten, die sich nur allzu gerne auf ausgetrampelte Pfade bei ihren Abschlussarbeiten begeben, wird vorgeschlagen, sich lieber die einfache Frage zu stellen „Gibt es eine Frage, auf die ich wirklich eine Antwort erhalten möchte?“. Mögliches Resultat dieser Eigenbefragung kann ein Thema sein, das auch andere Wissenschaftsgebiete streift, wie Psychologie oder Neurologie. Und sich einem Thema zu verweigern, nur weil es noch keine Fachliteratur zu diesem Inhalt gibt, ist auch keine weise Entscheidung. Gelegentlich gehört zur wissenschaftlichen Forschung auch, Risiken einzugehen.

Theorie
Theorie ist ein heikles Thema. Hierzu muss man…

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