Gibt es immer weniger wissenschaftliche Top-Zeitschriften?

Frühere Studien legen den Schluss nahe, dass in den letzten 20 Jahren wissenschaftlich herausragende Aufsätze nicht mehr nur in sehr wenigen, führenden Publikationen, sondern in einer wachsenden Anzahl von unterschiedlichen Fachblättern erscheinen. Die folgende Arbeit untersucht, ob und in welchem Ausmaß diese Diversifikation bei der Veröffentlichung von solchen wissenschaftlichen Beiträgen auch die wenigen Elite-Zeitschriften beeinflusst hat, die bisher als die Besten galten. Dazu werden die Zitierungsmuster von 7 Elite-Zeitschriften mit denen von 6 aufstrebenden Zeitschriften, die in den letzten 20 Jahren wichtiger geworden sind, über einen Zeitraum von 40 Jahren verglichen. Die Ergebnisse dieser Studie sind nicht für Wissenschaftler und Forscher von Bedeutung, sondern auch für den Bestandsaufbau und die Erwerbspolitik von wissenschaftlichen Zeitschriften in Bibliotheken. Es zeigt sich nämlich, dass die Hierarchie der wissenschaftlichen Journale nicht in Stein gemeißelt ist, sondern sich in einem ständigen Fluss befindet. Für Wissenschaftler bedeutet dies etwa, dass sie nun eine größere Auswahl an Publikationsmöglichkeiten haben, als dies früher der Fall war, und trotzdem eine gleich große Lesergemeinde erreichen können.

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts werden wissenschaftliche Ideen und Entdeckungen hauptsächlich durch Artikelveröffentlichungen in wissenschaftlichen Zeitschriften veröffentlicht und verbreitet. Bis vor wenigen Jahren wurden diese wissenschaftlichen Abhandlungen ausschließlich in gebundener Form auf Papier gedruckt und an Einzelpersonen oder Institutionen im Rahmen von Zeitschriftenabonnements regelmäßig ausgeliefert. Mit dem Aufkommen des Internets/WWW in den 1990er-Jahren hat sich dieses uralte System begonnen aufzulösen, indem nun auch einzelne Fachbeiträge in elektronischer Form verbreitet werden. Allgemein hat sich der Zugang zu wissenschaftlichen Arbeiten durch die Möglichkeiten des digitalen Zeitalters grundlegend verändert. So gibt es Web- und Institutionelle Repositorien mit Vorveröffentlichungen oder angenommenen und veröffentlichten Arbeiten, Online-Datenbanken mit elektronischen Zeitschriften- und Artikelarchiven, ausschließlich Online publizierte Zeitschriften und Open Access-Zeitschriften. Insgesamt liegt im heutigen Internetzeitalter die Bedeutung …

Zur Krise der internationalen Bibliotheks- und Informationswissenschaften

In einem kritischen Beitrag wirft der Autor Paul Sturges den gegenwärtigen Bibliotheks- und Informationswissenschaften vor, nur mehr langweilige, formelhafte und einfach unglaublich schlechte Forschungsbeiträge zu produzieren. Und diese Aussage gilt nicht nur etwa für einige Länder, sondern weltweit. Er fordert daher von den Wissenschaftlern, sich vermehrt wieder auf ihren Einfallsreichtum, ihre Empathie und ihre vorhandenen Denkfähigkeiten zu stützen. Schließlich sind die Wahl eines Themas, die Konstruktion von Theorien und theoretischen Modellen, Literaturrecherchen, die Anwendung von Methoden sowie die Abschätzung von Resultaten entscheidend. Dies sind alles Bereiche, in welcher Phantasie sehr hilfreich ist und produktiv eingesetzt werden kann.

Um diese Krise – Sturges ist bekanntermaßen nicht der einzige, der die gegenwärtige Bibliotheks- und Informationswissenschaften in einer Sackgasse sieht – zu überwinden, ist es notwendig, unser Fachgebiet in ein Forschungsfach zu verwandeln, dass lebhaft, relevant, vollendet und vor allem intelligent ist. Um dies zu erreichen, empfiehlt er, sich von vorgegebenen Recherchetechniken und Lehrbuchmeinungen zu trennen.

Konkret kritisiert Sturges folgende Punkte an den Forschungsarbeiten aus dem Bereich der Bibliotheks- und Informationswissenschaften:

Themen
Wenn man einen Forschungsauftrag hat, um Geld zu verdienen, scheint die Forderung nach dem Einsatz von Phantasie etwas sinnlos zu sein. Für diese Situation empfiehlt es sich ein von seiner Institution oder Unternehmen unabhängiges kleines eigenes Projekt in der Freizeit zu starten. Für Studenten, die sich nur allzu gerne auf ausgetrampelte Pfade bei ihren Abschlussarbeiten begeben, wird vorgeschlagen, sich lieber die einfache Frage zu stellen „Gibt es eine Frage, auf die ich wirklich eine Antwort erhalten möchte?“. Mögliches Resultat dieser Eigenbefragung kann ein Thema sein, das auch andere Wissenschaftsgebiete streift, wie Psychologie oder Neurologie. Und sich einem Thema zu verweigern, nur weil es noch keine Fachliteratur zu diesem Inhalt gibt, ist auch keine weise Entscheidung. Gelegentlich gehört zur wissenschaftlichen Forschung auch, Risiken einzugehen.

Theorie
Theorie ist ein heikles Thema. Hierzu muss man…