Altmetrics: Was wir bisher wissen

Ausgabe 6-2017

Altmetrics, bzw. Altmetriken, werden seit einigen Jahren nicht nur in der Informations- und Bibliothekswelt als Ergänzung, oder sogar als Ersatz für die klassischen bibliometrischen Kennzahlen, wie den Impact Factor, diskutiert. Grundsätzlich liegt es auf der Hand solche Alternativen zur Messung des Einflusses von wissenschaftlichen Veröffentlichungen einzusetzen. Schließlich kommunizieren nicht nur private User in der heutigen Welt bevorzugt über sozialen Medien und andere Online-Anwendungen, auch die Wissenschaft nutzt zunehmend die Möglichkeiten des schnellen und direkten Informationsaustauschs mittels Internet. In dem folgenden Beitrag wird eine Übersicht zu Entwicklung und dem aktuellen Stand von Altmetrics gegeben. Außerdem werden die verschiedenen Vor- und Nachteile dieser alternativen bibliometrischen Kennzahlen besprochen.



Altmetrics, bzw. Altmetriken, werden seit einigen Jahren nicht nur in der Informations- und Bibliothekswelt als Ergänzung, oder sogar als Ersatz für die klassischen bibliometrischen Kennzahlen, wie den Impact Factor, diskutiert. Grundsätzlich liegt es auf der Hand solche Alternativen zur Messung des Einflusses von wissenschaftlichen Veröffentlichungen einzusetzen. Schließlich kommunizieren nicht nur private User in der heutigen […]

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Grundsätzlich kann man Altmetrics einfach definieren als Messungen für die Häufigkeit und Art, wie Menschen mit einer bestimmten wissenschaftlichen Arbeit in den sozialen Medien bzw. im Internet interagieren. Im Kern wird also beobachtet, wie oft über eine Publikation etwas getweetet, gebloggt, gebookmarkt oder ein sonstiger Austausch im Internet stattfindet. Inzwischen gibt es auch zwei große Plattformen, die die Nutzung von Altmetrics fördern wollen: Altmetrics.org und Altmetric.com.

Der Aufstieg von Altmetrics ist natürlich der Entwicklung des Internets geschuldet, und hier insbesondere den neuen Möglichkeiten durch die sozialen Medien. Wissenschaftliche Forschung und Fachaufsätze haben vielleicht noch nicht ganz den berühmten Elfenbeinturm verlassen, aber Facebook, Twitter und Co. leisten hier ohne Frage einen wichtigen Beitrag für eine transparentere und offenere Wissenschaftskommunikation. Für die Befürworter von Altmetriken gibt es diverse Gründe, auf alternative Kennzahlen zu setzen. Traditionelle bibliometrische Verfahren können diese neuen „Räume“ nicht erfassen, und messen folglich nur mehr einen immer kleiner werdenden Teil der veröffentlichten wissenschaftlichen Literatur. Es handelt sich also um das klassische wissenschaftliche Buch oder den Fachartikel in einer nach Peer-Review-Verfahren geprüften Zeitschrift. So fließen aber lediglich die dort gezählten Zitierungen in die herkömmlichen bibliometrischen Kennzahlen ein. Altmetrics schließt in diesem Sinn eine kontinuierlich größer werdende Lücke, indem die Wirkung von wissenschaftlichen Arbeiten auch im sozialen Web gemessen wird. Außerdem können auf diese Weise auch wichtige Forschungsarbeiten berücksichtigt werden, die außerhalb des herkömmlichen Systems an Peer-Review-Zeitschriften anfallen.

Der Altmetrics-Ansatz umfasst, genau wie die klassische Bibliometrie, zahlreiche, verschiedene Kennziffern, um die Bedeutung z.B. eines Fachartikels zu messen. Typische Maßzahlen sind z.B.:

  • die Anzahl der Aufrufe eines Online-Artikels,

  • die Anzahl der Downloads eines Artikels,

  • die Anzahl der in den verschiedenen bibliographischen Online-Tools gespeicherten Artikel,

  • die Anzahl der auf Twitter oder in Blogs zu einem Artikel gefundenen Diskussionen und Kommentare.

Welche Vorteile und welche Nachteile sprechen aber konkret für oder gegen die Nutzung von Altmetrics? Bei den Vorteilen sind, neben der weiter oben erwähnten Abdeckung des sozialen Webs, vor allem die Schnelligkeit der Verfügbarkeit entsprechender Kennziffern zu nennen. Diese Kennzahlen können praktisch in Echtzeit nachverfolgt werden. Außerdem fördert Altmetrics die Verbreitung von wissenschaftlichen Arbeiten. Von der Geschwindigkeit, mit der heute Menschen auf sozialen Medien Inhalten oder anderen Usern folgen, profitieren wissenschaftliche Veröffentlichungen auf die gleiche Weise. Ein weiterer Vorteil ist die Tatsache, dass Altmetriken eine große Bandbreite an Veröffentlichungsmedien einbeziehen. So werden auch die verschiedenen Resultate eines Forschers in Form von Daten, Software und Präsentationen berücksichtigt. Und schließlich ermöglichen Altmetriken für Wissenschaftler auch Anerkennung für Arbeiten zu erhalten, die sie sonst nicht erhalten könnten, indem z.B. auch unveröffentlichte Arbeiten oder Beiträge beachtet werden.

Selbstverständlich haben auch Altmetriken gewisse Nachteile bzw. Einschränkungen, denen man sich bei der Nutzung bewusst sein sollte. Zu allererst muss man sich im Klaren sein, dass Altmetrics kein Ersatz, sondern eine Ergänzung zu den traditionellen bibliometrischen Kennzahlen darstellen. Problematisch an Altmetrics ist z.B. die Möglichkeit zur Manipulation. Gerade Plattformen wie Facebook und andere soziale Netzwerke lassen Verfälschungen zu. So können zahlreiche sich wiederholende Likes durch Freunde, Familienangehörige etc. einen Beitrag bedeutender machen, als er objektiv betrachtet ist. Ein weiteres Problem stellt die fehlende Korrelation zwischen klassischen bibliometrischen und diesen alternativen Indikatoren dar. Zudem besteht durch die bei Altmetrics vorhandene Konzentration auf öffentliche soziale Plattformen die Gefahr, dass auch eher nichtwissenschaftliche Arbeiten einen hohen wissenschaftlichen Einfluss vorgaukeln oder zugesprochen bekommen können. Außerdem berücksichtigen diese alternativen Metriken nicht alle möglichen Quellen, wo wissenschaftliche Arbeiten erwähnt werden. Eine weitere Kritik zielt auf das derzeitige Fehlen von verbindlichen Definitionen und Interpretationen, was diese Metriken genau aussagen. Zu erwähnen ist auch, dass auf Altmetric.com ausschließlich Daten zu Forschungsarbeiten gesammelt werden, die in englischer Sprache verfasst worden sind.

Altmetrics kann man als eine Art „natürliche“ Reaktion auf die sich wandelnde wissenschaftliche Kommunikation betrachten. Printbücher und gedruckte wissenschaftliche Fachblätter sind längst nicht mehr die allein bestimmenden Medien für diese Aufgabe. Der Wissenschaftsbetrieb und viele Forscher wollen sich schon länger nicht mehr ausschließlich an dieses langsame und starre Konzept zu Austausch, Verbreitung und Darstellung ihrer wissenschaftlichen Arbeiten stützen. Das ist einfach im Zeitalter des schnellen Informationsaustauschs und der vielfältigen audiovisuellen Präsentationsmöglichkeiten nicht mehr zeitgemäß. Trotzdem müssen auch diese neuen Formen des wissenschaftlichen Outputs gemessen werden, um einflussreiche und relevante wissenschaftliche Erkenntnisse von weniger bedeutenden Arbeiten abzugrenzen. Altmetrics bietet diese Möglichkeit. Ob die bisher entwickelten Kennzahlen dies adäquat machen, ist eine andere Frage. Die oben aufgeführten Kritikpunkte zeigen, dass noch deutliches Verbesserungspotenzial besteht. Wer sich jedoch ausschließlich weiterhin auf Peer-Review-Zeitschriften und die Anzahl der dort gezählten Zitierungen verlässt, muss sich nicht wundern, wenn er sich in manchen Fachgebieten nicht mehr auf der Höhe der wissenschaftlichen Forschung befindet. Oder anders ausgedrückt: Die Wissenschaft ist längst im digitalen Zeitalter angekommen.

Quelle:

Williams, Ann E.: „Altmetrics: an overview and evaluation“; in: Online Information Review, 2017, Vol. 41, No. 3, 311-317, https://doi.org/10.1108/OIR-10-2016-0294

Schlagwörter:

Altmetrics, Altmetriken, Bibliometrie, Zitierungen, wissenschaftliche Wirkung

Altmetrics, bzw. Altmetriken, werden seit einigen Jahren nicht nur in der Informations- und Bibliothekswelt als Ergänzung, oder sogar als Ersatz für die klassischen bibliometrischen Kennzahlen, wie den Impact Factor, diskutiert. Grundsätzlich liegt es auf der Hand solche Alternativen zur Messung des Einflusses von wissenschaftlichen Veröffentlichungen einzusetzen. Schließlich kommunizieren nicht nur private User in der heutigen […]

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