R. David Lankes hat Ende Oktober 2025 auf der Internet Librarian Conference eine Keynote mit einem ungewöhnlich ernsten Einstieg gehalten. Unter dem Titel „Death, AI, and Librarianship“ verknüpft er gesellschaftliche Bruchlinien mit der professionellen Identität von Bibliotheken. Seine zentrale These ist kompromisslos: Bibliotheken können nicht nur informieren, sie können Leben retten, Gemeinschaften stabilisieren und Vertrauen in Zeiten technologischer und sozialer Erosion neu aufbauen. Der...
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Künstliche Intelligenz
Daten oder Untergang: Elsevier-Chef Y.S. Chi über die Zukunft des Publizierens
„Kein Verlag wird fünf Jahre überleben, wenn er keine Daten hat“, warnte Youngsuk Y.S. Chi, Chairman von Elsevier und Director von RELX, auf der Sharjah Publishers Conference. In einem Beitrag für „Publishers Weekly“ von Ed Nawotka wird beschrieben, wie er die Branche auffordert, Datenkompetenz und technologische Transformation endlich als Überlebensfrage zu begreifen. Y.S. Chi, Chairman von Elsevier und Mitglied des Board of Directors von RELX, formulierte in Sharjah eine drastische...
Bibliotheken öffnen ihre Archive für das KI-Zeitalter
Die Harvard University und große Öffentliche Bibliotheken in den USA stellen derzeit historische Buchbestände für die Entwicklung Künstlicher Intelligenz zur Verfügung. Fast eine Million Werke aus sechs Jahrhunderten, von koreanischen Handschriften aus dem 15. Jahrhundert bis zu englischsprachigen Klassikern des 19. Jahrhunderts, werden digitalisiert, um als Trainingsdaten für Sprachmodelle zu dienen. Unterstützt wird das Projekt von Microsoft und OpenAI, die „öffentliche Wissensquellen“...
Rethinking Science in the Age of AI: Wie Künstliche Intelligenz die wissenschaftliche Praxis verändert
Künstliche Intelligenz greift immer tiefer in die wissenschaftliche Arbeit ein. Sie filtert Literatur, entdeckt fachübergreifende Zusammenhänge, formuliert Hypothesen und steuert sogar Experimente. Ein Artikel auf „arXiv“ von Maksim E. Eren und Dorianis M. Perez zeichnet nach, wie KI vom Werkzeug zum Kollaborationspartner wird und welche Regeln Forschungseinrichtungen jetzt brauchen. Der vernünftige Weg liegt in gemischten Mensch-KI-Workflows mit klarer Aufsicht, Transparenz und...
Warum Antworten und Wissen nicht das Gleiche sind: Wenn KI das Lernen verändert
Künstliche Intelligenz liefert in Sekunden Antworten, doch wie wirken sich diese schnellen Ergebnisse auf den Lernprozess aus? In „PNAS Nexus“ beschreiben Shiri Melumad und Jin Ho Yun eine Reihe von Experimenten, die zeigen, dass große Sprachmodelle wie ChatGPT zwar effizient Wissen zusammenfassen, dabei aber die Tiefe des Verständnisses und die Originalität der Denkleistung verringern können. Selbst wenn die zugrunde liegenden Fakten identisch sind, führt das Lesen einer KI-Zusammenfassung zu...
Neue KI-Skills von Bibliothekar:innen gefragt
In der Zeitschrift „Cataloging & Classification Quarterly“ analysieren Corey Harper und Paul Groth, wie sich neue Berufsbilder im Bereich Künstliche Intelligenz mit klassischen Kompetenzen von Bibliothekar:innen überschneiden. Ob im verantwortungsvollen KI-Management, in der Systementwicklung oder bei der Bewertung gesellschaftlicher Auswirkungen: Viele dieser Tätigkeiten erfordern Fähigkeiten, die seit Langem Teil des bibliothekarischen Profils sind. Der Beitrag zeigt, wie ALA-Standards...
Unsichtbare Arbeit für Künstliche Intelligenz
Die Entwicklung leistungsfähiger Sprachmodelle gilt als Paradebeispiel für technologische Innovation. Doch was oft im Dunkeln bleibt: Hinter den Kulissen arbeiten Tausende Menschen daran, die Antworten dieser Systeme zu prüfen, zu bewerten und problematische Inhalte herauszufiltern. Ein aktueller Bericht des Guardian wirft ein Schlaglicht auf die Arbeitsbedingungen dieser sogenannten AI Rater, die unter anderem für Googles Modelle wie Gemini tätig sind. Viele dieser Beschäftigten werden über...
JSTOR: vom digitalen Archiv zur Innovationsplattform
Was 1994 mit einer Anschubfinanzierung der Mellon Foundation begann, hat sich in drei Jahrzehnten zu einem zentralen Akteur im wissenschaftlichen Publikationswesen entwickelt: JSTOR. Die Non-Profit-Organisation, heute Teil von Ithaka Harbors, gilt für mehr als 14.000 Bibliotheken weltweit als unverzichtbare Quelle für qualitativ geprüfte Forschungsliteratur. Mit über 2.800 archivierten Zeitschriften und jährlich mehr als 120 Millionen Suchanfragen bietet JSTOR einen Gegenpol zu fragwürdigen...
Einsatzmöglichkeiten von Sprachmodellen bei der Forschungsbewertung
Eine Analyse von über 6000 Fallstudien des britischen Research Excellence Framework in Person der Wissenschaftler Kayvan Kousha und Mike Thelwall, veröffentlicht in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „JASIST – Journal of the Association for Information Science and Technology” untersucht, ob ChatGPT gesellschaftliche Wirkungen wissenschaftlicher Arbeiten zuverlässig einschätzen kann. Die Ergebnisse zeigen: In mehreren Fachbereichen besteht eine deutliche Übereinstimmung mit den Bewertungen...
Automatisierte Metadaten für Webarchive mit GPT-4o im Praxistest: Kostenersparnis und Risiken
Die Erstellung von Metadaten für Webarchive ist bislang ein aufwändiger Prozess, teuer, langsam und stark abhängig von menschlicher Arbeitskraft. Ein Forschungsteam in Singapur hat nun untersucht, wie sich dieser Prozess mithilfe von GPT-4o automatisieren lässt. In einem groß angelegten Versuch wurden von Ashwin Nair, Zhen Rhog Gho und Abigail Yongping Huang über hundert Archivdateien analysiert, Titel und Abstracts per Promptgenerierung erzeugt, mit beeindruckender Kostenersparnis. Doch der...


