Selbstzitierungen und andere Probleme des wissenschaftlichen Publikationssystems
Datum: 3. August 2020
Autor: Erwin König
Kategorien: Trends

Das gesamte Wissenschaftssystem ist seit geraumer Zeit im Umbruch. Dies betrifft beispielsweise das wissenschaftliche Publikationswesen in Form von Open Access. Neben den Geschäftsmodellen der Wissenschaftsverlage verändern sich aber auch die Wissenschaftskommunikation und die Formen des wissenschaftlichen Arbeitens. Zunehmend wird daher Kritik geübt am klassischen Veröffentlichungsprozess der Wissenschaft, der Publikation in bevorzugt renommierten Zeitschriften, die das Peer-Review-Begutachtungsverfahren nutzen. Aber selbst das einst hochgelobte Prüfverfahren des Peer Review steht schon seit langem in der Kritik und ist alles andere als unumstritten. In den letzten Jahren haben sich aber noch weitere Schattenseiten bzw. Baustellen des klassischen Wissenschaftsbetriebs offenbart. Clarivate, das Unternehmen hinter dem berühmten Journal Impact Factor (JIF), zeigt sich aktuell besorgt darüber, dass es in immer mehr wissenschaftlichen Zeitschriften zu einer erheblichen Zunahme von Selbstzitierungen kommt. Bekanntermaßen werden Kennzahlen, die auf Zitierungen basieren, zur Messung der Wirkung wissenschaftlicher Publikationen herangezogen. Der Impact-Faktor ist und bleibt zwar vorläufig der für Zeitschriften wichtigste Maßstab, um ihr wissenschaftliches Renommee nachzuweisen. Die Hinweise häufen sich aber, dass es durch die wachsende Anzahl an Selbstzitierungen zu einem ähnlichen Problem wie bei den Likes auf sozialen Medien kommt. Auch auf Social-Media-Websites wird bekanntlich gerne mit faulen Tricks nachgeholfen, zum Beispiel durch gekaufte Klicks, um einen Song oder ein Video bekannter zu machen. Somit greifen nicht nur Wissenschaftler und Forscher gelegentlich zu ethisch bedenklichen Mitteln um ihre wissenschaftliche Bedeutung „aufzuhübschen“, sondern auch die Wissenschaftsmagazine selbst. In diesem Beitrag werden verschiedene aktuelle Studien vorgestellt, die darauf hindeuten, dass das bestehende Wissenschaftssystem dringend einer Überarbeitung bedarf.

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