Studie: Bewusstsein für Urheberrechtsverletzungen nimmt zu

Ausgabe 04/2013

Urheberrechtsverletzungen werden gerade in Deutschland hart verfolgt und von der Medienbranche nur allzu oft und gerne als alleinige Entschuldigung für alle möglichen Arten von Umsatzeinbußen aufgeführt. Zu den wirklichen Gründen wurde bereits früher ausführlich Stellung in diesem Newsletter genommen. Eine neue gemeinsame Studie von Buchhandel, Musik- und Filmbranche – erstellt von dem Marktforschungsunternehmen GfK –, will nun herausgefunden haben, dass in Deutschland die Bevölkerung inzwischen über sehr gute Kenntnisse über die Problematik der Urheberrechtsverletzungen verfügt, und dass sich eine große Mehrheit zudem auch mit den angebotenen digitalen Inhalten ausreichend versorgt fühlt. Also, alles gut in Deutschland?  Und wird es bald keine illegalen Downloads mehr in unserem Land geben?

Schauen wir uns einige der Kernaussagen in dieser von der GfK durchgeführten Untersuchung etwas genauer an:

  • Mehr als 70% der deutschen Bevölkerung fühlen sich mit dem in Deutschland angebotenen legalen Angebot ausreichend versorgt.
  • Knapp 60% sind der Meinung, dass es unfair ist, Angebote im Internet zu nutzen, wenn die Künstler (und ihre Partner) dabei keine Einnahmen erhalten.
  • Nur mehr 4% der deutschen Bevölkerung glauben noch, dass es erlaubt sei urheberrechtlich geschützte Inhalte aus dem Internet von Filesharing-Plattformen herunterzuladen. Dies wird von den Studienerstellern als ein Zeichen für ein wachsendes Bewusstsein für mögliches illegales Kopieren im Internet interpretiert.
  • Nicht überraschend hat die Studie herausgefunden, dass mehr jüngere Nutzer denken, dass verschiedene illegale Online-Aktivitäten, wie Kopieren von CDs für Freunde oder das Mitschneiden von urheberrechtlichen Medieninhalten, gestattet sind.
  • Als neues Problemfeld für Urheberrechtsverletzungen werden die sozialen Netzwerke wie Facebook identifiziert, vor allem wenn es sich um junge Online-User handelt. So glaubt fast jeder sechste Teenager, dass es gestattet ist, über soziale Netzwerke urheberrechtlich geschützte Inhalte auf diesen Plattformen für andere zugänglich zu machen.
  • Die Studie will auch festgestellt haben, dass die befragten Personen im Zeitablauf auch immer weniger andere Personen kennen, die wegen Urheberrechtsverletzungen abgemahnt worden sind. (Anmerkung: Wieso nimmt man statt einer objektiven  Kenngröße, d.h. die Anzahl der tatsächlich erfolgten Abmahnungen, eine solch subjektive Kennziffer? Antwort: Weil die objektive Zahl nachweist, dass die Abmahnungen jedes Jahr stark ansteigen. Hier passt irgendetwas nicht zusammen. Entweder nimmt das Bewusstsein für dieses illegale Tun wirklich zu und mündet in weniger illegalen Downloads oder die Abmahnindustrie hat sich verselbständigt.).

Schaut man sich aber nur die verfügbaren Streaming-Angebote in Deutschland für Fernseh- und Filme an, wird offensichtlich, dass diese Studie einige zweifelhafte Resultate und Interpretationen enthält. So ist die vorhandene Auswahl bei den Streaming-Angeboten für die deutschen Verbraucher eigentlich ein Witz, und nicht wie in der Studie behauptet „zufriedenstellend“. Wer das nicht glaubt, gehe einfach einmal auf die in den USA verfügbaren Dienste Hulu und Netflix und vergleiche die dort mit in Deutschland erhältlichen Angeboten, wie lovefilm.de oder watchever.de. Hier liegt eines der Probleme dieser Branche. Diesen führenden US-Anbietern wird der Zugang zum deutschen Markt verwehrt, aber gleichzeitig sind die tonangebenden einheimischen Anbieter nicht in der Lage, entsprechende attraktive und preisgünstige Inhaltspakete für den deutschen Markt zu schnüren. Wenn ich aber bei solchen Video-on-Demand-Angeboten weniger Auswahl als auf meinen empfangbaren Kabel- und Satellitenfernsehsender habe, verwundert es nicht, dass hier ein gewisser Anreiz für illegale Downloads geradezu gefördert wird.

Ein weiteres Beispiel ist die teilweise absurde Preisgestaltung für manche Filme auf DVD oder Bluray. Wieso kostet eigentlich ein etwas anspruchsvollerer Film auf DVD teilweise mehr als 15 Euro, während jeder Blockbuster zwei Monate nach Veröffentlichung oftmals für unter 5 Euro über den Tisch geht? Ja klar, wer anspruchsvollere Filme ansieht, hat wohl ein höheres Bildungsniveau, ergo auch einen höheres Einkommen, ergo kann man da natürlich 300 bis 400% mehr verlangen. Somit geht es hier im Kern nicht um den Schutz der Künstler für ihre harte Arbeit, sondern lediglich um Profitmaximierung auf Kosten der Konsumenten. Identisches oder ähnliches findet sich im Buchhandel sowie auch in der Musikbranche. Es bleibt also dabei, statt einmal die eigenen Geschäftsmodelle kritisch zu hinterfragen, versucht die Medienbranche einfach, den vermeintlich größten Profit durch ein durchsichtiges Schwarze-Peter-Spiel zu erhalten.

Kurz gesagt handelt sich bei der vorliegenden Studie um reine Lobbyarbeit, wie sie im Buche steht, und besitzt eigentlich keinen wirklichen Wert. Selbst wenn das Bewusstsein, oder sagen wir besser die Aufmerksamkeit der Bürger für die Urheberproblematik größer geworden ist – was aufgrund der PR-Arbeit der Medienbranche nicht verwunderlich ist –, ist dies noch kein Beweis dafür, dass die illegalen Downloads weniger geworden sind und die Einnahmen der Medienbranche im gleichen Maße gestiegen sind. Das ewige Mantra der Medienbranche, die illegalen Downloads für das Fehlen von geeigneten Medienangeboten und Geschäftsmodellen verantwortlich zu machen, ist langfristig betrachtet kein zukunftsfähiges Modell.

Nicht erstaunlich, dass die versammelte deutsche Medienbranche nicht gerade begeistert auf die geplante Deckelung der deutschen Abmahnindustrie („Gesetz gegen unseriöse Geschäftspraktiken“) reagiert.

Quelle:

Gesellschaft für Konsumforschung (GfK): „Studie zur digitalen Content-Nutzung (DCN-Studie) 2013“; 2013, online verfügbar unter http://www.musikindustrie.de/fileadmin/news/publikationen/DCN-Studie_2013_Vollversion_Final.pdf

 

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