Wie reagieren Forschende auf Zeitschriftenkündigungen durch ihre Bibliothek?
Datum: 23. Juli 2021
Autor: Erwin König
Kategorien: Studien

Open Access ist nicht nur einfach ein weiteres, neues Geschäftsmodell für wissenschaftliche Publikationen. Es verändert auch nachhaltig das bestehende System der Wissenschaftskommunikation. Dadurch hat es u.a. einen direkten Einfluss auf die bestehenden Verträge von Bibliotheken mit kommerziellen Wissenschaftsverlagen. Dies betrifft auch die einst hochgelobten Big-Deal-Vereinbarungen, die sich früher durch ihr günstiges Preis-Leistungsverhältnis auszeichneten. Solche großen Zeitschriftenpakete stehen zunehmend in der Kritik. Gründe hierfür sind die schnell und kontinuierlich steigenden Zeitschriftenpreise sowie ein wachsender Anteil von nicht benötigten Zeitschriftentiteln in den Paketen. In der Folge kommt es vermehrt zu teilweisen oder vollständigen Kündigungen von großen Zeitschriftenpakten durch Bibliotheken. Gleichzeitig ist und bleibt eine zentrale Aufgabe für eine Wissenschaftliche Bibliothek die Sicherstellung einer möglichst breitgefächerten und umfassenden Informationsversorgung für ihre Trägereinrichtung und die dort tätigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Dass jedoch ein immer größerer Teil des Budgets für das Abonnement wissenschaftlicher Zeitschriften aufgewendet wird, macht es für viele Bibliotheken immer schwieriger ein möglichst umfassendes Informationsangebot mit ihren begrenzten finanziellen Mitteln in Einklang zu bringen. Dieses Dilemma weitet sich noch dadurch aus, dass die meisten Forschenden den Wert ihrer Bibliothek in erster Linie daran messen, wie viele Materialien und Inhalte sie bereitstellt. Die Frage ist daher: Wie verändert sich die Wahrnehmung der Nutzerinnen und Nutzern von der Rolle ihrer Bibliothek, wenn diese durch Kündigungen von Big-Deal-Verträgen den Zugriff auf einst abonnierte Zeitschriften einschränkt? In diesem Zusammenhang ist es auch wichtig zu verstehen, wie sich die Informationssuche der Forschenden selbst – ein weiteres zentrales Informationsangebot von Bibliotheken – dadurch möglicherweise verändert. Nutzen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vermehrt neue Strategien und Ressourcen anstelle der Discovery-Systeme der Bibliothek? Eine aktuelle Untersuchung der gemeinnützigen Beratungsorganisation Ithaka S+R hat sich diesen wichtigen Fragen gewidmet.

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