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Open Access ist gut für die Wissenschaft, aber nicht ohne Risiken

Datum: 11. September 2022
Autor: Erwin König
Kategorien: Fachartikel

Immer mehr Zeitschriften veröffentlichen ihre Forschungsergebnisse im Open Access, das heißt, die Arbeiten von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sind für alle Interessierten frei zugänglich. Zusätzlich fördern bzw. fordern auch immer mehr Länder, dass Forschende und wissenschaftliche Einrichtungen ihre Arbeiten im Open Access veröffentlichen. Jüngst hat die US-amerikanische Regierung angekündigt, dass ab 2026 alle mit staatlichen Geldern finanzierte Forschungsarbeiten sofort nach ihrer Publikation frei verfügbar sein sollen. Daneben stellen die Forschenden zunehmend ihre eigenen Forschungsdaten für Dritte zur Verfügung („Open Data“). Die Open-Science-Bewegung sorgt darüber hinaus für eine schnellere Verbreitung von Forschungserkenntnissen, als dies auf dem klassischen Weg der kommerziellen Zeitschriften mit zeitaufwändigen Peer-Review-Verfahren möglich ist. Dazu tragen das Aufkommen von Preprint-Servern bei, wo Forschende ihre Manuskripte veröffentlichen können, bevor sie von anderen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern einer strengen Prüfung unterzogen und/oder in Fachzeitschriften veröffentlicht werden. Der Vorteil für Forschende bei dieser Art der Veröffentlichung liegt darin, dass sie nicht mehr warten müssen, bis der teilweise langwierige Begutachtungsprozess abgeschlossen ist und ihre Forschungsergebnisse allgemein zugänglich sind. Heute kann ein Forscher seine Arbeit bei einem Preprint-Server wie BioRxiv einreichen und bereits am nächsten Tag ist sie für andere Forschende online abrufbar. In einem aktuellen Artikel1 in der Open-Access-Zeitschrift PLoS Biology wird jedoch darauf hingewiesen, dass diese Offenheit der Wissenschaft nicht ohne Risiken ist. Bisher ist zwar kein Fall bekannt, wo anhand von Anweisungen in einem Preprint ein gefährliches Virus oder ein sonstiger Krankheitserreger mit böswilliger Absicht repliziert oder erzeugt worden wäre. Aufgrund der möglichen katastrophalen Folgen eines solchen Vorfalls wird in diesem Beitrag entschieden davor gewarnt, diese auch nur geringfügig höheren Risiken zu unterschätzen. Die Autoren fordern deshalb, dass Wissenschaft, Forschungsförderer, Politik und Verlage diese Risiken wahrnehmen und darüber diskutieren.

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