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Generative KI und die Rolle der Bibliothekar:innen im Fächerkontext

Datum: 10. Oktober 2025
Autor: Erwin König
Kategorien: Praxis

Ob Kunst, Englisch oder Mathematik: In vielen Disziplinen werden derzeit erste Erfahrungen mit generativer Künstlicher Intelligenz (GenAI) gesammelt. Dabei zeigt sich, dass die Technologie nicht überall gleich eingesetzt wird. In der Kunst steht die kreative Anregung im Vordergrund, im Schreiben die Unterstützung durch Feedback und Strukturierung, während in der Mathematik vor allem die Lösung und Überprüfung von Aufgaben im Mittelpunkt steht. Lauren Hays verdeutlicht in der Zeitschrift „Library Trends“, dass diese Unterschiede keine Nebensache sind, sondern den Kern der Diskussion ausmachen. Die Nutzung von GenAI orientiert sich an den Werten und Denkweisen der jeweiligen Fächer. Für Bibliothekar:innen bedeutet das, ihr Handeln stärker an den disziplinären Kontexten auszurichten. Wer die grundlegenden Fragestellungen und Arbeitsweisen der Fächer kennt, kann GenAI-Angebote so gestalten, dass sie für Student:innen und Lehrende tatsächlich hilfreich sind. Damit eröffnet sich für Bibliotheken ein Handlungsfeld, das weit über die rein technische Einführung neuer Werkzeuge hinausgeht. Es geht um die Fähigkeit, fachliche Eigenlogiken zu verstehen und Beratung, Schulung und Serviceangebote darauf abzustimmen. Nur so lassen sich die Potenziale von GenAI sinnvoll in Studium und Forschung integrieren. 

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