Eltern, Kinder und die Bibliothek

Ausgabe 04/2013

Das US-amerikanische Forschungsinstitut PewResearchCenter hat in einer aktuellen Studie untersucht, welche Beziehungen zwischen Eltern, ihren Kindern und Bibliotheken bestehen. Weiterhin untersucht diese Arbeit, ob und welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede es zwischen  der Nutzergruppe der Eltern mit minderjährigen Kindern zu der Gruppe anderer Erwachsener, die aktuell keine minderjährigen Kinder haben, gibt. Eine ähnliche Untersuchung wurde vor einigen Monaten für Deutschland veröffentlicht. Dort wurde die besondere Beziehungen zwischen den früheren Erfahrungen der Eltern mit Bibliotheken und die Weitergabe dieser Erfahrungen an ihre Kinder betont. Für die Untersuchung von Pew wurden im Zeitraum von Oktober bis November 2012 insgesamt 2.252 US-Bürger älter als 16 Jahre befragt, wobei 584 ein Elternteil und 1.668 andere Erwachsene sind.

Nachfolgend einige Aussagen aus dieser Studie:

  • Eine große Mehrheit der befragten Eltern (94%) sagen, dass Bibliotheken wichtig für ihre Kinder sind und 79% bezeichnen Bibliotheken sogar als sehr wichtig. Diese Aussage gilt umso mehr, wenn die Kinder der befragten Eltern jünger als 6 Jahre alt sind. In diesem Fall sagen sogar 84% der befragten Eltern, dass die Bibliotheken sehr wichtig für ihre Kinder sind.
  • 84% von denjenigen Eltern, die Bibliotheken als wichtig für ihre Kinder ansehen, nennen als einen Hauptgrund für einen Bibliotheksbesuch ihre Kinder, dass Bibliotheken dabei helfen, die Vorliebe auf das Lesen und für Bücher bei ihren Kindern zu verankern.
  • 81% nennen als einen entscheidenden Grund für die Bedeutung von Bibliotheken, dass sie ihren Kindern Zugang zu Informationen anbieten, die bei ihnen zu Hause nicht verfügbar sind.
  • Als ein weiteres Argument für die Relevanz von Bibliotheken wird genannt, dass Bibliotheken ein sicherer Ort für ihre Kinder sind.
  • Fast alle Eltern (97%) sind der Meinung, dass es wichtig für die Bibliotheken wäre, Programme und Unterricht für Kinder und Jugendliche anzubieten.
  • Die Eltern von minderjährigen Kindern weisen eine höhere Wahrscheinlichkeit als andere Erwachsene auf, bestimmte Dienste und Angebote einer Bibliothek zu nutzen. Sie haben eher einen Bibliotheksausweis, leihen eher Bücher aus und besuchen auch öfter eine Bibliothek als andere Erwachsene. Kurz gesagt sehen sie die Relevanz der Bibliotheken nicht nur für ihre Kinder, sondern auch für sich selbst. 30% der befragten Eltern haben zudem angegeben, dass Kinder oder Enkelkinder der wichtigste Grund waren, warum ihre Nutzungshäufigkeit von Bibliotheken in den letzten fünf Jahren zugenommen hat.
  • Bei den jeweiligen Elternteilen zeigt sich beim Engagement mit der Bibliothek, dass es geschlechtsspezifische Unterschiede gibt. Frauen haben eher einen Bibliotheksausweis (82%) als männliche Elternteile (63%) und besuchen Bibliotheken auch wesentlich öfter.
  • Eltern mit niedrigen Einkommen bewerten mit einer größeren Wahrscheinlichkeit als Eltern mit einem hohen Einkommen verschiedene Bibliotheksdienstleistungen als „sehr wichtig“. So sagen Eltern mit weniger als 50.000 US$-Einkommen zu 88%, dass es sehr wichtig wäre, wenn Bibliotheken den Leuten helfen. Eltern mit einem Einkommen, dass höher als 50.000 US$ ist, sagen nur zu 71%, dass dies sehr wichtig wäre.

Die vorliegende Studie ist ein Beleg dafür, dass Eltern mit minderjährigen Kindern in den USA eine besonders enge Beziehung zu Bibliotheken haben. Die meisten der befragten Eltern glauben, dass Bibliotheken für ihre Kinder sehr wichtig sind und zusätzliche Informationsquellen anbieten, die ihren Kindern zu Hause nicht zur Verfügung stehen. Die Frage ist nur, welche Strategien Bibliotheken aus diesen Erkenntnissen ableiten sollen? Sollen Bibliotheken Eltern mit minderjährigen Kindern und geringem Haushaltseinkommen noch stärker ansprechen, die ohnehin schon zu den regelmäßigen Besuchern gehören? Oder versucht man eher, für die Benutzergruppe der anderen Erwachsenen ohne Kinder bessere Informationsangebote zu entwickeln? Gewichtet man die eine oder andere Kundengruppe zu stark, könnte dieser Schuss auch nach hinten losgehen, und man verliert womöglich einen Großteil der anderen Benutzergruppe.

Quelle:

Miller, Carolyn; Zickuhr, Kathryn; Rainie, Lee; Purcell, Kristen: “Parents, Children, Libraries, and Reading”; May 2013, Pew Research Center’s Internet & American Life Project, online abrufbar unter http://libraries.pewinternet.org/2013/05/01/parents-children-libraries-and-reading/   

 

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