Studie zu E-Book-Formaten
Datum: 4. Oktober 2013
Autor: Erwin König
Kategorien: Kurz notiert

Die Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz hat in einer von der Europäischen und der Internationalen Buchhändlervereinigung (European and International Booksellers Federation - EIBF) in Auftrag gegeben Studie untersucht, wie und ob die aktuell verfügbaren E-Book-Formate für verschiedene Endgeräte austauschbar sind. Die vorliegenden Erkenntnisse aus dieser Untersuchung sind eindeutig und sie lauten, dass es dem Markt für elektronische Bücher an Transparenz fehlt und es Zeit für offene E-Book-Standards wird.

Nachfolgend die zentralen Aussagen aus dieser Studie:

  • Die Studienautoren empfehlen als vielseitigstes E-Book-Format EPUB 3. Es hat sowohl bezüglich Seitenlayouts als auch bei der Einbindung multimedialer und interaktiver Elemente die meisten Möglichkeiten.
  • Aus diesem Grund spricht nichts für die Verwendung von geschützten E-Book-Formaten, wie sie z.B. von Apple oder Amazon benutzt werden.
  • Würden sich Apple und Amazon dazu entschließen EPUB 3 zu übernehmen, hätte dies den Vorteil, dass alle Formate eine gemeinsame Vorgängerversion hätten, nämlich EPUB 2.
  • Allerdings würde selbst die Übernahme des EPUB 3-Formats durch die großen Player nicht automatisch bedeuten, dass alle E-Books für die User interoperabel nutzbar wären. Dies liegt an diversen DRM-Maßnahmen, mit denen die E-Books von diesen Anbietern zusätzlich geschützt sind.
  • Problematisch sind auch die geschlossenen Ökosysteme einiger Anbieter, wie das von Apple. Einerseits unterstützt Apple das offene EPUB-Format und bietet mit iBooks einen der besten E-Book-Reader für den EPUB 3-Standard an. Aber Apple lässt es andererseits nicht zu, dass ein von Apple erstelltes oder vertriebenes E-Book auch auf die Lesegeräte von Konkurrenten importiert werden kann.

Die Austauschbarkeit bzw. Kompatibilität der verschiedenen Formate und Plattformen ist zentral für den langfristigen Erfolg der elektronischen Bücher. Ähnlich wie bei den verschiedenen erhältlichen Audio- und Videoformaten ist es entscheidend, dass die unterschiedlichen Lesegeräte alle diese Formate lesen und austauschen können. Unter Insellösungen dürfte die gesamte Buchbranche leiden. Auch für Intermediäre wie Buchhändler und Bibliotheken wäre es aus dieser Sicht zu wünschen, dass eine umfassende Interoperabilität von E-Books möglich wäre. Gerade Amazon und Apple mit ihren eigenen E-Book-Formaten KF8 und .ibooks verhindern bisher aber solch eine Transparenz.

Quelle:

Bläsi, Christoph; Rothlauf, Franz: "On the interoperability of e-books formats"; 2013, online abrufbar unter http://eibf-booksellers.org/pressrelease/interoperability-e-books-formats

 

Mehr zum Thema:

Meta-Studie belegt zahlreiche Vorteile von Open Access

Das wissenschaftliche Publikationswesen befindet sich unbestritten auf dem Weg hin zu Open Access (OA). Open Access zählt für Bibliotheken und Verlage zu den einschneidendsten Veränderungen der letzten zwei Jahrzehnte. Ausdruck dieser Relevanz sind auch die...

Umfrage belegt weiterhin hohe Präferenz für das Printbuch

Keine Überraschung bedeuten die kürzlich veröffentlichten Ergebnisse einer vom Marktforschungsunternehmen YouGov in Kooperation mit dem Statistik-Portal Statista durchgeführten Umfrage1 über bevorzugte Buchformate: In Deutschland wird noch immer das gedruckte Buch...

Wo fängt Meinungsfreiheit an und wo hört sie auf?

Aktuell finden sich in den Medien gehäuft Beiträge und Kommentare zu besonders in Demokratien zentralen Rechten wie Pressefreiheit und Meinungsfreiheit. In vielen, besonders in autokratisch regierten Ländern gibt es nicht einmal ansatzweise so etwas wie Presse- oder...

Paywall vs. freier Informationszugang

Die sogenannte Schattenbibliothek Sci-Hub und das akademische soziale Netzwerk ResearchGate sind aus Sicht der Wissenschaftsverlage eine illegale Art von Open Access. ResearchGate musste dies aktuell durch eine verlorene Klage vor Gericht1 erfahren. Andererseits ist...