Digitalisierungsranking der europäischen Branchen
Datum: 12. April 2013
Autor: Erwin König
Kategorien: Kurz notiert

Die Unternehmensberatung Booz & Company hat basierend auf Daten von Eurostat seine Studie "Branchenindex Digitalisierung" publiziert. Mittels dieser Rangliste wird der Grad der Digitalisierung von verschiedenen europäischen Branchen gemessen. Für diesen Bericht wurden 15 Branchen aus 32 europäischen Ländern nach dem erreichten Grad ihrer Digitalisierung bewertet. Diese Bewertung setzt sich aus vier untersuchten Dimensionen zusammen, nämlich Input-Schnittstelle (z.B. Einkauf), Prozesse (z.B. Logistiksteuerung), Output-Schnittstelle (z.B. Verkauf) und Infrastruktur (z.B. Breitbandanschluss). Laut Booz konnte dabei die Finanz- und Versicherungsindustrie ihre Spitzenposition verteidigen, d.h. diese Branche besitzt den höchsten Grad an Digitalisierung in ihren Prozessen.

Folgende wichtige Aussagen beinhaltet der "Branchenindex Digitalisierung":

  • Trotz des schlechten wirtschaftlichen Umfelds in Europa investieren die Unternehmen in allen Branchen weiter in die Digitalisierung ihrer Prozesse, wobei das Tempo der Digitalisierung gegenüber dem Vorjahr sogar noch leicht zugelegt hat.
  • Unter den 15 untersuchten Branchen liegt der Finanzdienstleistungssektor (Banken und Versicherer, Indexstand 53,5 Punkte) wie im Vorjahr weiter an erster Stelle. Allerdings hat sich die Geschwindigkeit der Digitalisierung in dieser Branche gegenüber dem Vorjahr doch deutlich verlangsamt (letztes Jahr Platz 1 und dieses Jahr Rang 8).
  • Das größter Wachstum bei der Digitalisierung weist dieses Jahr die Automobilindustrie auf. Sie liegt nur mehr knapp hinter der Finanzbranche auf Rang 2 in diesem Digitalisierungs-Rankings (Indexwert 53,1 Punkte). Dahinter folgt die Computer- und Elektronikbranche (52,9 Punkte) und die Medien- und Telekommunikationsbranche mit 51,2 Punkten.
  • Einer der bisher am wenigsten digitalisierten Sektoren in dieser Untersuchung, die Hotel- und Gastronomie-Branche (Rang 14), hat gegenüber dem Vorjahr große Investitionen in die Digitalisierung unternommen, hauptsächlich in Infrastruktur und Kundenkontakt-Prozesse.
  • Überraschenderweise hat gerade die zu den führenden Branchen bei der Digitalisierung gehörende Medien- und Telekommunikationsindustrie im jährlichen Vergleich von 2011 und 2012 das  aktuell schwächste Digitalisierungswachstum aufgewiesen.
  • Die größten Anstrengungen bei der Digitalisierung werden von den Unternehmen derzeit in den Bereichen Prozesse (Indexstand 32,4) und Produktion (16,1 Punkte) unternommen. Aufholpotenzial weist auch der Input-Bereich mit 32,5 Punkten auf. Der Bereich "Infrastruktur" bietet mit einem Indexstand von 92,6 Punkten dagegen nur mehr eingeschränkte Verbesserungsmöglichkeiten.
  • In den südeuropäischen Ländern stagnieren die Digitalisierungsbestrebungen aufgrund der anhaltenden wirtschaftlichen Probleme in dieser Region.
  • Osteuropa dürfte in Kürze die mediterranen Länder beim Grad der Digitalisierung ihrer Branchen überflügeln.

Der Booz-Digitalisierungsindex weist nach, dass sich innerhalb der einzelnen Branchen ein deutliches Gefälle bei dem Grad der Digitalisierung abzeichnet. Die führenden drei europäischen Branchen – Finanz- und Versicherungsindustrie, Automobilbranche und Computer- und Elektronikbranche – liegen zwischen 20 und 22% über dem Durchschnitt. Ebenso ist ein deutliches Nord-Südgefälle innerhalb Europas feststellbar, Allgemein lässt sich auch festhalten, dass in drei der vier der untersuchten Dimensionen, d.h. Investition, Verarbeitung und Produktion, noch relativ viel Spielraum für weitere Digitalisierungsanstrengungen besteht.

Quelle:

Roman Friedrich; Alex Koster; Florian Groene; Birger Maekelburger: "The 2012 Industry Digitization Index"; 2013, Booz & Co., online verfügbar unter http://www.booz.com/media/file/BoozCo_The-2012-Industry-Digitzation-Index.pdf  

 

Mehr zum Thema:

Landen von KI verfasste Bücher demnächst auf Bestsellerlisten?

In der letzten Ausgabe der Library Essentials (Ausgabe 6/2021, S. 33-35) haben wir untersucht, inwieweit Künstliche Intelligenz (KI) bereits in der Lage ist, wissenschaftliche Texte zu verfassen. In einem Beitrag für die Zeitschrift encore wird ein ähnliches Thema...

Chancen und Vorteile durch Smart Cities

Eine aktuelle Umfrage des deutschen Technologie-Verbands Bitkom1 zum Konzept der Smart Cities bietet auch für Bibliotheken wichtige Einblicke, wie sich die städtischen Räume in Deutschland in der Zukunft entwickeln und wie sie aussehen könnten. Allgemein verspricht...