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Wahr oder Nichtwahr, das ist hier die Frage

Datum: 2. April 2012
Autor: Erwin König
Kategorien: Kurz notiert

Das politische Klima in den USA zwischen den zwei großen Parteiblöcken, den Demokraten und den Republikanern, hat sich in den letzten Jahren erheblich verschärft. Absichtliche Fehlinformationen und Verleumdungen gehören, wenn man den aktuellen republikanischen Präsidentschaftswahlkampf beobachtet, sogar in den eigenen Reihen eher zur Regel als zur Ausnahme. Aber nicht nur in den Vereinigten Staaten hat die Politik in den letzten Jahren viel Ansehen in der Bevölkerung durch die teilweise gezielte Verbreitung von Falschinformationen verloren. Folge davon ist, dass der einzelne Bürger immer mehr Probleme hat, wahre Fakten und Tatsachen zu erkennen. Selbst Informationsprofis wie Journalisten kämpfen immer öfter mit einem Zu-Viel an Information sowie an der gezielten Manipulation von Inhalten. Gerade im Hinblick auf das für Informationsspezialisten so zukunftsträchtige Thema Informationskompetenz sind daher die Ergebnisse einer aktuellen Studie der New America Foundation von großem Interesse. Eines der zentralen Ergebnisse ist dabei, dass auch vermeintlich gut informierte Personen eine hohe Wahrscheinlichkeit haben, Falschinformationen auf den Leim zu gehen.

Nachfolgend einige der wichtigen Schlussfolgerungen aus diesem Bericht:

  • Fakten können zwar die politische Einstellung von Bürgern beeinflussen, allerdings dürfte der Effekt nach vorliegenden Studien nicht bei allen Themen gleichmäßig greifen.
  • Die Einstellungen oder Meinungen einer Person bestimmen sehr stark, wenn sie eine neue Information auf ihren Wert oder Wahrheitsgehalt prüfen. Personen sind daher eher bereit, die Richtigstellung einer Information anzunehmen, wenn sie nicht glauben, ihre Positionen verteidigen zu müssen.
  • Das menschliche Gedächtnis ist ein wichtiger Faktor bei Fehlwahrnehmungen. Hat man erst einmal eine falsche Information in seinem Gedächtnis aufgenommen, ist es schwer, diese fehlerhafte Beurteilung für die Meinungsbildung wieder auszusortieren.
  • Die ständige Wiederholung einer Aussage hat je nach dem Alter eine unterschiedliche Wirkung. Jungen Leuten hilft das Wiederholen, um Fehler zu erkennen und zu korrigieren, die sich beim Erinnern einer Information einschleichen. Ältere Personen neigen dagegen eher dazu, falsche Aussagen nach einer gewissen Zeitperiode als wahre Informationen in Erinnerung zu behalten.
  • Der Versuch, falsche Informationen richtig zu stellen, kann sich als ein Bumerang erweisen.

Abschließend werden für Journalisten einige Empfehlungen gegeben, um Fehlinformationen zumindest zu reduzieren oder zu korrigieren:

1. Bring die Geschichte schon beim ersten Versuch richtig heraus.

2. Falls 1. nicht klappt, gilt: Je früher Korrekturen vorgenommen werden, umso besser ist es.

3. Dabei darauf achten, das Problem nicht noch zu verschlimmern.

4. Verneinungen vermeiden.

5. Man sollte es unterlassen, falsche Behauptungen immerfort zu wiederholen.

6. Auch parteiisch oder ideologisch gefärbte Verweise sollte man soweit wie möglich reduzieren.

7. Und man sollte immer vertrauenswürdige Informationsquellen verwenden und sich nicht auf Vermutungen stützen.

8. Grafiken nur dort einsetzen, wo es sinnvoll ist.

9. Vorsicht vor selektiven Enthüllungen.

Die obigen Tipps können eigentlich alle beherzigen, die in irgendeiner Weise Texte online oder offline veröffentlichen. Zumindest wenn man halbwegs objektive Inhalte im Sinn hat.

 

Quellen:
Nyhan, Brendan; Reifler, Jason: “Misinformation and Fact-checking: Research Findings from Social Science”; February 2012, New America Foundation, online verfügbar unterhttp://newamerica.net/sites/newamerica.net/files/policydocs/Misinformation_and_Fact-checking.pdf

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