Streaming überholt optische Datenträger
Datum: 3. Mai 2012
Autor: Erwin König
Kategorien: Kurz notiert

Das Ende für physische Speichermedien wie CDs, DVDs und Blu-Rays bahnt sich langsam, aber unaufhaltsam an. Laut einer neuen Studie des Marktforschungsunternehmens IHS Screen Digest (http://www.screendigest.com/) überholt in den Vereinigten Staaten in diesem Jahr zum ersten Mal der Konsum von Filmen per Streams denjenigen über DVDs und Blu-Rays. Die optischen Datenspeicher werden aber nicht über Nacht verschwinden. Vielmehr dürfte sich der Prozess über einen längeren Zeitraum erstrecken. Eventuell gibt es ja im Zuge der herrschenden Retromania auch ein ähnliches Comeback, wie es derzeit etwa die gute, alte Vinyl-Scheibe erlebt.

Die Marktforscher von IHS Screen Digest prognostizieren für dieses Jahr, dass in den USA insgesamt 3,4 Milliarden Filme als Online-Streams bezogen werden. Dies sind stolze 2 Mrd. Streifen mehr als letztes Jahr (2011: 1,4 Mrd. Filme). Zum Vergleich belaufen sich die Zahlen für Filme auf DVD und Blu-Ray für 2012 auf 2,4 Mrd. (2011: 2,6 Mrd.). Als Hauptgrund für diesen Trend werden die Flatrates der Anbieter angeführt. So kostet ein Online-Film im Durchschnitt 51 US-Cents, während der durchschnittliche Preis für einen Film auf DVD 4,72 US$ beträgt. Die zwei führenden Streaming-Anbieter sind Netflix und Amazon. 94% aller konsumierten Online-Filmstreams werden allein über diese zwei Plattformen heruntergeladen. Der Autor dieser Studie verweist aber darauf, dass auch neun Jahre nach Gründung des iTunes Stores, es immer noch etliche CD-Verkäufe gibt. Die Ablösung von DVD und Blu-Ray durch das Online-Streaming dürfte sich also über einen längeren Zeitraum hinziehen.

Für Informationsspezialisten wirft dieser Wandel grundsätzlich zwei Fragen auf: 1. Wann und wie bietet man einen Streaming-Dienst an, um Medien zu speichern und anzubieten, und 2. was macht man mit den alten Sammlungen an CDs, DVDs etc. in den nächsten Jahren?

Quelle:
IHS Screen Digest (Hrsg.): „Online movies: the future, today“; March 22, 2012, online abrufbar unter (Inhaltsangabe kostenfrei, Zugang zur vollständigen Studie nur für zahlende Abonnenten) http://www.screendigest.com/reports/2012222a/2012_03_online_movies_the_future_today/view.html

Mehr zum Thema:

Daten zur wissenschaftlichen Verlagsbranche

Delta Think, ein Beratungsunternehmen für Verlage, hat kürzlich die Ergebnisse1,2 einer Big-Data-Analyse des wissenschaftlichen Verlagswesens vorgestellt. Für die Analyse wurden die Daten der frei verfügbaren Datenbank OpenAlex (https://openalex.org/) genutzt. In...

Metaverse spielt in Deutschland (noch) keine Rolle

Das sogenannte Metaverse ist besonders für die führenden Technologieunternehmen wie Meta/Facebook das Thema der Stunde. Laut einer Studie1 des Beratungsunternehmens McKinsey wurden bisher im Jahr 2022 weltweit bereits 120 Mrd. US-Dollar in das Metaversum investiert....

Aktuelle Social-Media-Trends

Das Social Web zeichnet sich durch kurzfristige und sich schnell wandelnde Trends aus. Während im normalen Web die User ihren Lieblings-Nachrichtenseiten eher langfristig treu bleiben, wechseln sie im Social Web häufiger zu neuen Plattformen. In Deutschland...

Sind A-Books die Zukunft des gedruckten Buchs?

Die Art und Weise, wie wir Literatur konsumieren, hat sich im Laufe der Zeit verändert. Dank des technischen Fortschritts gibt es inzwischen weitere Möglichkeiten abseits des klassischen Printbuchs. Im gedruckten Buch sehen daher viele Fachleute schon seit etlichen...