zum Inhalt springen

Internet Archive in der Kritik

Datum: 2. Juli 2020
Autor: Erwin König
Kategorien: Kurz notiert

Das Internet Archive hat sich bekanntlich auf die Fahne geschrieben, das gesamte Web zu archivieren. Daneben versucht es aber auch, weitere digitale Medienformate für die Nachwelt zu bewahren, beispielsweise Bücher, Spiele oder Videos. Nun hat sich das Internet Archive mit der Bereitstellung digitaler Bücher rechtlichen Ärger eingehandelt. Aufgrund der Corona-Krise hat das Internet Archive in seiner Online-Bibliothek „Open Library“ ca. 1,5 Mio. Werke veröffentlicht, allerdings ohne die notwendigen Rechte einzuholen. Mit dieser als „Notfall-Bibliothek“ (National Emergency Library) bezeichneten Aktion sollte es Studierenden ermöglicht werden, während des Lockdowns an die notwendigen Lehrinhalte zu kommen. Nun klagen diverse Verlage (Hachette Book Group, Harper Collins, John Wiley & Sons und Penguin Random House) vor US-Gerichten wegen Urheberrechtsverletzung. Unter dem Eindruck dieser Verleger-Klage hat das Internet Archive das eigentlich noch zwei Wochen laufende Notfall-Projekt vorzeitig beendet. Ob damit bereits alle Probleme für das Internet Archive ausgeräumt sind, wird sich in den nächsten Wochen zeigen. Inzwischen ist das Internet Archive wieder zum früheren Modell des „Controlled Digital Lending (CDL)“ zurückgekehrt. Bei CDL leiht das Internet Archive jeweils nur eine digitale Version eines Buchs an eine Person aus, und zwar nur dann, wenn es davon ein gedrucktes Exemplar besitzt. Inwieweit dieses Modell von den Verlagen rechtlich akzeptiert wird, ist bisher unklar. Die Notfall-Bibliothek war auf jeden Fall illegal. Deswegen auch die schnelle Reaktion auf die eingereichte Klage.

...

Um den Artikel in voller Länge lesen zu können, benötigen Sie ein Abo. Jetzt Abo abschließen oder mit bestehendem Konto anmelden!

Mehr zum Thema:

Warum Hardcover mehr sind als schöne Schutzumschläge

Eine Debatte im „Guardian“ zeigt, warum Hardcover trotz hoher Preise, ihres Gewichts und ihrer sperrigen Handhabung weiterhin eine wichtige Rolle spielen. Mehrere Leser:innen widersprechen darin einem zuvor erschienenen Beitrag, der für die Abschaffung von Hardcovern...

Lesen auf Papier oder auf dem Bildschirm?

Erik D. Reichle und Lili Yu erklären in ihrem in „The Conversation“ erschienenen Beitrag, warum die Frage nach Papier oder Bildschirm zu kurz greift. Entscheidend sei weniger das Medium selbst als die Frage, ob digitale Geräte konzentriertes Lesen unterstützen oder...

Bibliotheksverbände fordern neue E-Book-Modelle von großen Verlagen

Nathalie op de Beeck berichtet in „Publishers Weekly“ über einen gemeinsamen Appell von fünf Bibliotheksorganisationen aus den USA und Kanada an die großen Publikumsverlage und digitale Plattformanbieter. Die Verbände fordern nachhaltigere Konditionen für Öffentliche...

Was ChatGPT und Ghostwriting über Autorschaft verraten

Emily Hodgson Anderson zeigt in „The Conversation“, dass die aktuelle Aufregung um ChatGPT und akademisches oder professionelles Schreiben auf eine ältere Debatte zurückführt. Der Streit um KI-gestützte Schreibassistenz ist demnach kein völlig neues Problem, sondern...