Geschlossene Systeme als Bedrohung für das freie Web
Datum: 24. Mai 2015
Autor: Erwin König
Kategorien: Trends

Im Rahmen dieser Zeitschrift wurde schon gelegentlich auf die Tatsache aufmerksam gemacht, dass das World Wide Web (WWW) fortlaufend an Bedeutung verliert. Der Trend zur Appisierung des Webs, und breiter gefasst des Internets, wird von den führenden Technologie-Unternehmen immer stärker vorangetrieben. So berichtet die Süddeutsche Zeitung in dem Artikel "Der schleichende Tod der Webseite" aktuell über den führenden indischen Online-Händler Flipkart. Dieser hat angekündigt in wenigen Monaten seine klassische Homepage komplett durch verschiedene Apps ersetzen zu wollen. Auslöser dieser Überlegungen sind neben der zunehmenden Verbreitung von mobilen Endgeräten wie Smartphones und Tablets, die Verfügbarkeit von schnelleren mobilen Internetverbindungen auch schlichte wirtschaftliche Überlegungen. Durch ein geschlossenes System, wie es Apps oder soziale Netzwerke bilden, ist es für die Unternehmen viel einfacher die Kontrolle darüber zu behalten, was die User machen. Oder anders ausgedrückt so können die Unternehmen einfacher die Daten und Datenspuren ihrer User aufzeichnen und auswerten. Und mindestens genauso wichtig ist es für die Unternehmen ihre Nutzer so lange wie möglich auf ihren eigenen Seiten zu erhalten, um mittels Werbung und anderen Angeboten entsprechende Umsätze zu erzielen. Ein aktuelles Beispiel für diese Strategie ist die Vereinbarung zwischen Facebook und Zeitungsverlagen wie der New York Times, die es Facebook erlaubt explizit Zeitungsinhalte auf der eigenen Plattform veröffentlichen zu dürfen. Der Vorteil für das führende soziale Netzwerk liegt auf der Hand, d.h. ihre User müssen nicht auf andere Seiten klicken, und können so in ihrer Facebook-Welt gehalten werden.

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