Studie zur Nutzung mobiler Dienste in deutschen Bibliotheken

Ausgabe 4/2012

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Wir sind unbestritten auf dem Weg in eine mobile (Internet-)Zukunft. Ausdruck findet diese Entwicklung etwa in der immer größeren Verbreitung von mobilen Endgeräten wie Smartphones oder Tablet-Rechnern bei den Usern. Gleichzeitig treiben die großen Telekommunikationsunternehmen den (hoffentlich) flächendeckenden Ausbau von breitbandigen, mobilen Internetverbindungen sukzessive voran. Dieser Trend hin zu mobilen Anwendungen hat natürlich auch Auswirkungen auf die Bibliotheken in Deutschland. Die vorliegende Arbeit versucht hierzu - nach eigenen Angaben zum ersten Mal - Nutzungszahlen und Nutzungsanforderungen für mobile Anwendungen in Bibliotheken des deutschsprachigen Raums zu evaluieren. Neben einer Auswertung und Diskussion der verfügbaren Fachliteratur wurde auch eine stichprobenartige Benutzerbefragung unter den Besitzern von mobilen Endgeräten durchgeführt.

Bibliotheken haben es immer öfter mit neuartigen Nutzergruppen zu tun. Momentan stehen die Digital Natives in vielen Fachartikeln und Büchern im Mittelpunkt des Interesses. In Zukunft wird man es wahrscheinlich immer öfter mit Kunden des Typs "Smart Natives" zu tun bekommen. Während man als "Digital Natives" Personen der Geburtsjahrgänge ab 1980 bezeichnet, die mit Computer und Internet aufgewachsen sind, versteht man unter den "Smart Natives" eine jüngere Generation, die mit Smartphones und Tablet-Rechnern auf Du und Du sind.

Die Arbeit erläutert anhand des Beispiels des Landesbibliothekszentrums Rheinland-Pfalz, welche Zielgruppen es für mobile Bibliotheksdienste gibt, welche mobilen Dienste schon aktuell nutzbar sind, und was man beim Aufbau und Betrieb eigener mobiler Bibliotheksdienste beachten muss.

Der Trend hin zu immer mehr mobiler Kommunikation innerhalb zahlreicher Gesellschaftsgruppen geht auch an Informationseinrichtungen nicht spurlos vorbei, bzw. sollte es nicht, wenn man die Aufgabe als Informationsintermediär der Gesellschaft ernst nimmt. Für Bibliotheken stellt sich daher die Frage, ob sie einerseits ihr bestehendes Informationsangebot für diese mobile Entwicklung anpassen und optimieren wollen, und/oder ob sie auch spezifische neue mobile Dienste oder Anwendungen entwickeln sollen. Solch eine mobile Strategie verspricht die Chance, neue Nutzergruppen zu gewinnen, bzw. auch bestehende Benutzer zu behalten, die einfach erwarten, dass sie auch mit ihrem Smartphone oder ihrem Tablet-PC mobil auf ihre Bibliothek zugreifen können. Gerade bei Informationseinrichtungen mit geringem finanziellem und personellem Spielraum ist dieses Thema eine Gratwanderung.

Mobile Dienste kann man dabei in folgende Kategorien unterteilen:

  • Kommunikationsdienste (E-Mail, SMS, Instant Messaging etc.)
  • Informationsdienste (mobile Suche, GPS-Dienste wie Loction Based Services)
  • Soziale Netzwerke (Facebook, Twitter, Xing etc.)
  • Unterhaltungsdienste (z.B. Streamingdienste für Musik oder Videos wie YouTube)
  • Transaktionsdienste (darunter versteht man z.B. Bezahlsysteme für Online-Shops oder auch Internet-Finanzdienstleistungen wie Online-Börsenhandel)

Alle diese mobilen Dienste sind im Prinzip auch für Informationseinrichtungen von Interesse.

Technische Nutzungsschwierigkeiten, die man vor dem Start einer mobilen Bibliothek angehen und beachten sollte, sind z.B.:

  • Die Informationsangebote müssen für die kleinen Bildschirme der mobilen Endgeräte angepasst werden.
  • Die Interaktion zwischen Benutzern und mobilen Webseiten geschieht hauptsächlich, und damit im Unterschied zur klassischen Maus/Tastatur-Eingabe, eingeschränkt über die Touchscreens.
  • Teilweise stehen für die mobilen Geräte nur geringe Downloadraten zur Verfügung. Hier stellt sich die Frage, ob man eigene Hotspots / W-LANs einrichten soll, um den Benutzern zumindest innerhalb der Bibliothek akzeptable Übertragungsgeschwindigkeiten anbieten zu können. 
  • Die Ausstattung der einzelnen Geräte bezüglich Soft- und Hardware ist sehr unterschiedlich. Manche Geräte haben Kameras oder auch nicht. Genauso gibt es welche mit oder ohne GPS-Funktionen. Die Browservielfalt auf den Smartphones ist auch ein Problem für Webentwickler. Dazu kommen zahlreiche verschiedene Betriebssysteme (Android, iOS, Symbian etc.) sowie zahlreiche Versionen dieser Betriebssysteme. All diese Eigenheiten müssen bei der Erstellung der mobilen Webseiten beachtet und berücksichtigt werden. Hier stellt sich auch die Frage, ob man eigene Bibliotheks-Apps entwickeln soll.

Welche Bibliotheksdienste werden schon mobil angeboten? Nach einer Untersuchung der Association of Research Libraries(ARL) aus dem Jahr 2010 sind dies derzeit in erster Linie folgende:

  • Abruf der Öffnungszeiten
  • Auskunftsdienste
  • Mobile Suche
  • Standortinformationen
  • Aktuelle Meldungen aus der Bibliothek
  • Datenbanken
  • Informationen über das eigene Benutzerkonto
  • Mögliche Ansprechpartner

In den USA bieten laut dieser Studie 44% der wissenschaftlichen und 34% der öffentlichen Bibliotheken mobile Bibliotheksdienste an. In Deutschland findet man bisher noch relativ wenige Anschauungsbeispiele für mobile Bibliothekswebseiten und -dienste. In erster Linie sind hier die großen wissenschaftlichen Bibliotheken wie die Bayerische Staatsbibliothek, die Universitätsbibliothek Dortmund, die Universitäts- und Stadtbibliothek Köln und die Technische Universitätsbibliothek Berlin zu nennen, die hier eine gewisse Vorreiterrolle einnehmen. Die mobilen Anwendungen in Deutschland sind zudem bisher relativ überschaubar. So gibt es optimierte Homepages für den mobilen Online-Zugriff, mobile abrufbare Versionen des OPACs, QR-Codes sowie auch einige selbst entwickelte Apps. In Planung befinden sich noch einige Projekte mit Augmented Reality-Anwendungen, wie z.B. von der Bayerischen Staatsbibliothek München, die rund um König Ludwig II. multimediale Inhalte informativer und anschaulicher präsentieren will.

Die bisher vorliegenden Zahlen zur Nutzung von mobilen Bibliotheksdiensten legen aber den Schluss nahe, dass sowohl national als auch international die Nachfrage nach mobilen Bibliotheksangeboten eigentlich noch sehr gering ist. So erfolgen laut einer amerikanischen Studie durchschnittlich weniger als 6% der Zugriffe über die mobile Version der Bibliotheks-Homepage. Die Universitäts- und Stadtbibliothek Köln verzeichnet pro Tag im Durchschnitt 29 Buchrecherchen. Der Aufwand und die Kosten für ein mobiles Informationsangebot können durch solch geringe Nutzungszahlen wohl schwer gerechtfertigt werden.

Abschließend erfolgt eine Nutzerbefragung am Landesbibliothekszentrum in Koblenz. Ziel dieser Befragung ist es, die Anforderungen an einen möglichen mobilen Bibliotheksdienst zu erhalten. Dazu wurden neun Personen mittels vertiefter Interviews befragt. Hier einige Erkenntnisse und Aussagen aus dieser Umfrage:

  • Aufgrund der geringen, potenziellen Nutzungserwartung wird empfohlen, mit einem einfachen mobilen Basisangebot zu starten.
  • Als grundlegende mobile Bibliotheksdienste werden die Katalogrecherche, Verlängerungsmöglichkeiten von Medien sowie wichtige Kontaktinformationen  der Bibliothek angesehen.
  • Ein hoher Wiedererkennungswert der mobilen Website bzw. der mobilen App ist anzustreben. Zudem sollte auch eine Verknüpfung zur Standard-Website hergestellt werden.
  • QR-Codes bieten sich durch ihre einfache Integrationsmöglichkeit als Erweiterung des mobilen Angebots an.

Die Arbeit verdeutlicht einige interessante Aspekte bei der Erstellung von mobilen Anwendungen für Informations-einrichtungen. Für eine Allgemeingültigkeit bzw. Repräsentativität der vorliegenden Resultate ist der Studienumfang sowie das gewählte Auswahlverfahren mit lediglich neun Umfrageteilnehmern aber leider viel zu gering. Da dieses Thema aber Bibliotheken in den nächsten Jahren noch intensiv beschäftigen wird - mobil ist schließlich das neue digital - wären hier Nachfolgeuntersuchungen zu diesem Thema unbedingt angezeigt:

Quelle: Lehnard-Bruch, Susanne: "Mobile Nutzung bibliothekarischer Services: Anforderungen an Bibliotheken mit heterogenen Zielgruppen – Explorative Untersuchung am Beispiel der Regionalbibliotheken des Landesbibliothekszentrums Rheinland-Pfalz"; in: Kölner Arbeitspapiere zur Bibliotheks- und Informationswissenschaft, 2012, Band 65, online abrufbar unter http://www.fbi.fh-koeln.de/institut/papers/kabi/volltexte/band065.pdf

Wir sind unbestritten auf dem Weg in eine mobile (Internet-)Zukunft. Ausdruck findet diese Entwicklung etwa in der immer größeren Verbreitung von mobilen Endgeräten wie Smartphones oder Tablet-Rechnern bei den Usern. Gleichzeitig treiben die großen Telekommunikationsunternehmen den (hoffentlich) flächendeckenden Ausbau von breitbandigen, mobilen Internetverbindungen sukzessive voran. Dieser Trend hin zu mobilen Anwendungen hat natürlich auch Auswirkungen auf die Bibliotheken in Deutschland. Die vorliegende Arbeit versucht hierzu - nach eigenen Angaben zum ersten Mal - Nutzungszahlen und Nutzungsanforderungen für mobile Anwendungen in Bibliotheken des deutschsprachigen Raums zu evaluieren. Neben einer Auswertung und Diskussion der verfügbaren Fachliteratur wurde auch eine stichprobenartige Benutzerbefragung unter den Besitzern von mobilen Endgeräten durchgeführt.

Bibliotheken haben es immer öfter mit neuartigen Nutzergruppen zu tun. Momentan stehen die Digital Natives in vielen Fachartikeln und Büchern im Mittelpunkt des Interesses. In Zukunft wird man es wahrscheinlich immer öfter mit Kunden des Typs "Smart Natives" zu tun bekommen. Während man als "Digital Natives" Personen der Geburtsjahrgänge ab 1980 bezeichnet, die mit Computer und Internet aufgewachsen sind, versteht man unter den "Smart Natives" eine jüngere Generation, die mit Smartphones und Tablet-Rechnern auf Du und Du sind.

Die Arbeit erläutert anhand des Beispiels des Landesbibliothekszentrums Rheinland-Pfalz, welche Zielgruppen es für mobile Bibliotheksdienste gibt, welche mobilen Dienste schon aktuell nutzbar sind, und was man beim Aufbau und Betrieb eigener mobiler Bibliotheksdienste beachten muss.

Der Trend hin zu immer mehr mobiler Kommunikation innerhalb zahlreicher Gesellschaftsgruppen geht auch an Informationseinrichtungen nicht spurlos vorbei, bzw. sollte es nicht, wenn man die Aufgabe als Informationsintermediär der Gesellschaft ernst nimmt. Für Bibliotheken stellt sich daher die Frage, ob sie einerseits ihr bestehendes Informationsangebot für diese mobile Entwicklung anpassen und optimieren wollen, und/oder ob sie auch spezifische neue mobile Dienste oder Anwendungen entwickeln sollen. Solch eine mobile Strategie verspricht die Chance, neue Nutzergruppen zu gewinnen, bzw. auch bestehende Benutzer zu behalten, die ...

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