Schleppendes E-Book-Geschäft in Deutschland

Ausgabe 5/2012

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$fil = new IPFilter($filter);
if (current_user_can("access_s2member_level1") || $fil -> check($_SERVER[‘REMOTE_ADDR’])){ ?>Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels hat neueste Zahlen zur Entwicklung des deutschen Buchmarkts publiziert. Während sich in den Vereinigten Staaten der Absatz von elektronischen Büchern immer mehr beschleunigt, sieht der Börsenverein in Deutschland derzeit keine entsprechende Entwicklung. So soll sich der Anteil der E-Books am gesamten deutschen Buchmarkt bis 2015 lediglich auf 3,5% steigern. Zum Vergleich: in den USA lag dieser Anteil 2011 bereits bei 6,2% und in Großbritannien bei 6% (Quelle: PublishersWeekly). In Deutschland liegt der Umsatzanteil im Jahr 2011 erst bei 1%.

Nachfolgend einige der Ergebnisse dieser Untersuchung:

  • Gegenüber dem Vorjahr hat sich der Absatz von E-Books in Deutschland mehr als verdoppelt. 2010 wurden 2,0 Mio. E-Books abgesetzt, während sich dieser Wert 2011 auf 4,7 Mio. E-Books erhöht hat. Der Anteil am gesamten Buchmarkt ist aber immer noch sehr gering (2011: 1%, 2010: 0,5%).
  • Der durchschnittliche Preis pro E-Book ist von 10,40 Euro im Jahr 2010 auf 8,07 € 2011 gesunken.
  • Die Anzahl der Käufer von E-Books hat um ca. 40% zugelegt, und zwar von 540.000 (2010) auf 757.000 (2011). Angewachsen ist auch die Anzahl E-Books pro Käufer und zwar von 3,8  E-Books (2010) auf 6,2 E-Books (2011).
  • Interessant sind die Einstellungen der Leser zu gedruckten und digitalen Büchern. Hier zeigen die vorliegenden Zahlen auf eine langsam steigende Akzeptanz für elektronische Bücher hin. So gaben 2009 noch 83% der Befragten an, dass sie Bücher nicht über einem Bildschirm lesen wollen. Sukzessive ist dieser Wert bis 2012 auf 72% gesunken.
  • Immer noch ungebrochen aber ist die Liebe der Deutschen zu “ihrem” gedruckten Buch. Es gefällt 2012 immer noch 84%, dass sie ihre Bücher in Regalen stehen sehen. Gegenüber 2009 mit 88% ist dies nur ein relativ geringer Rückgang. Die Präferenz der Deutschen für das gedruckte Buch gegenüber seinem digitalen Pendant kann man auch gut an dem Anteil der Zustimmung für die Aussage “Ich liebe gedruckte Bücher zu sehr, ein elektronisches Gerät reicht nicht an das Leseerlebnis heran“ ablesen. Dieser Wert ist zwar gegenüber 2009 mit 88% Zustimmung auf nun 82% (2012) gesunken, aber trotzdem immer noch sehr hoch.
  • Ebenfalls gestiegen ist die Wahrnehmung der diversen Vorteile von E-Books gegenüber den Printausgaben, wie Umweltfreundlichkeit und geringerer Preis.
  • Gegenüber 2011 ist auch der Anteil derjenigen Buchkäufer, die ausschließlich gedruckte Bücher erwerben, gesunken, und zwar von 52% auf 45% (2012). Allerdings sind diese Zahlen in ihrer vermeintlichen Eindeutigkeit etwas mit Vorsicht zu genießen, da 2010 dieser Wert bereits bei 49% gelegen ist. Der Trend deutet aber darauf hin, dass der Anteil der deutschen “Hardcore”-Print-Fans doch langsam rückläufig ist.
  • Für die Verlage war der Umsatz mit E-Books allerdings im vergangenen Jahr unter ihren Erwartungen.  Für 2011 wurde mit einem durchschnittlichen  Anteil der E-Books am Gesamtumsatz von 6,6% gerechnet. Effektiv wurde aber nur ein Umsatz von 6,2% mit E-Books 2011 eingefahren. 2012 wird mit einem durchschnittlichen Umsatzanteil von 7,2% der E-Books am Gesamtmarkt gerechnet. Für 2015 soll der Umsatzanteil für die Verlage mit elektronischen Büchern aber auf bereits 17% wachsen. Die Buchhändler erwarten dagegen mit E-Books bis 2015 keine nennenswerten Umsätze einzufahren. Diese sollen nach Selbsteinschätzung lediglich einen Anteil von 3,5% an ihrem Gesamtumsatz haben.
  • Eine deutliche Zunahme lässt bei den Verlagsprogrammen feststellen.  2010 haben 35% aller Verlage überhaupt erst E-Books vertrieben. 2001 ist dieser Wert schon auf 49% gestiegen. Und überhaupt scheint das E-Book in der Verlagsbranche an Akzeptanz zu gewinnen. 2012 wollen lediglich 14% auch in Zukunft komplett auf E-Books in ihrem Verlagsprogramm verzichten. Gegenüber dem Jahr 2010 mit 22% Totalverweigerern ist dies ein sichtbarer Rückgang.
  • Das Angebot an E-Books durch die Verlage nimmt aber nicht nur rein quantitativ zu. Auch inhaltlich wird das Angebot ausgeweitet. Diejenigen Verlage, die bereits elektronische Bücher in ihrem Programm haben, bieten ihre gedruckten Buchneuheiten immer öfter auch als E-Book an. Dieser Wert hat von 39% (2010) auf 42% (2011) zugelegt. Außerdem ergänzen die Verlage ihr bereits bestehendes  gedrucktes Verlagsprogramm immer öfter mit einer digitalen Version.
  • Erfreulich ist auch die Zunahme bei den angebotenen Genres der E-Book-Titel, wobei die drei größten Buchgattungen – wissenschaftliche Bücher, Fachbücher, Belletristik – zusammen immer noch allein einen Anteil von 71% einnehmen (2010: 80%).
  • Auch bei den Investitionen in E-Books durch die Verlage lassen sich Steigerungsraten erkennen. Durchschnittlich haben im Vorjahr 55%  aller Verlage entsprechende Investitionen getätigt. 2012 beträgt dieser Anteil 57%. Allgemein gilt hierbei, dass je kleiner ein Verlag ist, um so weniger wird in E-Books investiert.
  • Das Angebot von E-Books im Buchhandel wird gerade in kleineren und mittleren Buchhandlungen durch eine immer noch geringe Nachfrage sowie eine geringe Umsatz- und Gewinnmarge gebremst.
  • Mit weitem Abstand erwarten die Verlage, dass sich das EPUB-Verfahren durchsetzen (2012: 85) wird. Interessant ist der Rückgang bei dem PDF-Format. 2011 glaubten noch 11% der Verlage, dass PDF das Format für elektronische Bücher sei. 2012 haben dies nur mehr 2% gesagt. Knapp die Hälfte (46%) sind aber gleichzeitig der Meinung, dass es auch in Zukunft verschiedene E-Book-Leseformate parallel nebeneinander geben werde.
  • Bei dem gerade für die Verbraucher  wichtigen Thema “Technische Schutzmaßnahmen bei E-Books” werden inzwischen von den Verlagen solche Verfahren zu 61% (2011: 55%) eingesetzt. Interessant ist hierbei, dass die Verlage aber im Gegensatz zum Vorjahr am häufigsten auf das sogenannte “weiche” Digitale Rechtemanagement, wie digitale Wasserzeichen, setzen.

Grundsätzlich lässt sich, wie auch schon vor einem oder vor fünf Jahren, festhalten, dass das gedruckte Buch uns noch eine Weile begleiten wird. Im Endeffekt  hängt das Tempo bei der Verbreitung von E-Books von zwei, drei Faktoren ab:

  1. Der technologischen Entwicklungsgeschwindigkeit von immer besseren  Lesegeräten, und damit auch von der Anzahl der Verkäufe von solchen Geräten.
  2. Der Anteil von der Generation Internet an der gesamten Bevölkerung.
  3. Faktoren wie Preise sowie Einfachheit der Rechte- und Zugriffsmöglichkeiten für die Leser.

Gerade die ersten zwei Faktoren bedeuten, dass der Buchmarkt sich nicht über Nacht verändern wird. Bedenkt man noch die Jahrhunderte alte Tradition des gedruckten Buches, wird klar, dass die Umwälzungen von Print zu Digital, wie etwa die Substitution der etwa nur wenige Jahrzehnte existierenden Vinyl-Platte durch die Musik-CD, kaum in dem selben Tempo vonstatten gehen kann.

Auffällig ist zudem, dass sich gerade kleinere und mittlere Buchhändler sowie Verlage wesentlich schwerer tun, auf dem E-Book-Markt entsprechende Angebote für die Verbraucher anzubieten.

Passend zu der obigen Untersuchung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels sei auf einen Blogbeitrag des Buchautors Tom Hillenbrand verwiesen, der einen etwas weiter in Zukunft gerichteten Ausblick auf den deutschen Buchmarkt liefert. In diesem Artikel werden

10 provokative Thesen zum zukünftigen  Buchmarkt formuliert.  Prognostiziert wird z. B.:

  • In 20 Jahren werden die meisten Buchläden – entsprechend der Entwicklung von Plattenläden – verschwunden sein.
  • Von der Digitalisierung des Buchmarkts sind alle Bereiche betroffen, also auch die von Teilen der Buchbranche gerne als vermeintliche Ausnahme vor der Digitalisierung geschützte hochwertige Literatur.
  • Mit dem Sterben der Buchläden wird auch die Beratung vollständig ins Internet abwandern.
  • Diejenigen Bücher, die als gedruckte Ausgaben weiter erscheinen werden, werden in ein aufwändigeres “Kleid” gesteckt, um überhaupt noch Käufer zu finden.
  • Viele neue, kleine und spezialisierte Verlage werden entstehen, da man in Zukunft im Prinzip nur mehr einen Rechner benötigt, um einen eigenen Verlag zu gründen.
  • Autoren werden dann in diesem neuen, digitalen Buchmarkt mehr Material publizieren, da Unveröffentlichtes nun wesentlich einfacher zu vertreiben ist.

Hillenbrand lässt sich bei seinen Thesen offensichtlich von der bereits im Musikmarkt statt- gefundenen Entwicklung leiten. Und dies ist sicher der bessere  Ansatz, als sich von der noch dürftigen Entwicklung des deutschen E-Bookmarkts blenden zu lassen. Auch wenn die digitalen Buchausgaben momentan am gesamten Umsatz der Verlage nur wenig ausmachen, lässt sich die Zeit nicht mehr zurückdrehen. Für Buchhändler  ist das hier vorgestellte Zukunftsszenario allerdings sicher nicht erfreulich.

Quelle:
Börsenverein des Deutschen  Buchhandels  (Hrsg.): „Markt mit Perspektiven – das E-Book in Deutschland 2011“; Juni 2012, online abrufbar als PDF-Dokument unter der Internetadresse  http://www.boersenverein.de/sixcms/media.php/976/E-Book-Studie%202012%20PRESSEMAPPE_print.pdf

Hillenbrand, Tom: „Zehn steile Thesen zum eBook“; Blogeintrag vom 29. Mai 2012, online abrufbar unter der URL http://www.netzfundbuero.de/2012/05/29/zehn-steile-thesen- zum-ebook/

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels hat neueste Zahlen zur Entwicklung des deutschen Buchmarkts publiziert. Während sich in den Vereinigten Staaten der Absatz von elektronischen Büchern immer mehr beschleunigt, sieht der Börsenverein in Deutschland derzeit keine entsprechende Entwicklung. So soll sich der Anteil der E-Books am gesamten deutschen Buchmarkt bis 2015 lediglich auf 3,5% steigern. Zum Vergleich: in den USA lag dieser Anteil 2011 bereits bei 6,2% und in Großbritannien bei 6% (Quelle: PublishersWeekly). In Deutschland liegt der Umsatzanteil im Jahr 2011 erst bei 1%.

Nachfolgend einige der Ergebnisse dieser Untersuchung:

  • Gegenüber dem Vorjahr hat sich der Absatz von E-Books in Deutschland mehr als verdoppelt. 2010 wurden 2,0 Mio. E-Books abgesetzt, während sich dieser Wert 2011 auf 4,7 Mio. E-Books erhöht hat. Der Anteil am gesamten Buchmarkt ist aber immer noch sehr gering (2011: 1%, 2010: 0,5%).
  • Der durchschnittliche Preis pro E-Book ist von 10,40 Euro im Jahr 2010 auf 8,07 € 2011 gesunken.
  • Die Anzahl der Käufer von E-Books hat um ca. 40% zugelegt, und zwar von 540.000 (2010) auf 757.000 (2011). Angewachsen ist auch die Anzahl E-Books pro Käufer und zwar von 3,8  E-Books (2010) auf 6,2 E-Books (2011).
  • Interessant sind die Einstellungen der Leser zu gedruckten und digitalen Büchern. Hier zeigen die vorliegenden Zahlen auf eine langsam steigende Akzeptanz für elektronische Bücher hin. So gaben 2009 noch 83% der Befragten an, dass sie Bücher nicht über einem Bildschirm lesen wollen. Sukzessive ist dieser Wert bis 2012 auf 72% gesunken.
  • Immer noch ungebrochen aber ist die Liebe der Deutschen zu “ihrem” gedruckten Buch. Es gefällt 2012 immer noch 84%, dass sie ihre Bücher in Regalen stehen sehen. Gegenüber 2009 …


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