Mobil ist Trumpf, aber der PC lebt noch
Datum: 3. Mai 2012
Autor: Erwin König
Kategorien: Kurz notiert

Desktop-PCs werden besonders im privaten Bereich immer öfter zu Gunsten von mobilen Endgeräten ersetzt. Daran gibt es schon seit längerer Zeit kaum mehr Zweifel. Zwei aktuelle Studien deuten darauf hin, dass die mobile Rechenpower auch in Unternehmen vielleicht schneller Einzug hält, als dies bisher vermutet wurde. So haben in einer Untersuchung des Marktforschungsinstituts Frost & Sullivan 98% der befragten Führungskräfte angegeben, einen Laptop, sowie mehr als drei Viertel, einen Tablet-Rechner zu besitzen. Gegen diese These sprechen allerdings die aktuellen, weltweiten Verkaufszahlen von Desktop-Rechnern.

In einer weiteren Studie will das auf Sicherheitssoftware spezialisierte IT-Unternehmen mikado soft GmbH herausgefunden haben, dass sich in deutschen Unternehmen in den nächsten zwei Jahren das Verhältnis von eingesetzten mobilen und stationären Rechnern deutlich wandeln wird. Wie nicht anders zu erwarten, sieht mikado soft mit diesem Trend ein Manko an umfassenden mobilen Sicherheitsstrategien bei den Unternehmen einhergehen. So haben erst knapp 15% der befragten Unternehmen eine vollständige Sicherheitsstrategie für mobile Endgeräte entwickelt.

Verschwinden Desktop-PCs also schon bald endgültig aus unseren Arbeitsalltag? Das darf man wohl bezweifeln. Genau so wenig wie E-Books in Kürze gedruckte Bücher mehr oder weniger komplett ablösen werden, werden mobile Rechner die Desktop-PCs vollständig ersetzen. Einerseits haben viele Branchen wirklich ein Problem mit ungelösten Sicherheitsfragen, wie z.B. Finanzdienstleister. Diese werden daher aus verständlichen Gründen ihre stationären PCs nur schrittweise durch mobile Geräte ersetzen. Zudem verfügen viele Desktop-PCs über ein besseres Preis-/ Leistungs-verhältnis, so dass man gerade in Unternehmen zumindest eine Zeitlang für rechenintensive Prozesse weiter auf PCs setzten wird. Weiterhin verspricht eine neue Generation von Personal Computern, diesen technischen Vorsprung für diese Geräteklasse gegenüber ihren mobilen Pendants auch erst einmal aufrecht zu erhalten.

Diese Sichtweise wird durch die neuesten Absatzzahlen des globalen PC-Markts durch das Marktforschungsunternehmen Gartner gestützt. So hat im 1.Quartal der Verkauf von Personal Computer um 1,9% auf 89 Mio. Geräte zugenommen. Erwartet wurde ursprünglich ein leichter Rückgang bei den PC-Verkäufen. Das überraschende Plus kam durch eine steigende Nachfrage der Unternehmen zu Stande. Währenddessen bleibt die Nachfrage von PCs durch die Privatkonsumenten aber schwach. Diese kaufen vorzugsweise Smartphones und Tablet-Rechner. So gesehen wird in den nächsten Jahren eher eine hybride mobile-stationäre Rechnerumgebung in Unternehmen vorherrschen. Schließlich wird man in den Unternehmen auch kaum auf die unschlagbaren Vorteile der mobilen Geräte verzichten wollen.

Ergänzend zu diesem Beitrag sei auch auf aktuelle Aussagen des Marktforschungsunternehmens IDC verwiesen. Dieses sieht das Ende der Vormachtstellung der Windows-basierten PCs für das Jahr 2016 kommen. Dann sollen Geräte mit dem von Google entwickelten Betriebssystem Android mit einem geschätzten Marktanteil von 31,1% (heute 29,4%) die Führungsposition vor Windows-x86-Geräten mit dann nur mehr 25,1% (heute: 35,9%) einnehmen. Auf Platz 3 folgen im Jahr 2016 Apple iOS-Geräte mit 17,3% Marktanteil (heute 14,6%). Dies bedeutet in der Summe eine große Verschiebung von x86-Prozessoren zu den ARM-Prozessoren. Die ARM-Plattform wird nicht nur von den Android-Geräten eingesetzt, sondern auch von den Apple-Rechnern. Wichtigste Einsatzgebiet der ARM-Architektur sind die sogenannten „Smart Connected Devices“. Zu diesen intelligent vernetzten Endgeräten zählt IDC neben PCs vor allem Tablet-Rechner und Smartphones.

Eine weitere interessante Aussage bezieht sich auf den Trend hin zur Nutzung mehrere solcher Smart Connected Devices. Hier soll Cloud Computing eine entscheidende Rolle spielen, um diese verschiedenen Endgeräte sowie die diversen persönlichen Anwendungen unter „einen Hut zu bekommen“.

Quellen:
Frost & Sullivan (Hrsg.): „Mehr als drei Viertel der Führungskräfte besitzen mindestens einen Tablet-Computer, während 20 Prozent über zwei oder mehr verfügen“; Pressemitteilung vom 6. März 2012, online abrufbar unter http://www.frost.com/prod/servlet/press-release.

Kling, Bernd: „IDC: Android-Geräte laufen Windows-PCs bis 2016 den Rang ab“; Meldung vom 29. März 2012, online verfügbar unter http://www.zdnet.de/news/41561286/idc-android-geraete-laufen-windows-pcs-bis-2016-denrang-ab.htm

mikado soft ( Hrsg.): „Sicherheitsrisiken bei mobilen Endgeräten noch nicht gelöst“; in: Pressemitteilung vom 22. Februar 2012, online verfügbar unter

http://www.mikadosoft.de/index.php/de/pressemitteilungen/pressemitteilungen/327-22-februar-2012-mikado-studie-sicherheitsrisiken-bei-mobilen-endgeraeten-noch-nicht-geloest.html

Schlagworte: 03-2012 | computer | mobile | pc | tablet

Mehr zum Thema:

Disput um Onleihe

Die Online-Ausleihe der Öffentlichen Bibliotheken in Deutschland, die unter der Marke Onleihe bekannt ist, bietet bereits seit 2007 Bibliotheksbenutzerinnen und -benutzern die Möglichkeit, über diese von der Firma divibib GmbH aus Reutlingen entwickelte Plattform...

Historisches Zeitungsarchiv der Deutschen Bibliothek gestartet

Wer heute im Internet nach lokalen Nachrichten aus der Zeit vor dem Jahr 2000 sucht, wird in der Regel nicht viel finden. Dies gilt selbst für Inhalte, die noch nicht allzu lange zurückliegen, etwa aus den 1970-er oder 1980-er Jahren. Warum das so ist, lässt sich...

Suchmaschinen versagen häufig bei medizinischen Fragen

Suchmaschinen, vor allem das in Europa und Nordamerika dominierende Google, sind für die meisten User heute unverzichtbar, um durch das Internet zu navigieren. Google und Co. sind schon lange zu einem festen Bestandteil unseres (Internet-)Lebens geworden. Heute ist es...

Was ist verantwortlich für den sinkenden IQ der Menschen?

In einem kürzlich publizierten Interview1 des MDR sagte Achim Bonte, der scheidende Generaldirektor der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek (SLUB) in Dresden: „Wir werden täglich dümmer, weil das Weltwissen täglich schneller wächst als...