Steigende Akzeptanz von E-Books in Deutschland

Ausgabe 08-2013

Deutschland ist bekanntlich sehr spät auf den E-Book-Zug aufgesprungen. Der E-Book-Markt ist deshalb, gemessen an der Verbreitung von gedruckten Büchern, immer noch ein kleiner Nischenmarkt. Neue Zahlen des Technologie-Verbandes BITKOM weisen nun auf eine beschleunigte Dynamik bei der Verbreitung von elektronischen Büchern in Deutschland hin. Ob dies aber gleich mit einem Massenmarkt einhergeht, bleibt dem jeweiligen Betrachter bei der Interpretation der Studienergebnisse überlassen. Tatsache ist aber, dass auch in Deutschland die Verbreitung von E-Book-Readern sowie Tablet-Rechnern immer stärker zunimmt. Diese beiden mobilen Endgeräte sind grundsätzlich prädestiniert, um E-Books zu lesen. Das BITKOM erwartet bis Ende 2013, dass 8 Mio. Tablets und 832.000 E-Book-Lesegeräte verkauft werden. Dies sollte sich dann auch positiv auf den Absatz von elektronischen Büchern auswirken.

Das BITKOM hat für diese repräsentative Umfrage 2.500 Personen in Deutschland ab 14 Jahre befragt. Von diesen 2.500 sind etwas mehr als ein Fünftel (539 Personen oder 21%) Leser von elektronischen Büchern. Diese E-Book-User wurden dann vertieft zu ihrem Nutzungsverhalten interviewt.

Die Studie des BITKOM beinhaltet u.a. folgende interessante Aussagen:

  • In Deutschland gibt es kaum geschlechterspezifische Unterschiede beim Lesen von E-Books. Auch die altersspezifischen Unterschiede sind relativ gering ausgeprägt. Dies ist etwas überraschend, vor allem wenn man beachtet, dass die Nutzung von E-Books stark mit der Internetnutzung korreliert, die wiederum deutliche Altersunterschiede aufweist.
  • Als Grund für die Nichtnutzung wird von fast der Hälfte (48%) der E-Book-„Verweigerer“ die sinnliche Erfahrung bei der Verwendung, d.h. die Haptik von Papier genannt. Überraschend wird von fast genauso vielen Personen angegeben, dass die Kosten für ein E-Book-Reader sie vom Erwerb von E-Books abhalten würden. Bei den geringen Kosten für die Einstiegsmodelle ist dieses Argument nicht ganz nachzuvollziehen. Das BITKOM vermutet hier einen Mangel an Informationen. Man könnte umgekehrt auch sagen, dass die Hersteller diese Geräte wohl schlecht bewerben. 43% der Befragten nennen als einen Grund für die Nichtnutzung, dass sie einfach nicht gerne am Bildschirm lesen. Technische Hindernisse, wie komplexe Bedienung oder ein fehlender Internetzugang, spielen als Grund für die Nichtverwendung von E-Books nur für die Altersgruppe der über 65-Jährigen eine gewisse Rolle.
  • Was einen möglichen Umstieg in der Zukunft auf digitale Bücher angeht, sagen lediglich ein Viertel der Nicht-Nutzer, dass sie sich dies vorstellen können. Drei Viertel der deutschen „Papier“-Buchleser wollen auch in Zukunft nichts von elektronischen Büchern wissen. Das BITKOM sieht in der großen Bedeutung des Kulturguts „Buch“ in Deutschland die Hauptursache für diese ablehnende Einstellung. Die praktische Anwendung würde aber in vielen Fällen schnell zu einem Umdenken führen, mutmaßt das BITKOM weiter.
  • Wichtigste Gründe für die Nutzung von E-Books sind einmal die ständige Verfügbarkeit der elektronischen Bücher, der einfache und schnelle Bezug der digitalen Bücher im Internet, sowie das geringere Gewicht eines Lesegerätes gegenüber gedruckten Buchausgaben. Zudem besitzen E-Books zahlreiche Zusatzfunktionen Zu diesen zählen z.B. die beliebteste Funktion unter E-Book-Lesern, das digitalen Lesezeichen, oder auch die Möglichkeit, den Text nach Stichworten zu durchsuchen.
  • Zurzeit werden E-Books aber am häufigsten auf einem nicht-optimierten Endgerät gelesen, nämlich dem Computer. Knapp drei Viertel der Befragten E-Book-Nutzer lesen ihre digitalen Bücher auf einem herkömmlichen Rechner. 58% nutzen dazu auch ihr Smartphone. Die eigentlich für das Lesen von E-Books optimierten Geräte Tablet und E-Book-Reader kommen nur auf einen Anteil von 21%, respektive 18%.
  • Die weiterhin große Relevanz des Computers für das Lesen von E-Books erklärt der BITKOM damit, dass die Verbraucher ihre E-Bücher hauptsächlich online kaufen, und daher diese zuerst auf ihren PC herunterladen. So würden drei Viertel der PC-Leser noch mindestens ein zweites Endgerät zum Lesen von E-Books einsetzen. Außerdem handelt es sich bei den E-Books oftmals um Fachliteratur, die z.B. direkt am Arbeitsplatz mit einem PC gelesen wird.
  • Thematisch dominiert bei den E-Books die Belletristik mit einem Anteil von 69%. Ein Drittel der E-Book-Nutzer setzen auf Sachbücher, 30% auf Fachliteratur, 28% auf Reiseliteratur, Kinder- und Jugendbücher kommen auf 9% und Comics auf 7%.
  • Bei den Quellen für den Bezug von E-Books wird am häufigsten (62%) der Weg über die bekannten Online-Shops wie Amazon, ebook.de, thalia.de und buch.de von den Verbrauchern gewählt. Die vorinstallierten Apps auf mobilen Endgeräten für Shops wie dem Kindle Store, Tolino und iBook Store werden von knapp ein Fünftel der E-Book-User genutzt. 8% kaufen auch direkt bei einem Autor und 6% nutzen die Online-Angebote der Verlage. 12% der E-Book-Leser kaufen überhaupt keine elektronischen Bücher, da sie entweder auf kostenfreie Werke setzen, wie Klassiker, deren Urheberschutz bereits abgelaufen ist. Oder sie nutzen zahlreiche Webportale, die E-Book-Titel auch illegal anbieten.
  • Der Anteil der E-Book-Nutzer, die illegale Kopien besitzen, dürfte sich aber in Grenzen halten. Zwei Drittel der E-Book-Leser gaben an, dass sie noch nie eine Raubkopie besessen haben. 6% haben angegeben, dass sie sich schon einmal eine illegale Kopie beschafft haben. Ein Viertel der Befragten E-Book-Nutzer wollte sich zu dieser Frage allerdings nicht äußern.
  • Auf dem Vormarsch sind auch andere Nutzungsmodelle bei den E-Books. Beliebt ist etwa die Ausleihe von E-Books in öffentlichen Bibliotheken (17% der Leser nutzen diese Möglichkeit) und bei kommerziellen Anbietern (15% leihen dort Titel aus).

Die Studie des BITKOM weist zwar auf den ersten Blick eine gewisse Zunahme von digitalen Büchern in unserem alltäglichen und beruflichen Leben nach. Allerdings relativieren sich die vorliegenden Angaben auch etwas, wenn auf die Anzahl effektiv gekaufter E-Books abgestellt wird (siehe auch weiter unten die Zahlen aus dem „Global eBook Report“). Es hat aber den Eindruck, dass E-Books gerade im Beruf eine immer größere Verbreitung und Akzeptanz finden, was aus Sicht der Unternehmen und der Mitarbeiter auch Sinn macht. Meistens werden nur wenige Seiten eines Buches benötigt, und die Ausleihe in Bibliotheken oder der Kauf des physischen Buchs erscheint in solchen Fällen entweder zu langsam und/oder zu teuer zu sein.

Ergänzend zu dieser Veröffentlichung des BITKOM sei auch eine neue Ausgabe des „Global eBook Report“ erwähnt (Anmerkung: Diese Studie wurde ursprünglich seit 2011 vom Verlag O'Reilly Media publiziert). Hieraus die wichtigsten Erkenntnisse für den deutschen Buchmarkt:

  • Der deutsche Gesamtbuchmarkt ist in der ersten Hälfte leicht um 2,5% gewachsen. Allerdings ist gegenüber den letzten zwei Jahren der Markt gesamthaft geschrumpft, und zwar von 2011 mit einem Umsatz von 9,601 Mrd. auf jetzt 9,52 Mrd. Euro. Am schwersten von diesem Rückgang betroffen sind die klassischen Buchhandelsketten mit einem Minus von 3,7%.
  • Im Gegensatz dazu ist der Sektor der E-Books durch ein deutliches Wachstum gekennzeichnet. Knapp 10% ihres Gesamtumsatzes haben die Verlage in Deutschland 2012 bereits durch E-Books erwirtschaftet. 84% aller deutschen Verlage haben inzwischen E-Books in ihrem Sortiment bzw. planen dies in Kürze. Der Anteil der E-Books am gesamten deutschen Buchmarkt macht allerdings erst 2,4% aus und dürfte Mitte 2013 auf 5% steigen.
  • Klarer Marktführer bei den E-Books ist der Onlinehändler Amazon mit einem Anteil von fast 50% am gesamten deutschen E-Book-Markt. Dahinter folgt Tolino mit 34% und Apple mit einem Marktanteil von 10%.

Bis E-Books in Deutschland das gedruckte Buch endgültig verdrängen und Print-Bücher zu einer Art Luxusartikel für Sammler und spezielle Themengebiete, wie Kunst und Fotografien, reduziert werden, wird es noch einige Jahre dauern. Trotzdem ist der Trend hin zu den E-Books unumkehrbar. Die Vorteile von elektronischen Büchern sind zu offensichtlich, als dass der Geruch und die Haptik von gedruckten Büchern allein ausreichend als langfristige Verkaufsargumente wären. Selbst in einem Land wie Deutschland, wo das gedruckte Buch einen besonderen Stellenwert besitzt. Spätestens in einigen Jahren, wenn eine jüngere Usergruppe, die an das Lesen von Texten an Bildschirmen gewohnt ist, die Bevölkerungsmehrheit stellen wird, wird dies der Fall sein.

Quellen:

BITKOM (Hrsg.): „E-Books erobern den Massenmarkt“; Pressemitteilung vom 1. Oktober 2013, online abrufbar unter http://www.bitkom.org/77489_77541.aspx

Wischenbart, Rüdiger: „The Global eBook report“; erschienen Oktober 2013, online bis 01. November 2013 kostenlos erhältlich unter http://www.wischenbart.com/upload/Global-Ebook-Report2013_final03.pdf

[/ipsec]

Mehr zum Thema:

Die Kommentare sind geschlossen.