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Unibibliotheken lehnen sich gegen Preisdiktat der Verlage auf

Datum: 11. Juni 2012
Autor: Erwin König
Kategorien: Kurz notiert

Bibliotheken und andere Informationseinrichtungen gehören für die wissenschaftlich-technischen Verlage zu den wichtigsten Kunden. Schließlich abonnieren sie eine Vielzahl der von diesen Verlagen publizierten wissenschaftlichen Zeitschriften für gutes Geld. Die globale Finanzkrise und damit einhergehende Budgetkürzungen bei den Bibliotheken, sowie die regelmäßigen Erhöhungen der Abonnementspreise für diese Zeitschriften hat nun aber einen gewissen Sprengsatz zwischen Bibliotheken und Wissenschaftsverlagen aufgebaut, der sich kaum mehr ohne weitreichende Folgen abbauen lassen wird.

Nachdem nun auch die Bibliothek der Harvard Universität, wie andere renommierte Bibliotheken zuvor, die gegenwärtige Preisgestaltung bei den Abos von gewissen wissenschaftlichen Journalen in einem offenen Brief scharf angeprangert hat und sie nicht mehr hinnehmen will, scheint sich der Widerstand gegen die zu teueren Fachzeitschriften endgültig zu manifestieren. Kritisiert wird von den Universitätsbibliotheken die teilweise als unverschämt empfundene Preispolitik einzelner akademischer Verlage. So belaufen sich die Abonnementskosten für einzelne Magazine auf bis zu 40.000 US$ im Jahr. Die Harvard-Bibliotheken geben allein ca. 3,75 Mio. US-Dollar für Publikationen "dieser" bestimmten Verlage aus, um ihre Zeitschriftensammlungen in der gewünschten Anzahl und Form anbieten zu können.

Weiterhin haben sich die Preise für Online-Inhalte bei zwei Informationsanbietern in den letzten 6 Jahren um insgesamt 145% erhöht. Niemand streitet ab, dass die Publikation von wissenschaftlichen Zeitschriften eine kostspielige Angelegenheit ist. Aber Gewinnmargen von 35% und mehr lassen den Rückschluss zu, dass man hier nicht nur für die Herstellung solcher Magazine bezahlt.

Allgemein scheint die Zeit der bibliothekarischen "Melkkühe", zumindest für einige Verlage, sich dem Ende zuzuneigen. Das Open Access-Modell dürfte durch solche Auswüchse auch wieder interessanter werden.

Quelle: http://isites.harvard.edu/icb/icb.do?keyword=k77982&tabgroupid=icb.tabgroup143448

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