Zum Zustand der Nachrichtenmedien 2012

Ausgabe 3/2012

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Das Pew Research Center hat zum 9. Mal seinen jährlichen Lagebericht der Nachrichtenbranche veröffentlicht. Die vorliegenden Auswertungen sind nur teilweise als positiv für Zeitungsverlage und andere Informationsanbieter zu interpretieren. Auf der einen Seite sollten sie von einem stärkeren Nachrichtenkonsum aufgrund der zunehmenden Verbreitung von mobilen Endgeräten wie Smartphones profitieren. Auf der anderen Seite hat genau dieser technologische Wandel u.a. zu mehr mobilen „Vermittlungsstellen“ negative Auswirkungen für die Nachrichtenproduzenten. So ist es schwierig für die Nachrichtenanbieter, mit der dynamischen Entwicklung bei den mobilen Plattformen und sozialen Medienkanälen technologisch mitzuhalten. Erwähnt seien nur die vielen verschiedenen mobilen Betriebssysteme wie iOS oder Android, mit den jeweils zahlreichen verschiedenen Versionen, wie z.B. das immer noch weit verbreitete Eclair (Version 2.1) oder das aktuelle Ice Cream Sandwich (Version 4.X).

Die folgenden Aussagen sind aber nicht nur für Medienverlage und andere Nachrichtenproduzenten von Interesse, sondern allgemein auch für Informationsspezialisten, die als Schnittstelle zwischen Anbietern und Endusern tätig sind, und somit große Ähnlichkeit mit dieser Branche aufweisen:

  • Allgemein hat der Konsum von Nachrichten in digitaler Form 2011 zugelegt. Dies gilt unabhängig von der Art der von den Usern benutzten Endgeräte.
  • Nachrichtenanbieter haben immer mehr Probleme, mit der technologischen Entwicklung mitzuhalten. Ständig neue mobile Plattformen und soziale Medienkanäle bieten nicht nur die Chance, um mehr Leser zu erreichen, sondern erfordern auch entsprechende Investitionen.
  • Problematisch erscheint auch die zunehmende Macht von großen Technologie-Konzernen wie Google, Amazon, Facebook und Apple zu werden, die sich nach und nach in umfassende „Unternehmen-für-alles“ verwandeln. Diese Technologie- Giganten bestimmen immer öfter allein die Entwicklungen im Internet. So teilten sich 2011 fünf Technologieunternehmen fast 70% des gesamten Online-Werbekuchens im Internet. Insgesamt verdeutlichen diese Fakten, dass die Nachrichtenbranche nicht mehr Vorreiter ist, sondern der Entwicklung bestenfalls hinterher rennt. Es würde in den nächsten Jahren auch nicht überraschen, wenn diese Internetunternehmen dazu übergehen würden, im Rahmen ihrer „Wir-bieten-alles-an“-Strategie auch klassische Nachrichtenmedien wie Zeitungen in ihr Imperium einzugliedern.
  • Grundsätzlich streben die Nachrichtenproduzenten danach, ihre Angebote besser online zu vermarkten. Allerdings ist der Trend zu digitalen oder hybriden Abos, Online-Werbung, Pay-Walls etc. noch nicht sehr ausgeprägt. Zudem fehlt in diesen Medienunternehmen oft auch das nötige technische Rüstzeug. So arbeiten viele Nachrichten-Websites zwar mit Online-Werbung, aber die Anzeigen sind oft nicht zielgerichtet auf die Besucher abgestimmt und laufen daher mehrheitlich ins Leere.
  • Hoffnungsträger für die Nachrichtenbranche ist die neue Generation an mobilen Endgeräten, wie Tablet-Rechner, elektronische Lesegeräte oder Smartphones. Von diesen wird erwartet, dass sie ein stärker nachrichtenbezogenes Nutzungsverhalten nach sich ziehen werden, als dies bisher bei Desktop- oder Laptop-Computern der Fall ist.
  • Soziale Medien sind zwar bereits jetzt ein wichtiger Verbreitungskanal für Nachrichtenmedien. Allerdings bleibt die Nutzung bisher hinter den Erwartungen der Branche zurück.
  • In den USA lässt sich ein überraschendes Comeback des klassischen Fernsehens beim Nachrichtenkonsum nachweisen. Nach einem Jahrzehnt des Rückgangs bei den drei wichtigsten Fernsehsendern, ist zum ersten Mal wieder eine Zunahme von nicht gerade wenigen 4,5% bei der Reichweite von Nachrichtensendungen festgestellt worden.
  • Immer mehr Nachrichtenproduzenten wählen für ihre Online-Inhalte ein kostenpflichtiges Geschäftsmodell in Form von digitalen Abonnements. Dies beruht nur teilweise auf Nachahmung des erfolgreichen Bezahlmodells der "New York Times“. Grundsätzlich geschieht dieser Wandel aber mehr aus der reinen Not heraus. Die Einnahmen aus der Print-Werbung sind in den letzten Jahren derart rückläufig, dass die Zeitungsverlage gezwungenermaßen nach neuen Geldquellen Ausschau halten müssen.
  • Die Folgen aufgrund der steigenden Userbefindlichkeit bezüglich der Datenschutz-Problematik sind für die Nachrichtenbranche noch nicht abschätzbar. Selbst in den vermeintlich so wenig auf Privatsphäre Wert legenden Vereinigten Staaten wird dieses Thema immer brisanter, gerade im Hinblick auf die immer größere Datensammlungswut großer Konzerne wie Apple, Google oder Amazon. Möglicherweise sind aber auch Zeitungen und andere Informationsanbieter von drohenden neuen Regelungen betroffen, z.B. wenn es um abgestimmte personalisierte Online-Werbung geht.

Diese vom Pew Research Center’s Project for Excellence in Journalism publizierte Studie zur Lage der Nachrichtenbranche verdeutlicht sehr genau, wo die Probleme von Zeitungen und anderen Nachrichtenmedien liegen. Diese haben auch nicht – wie in Deutschland aktuell diskutiert – mit irgendwelchen angeblich fehlenden Urheberrechtsgesetzen oder Leistungsschutzrechten zu tun, sondern in dem im immensen Tempo ablaufenden technologischen Wandel im Internet. Pew Research macht deutlich, dass die Nachrichtenbranche diese Entwicklung in den letzten Jahren schlicht verschlafen hat. Auf der einen Seite erhofft sich nun die Branche, sich mit neuen Geschäftsmodellen und der größeren Verbreitung des mobilen Internets aus der Krise retten zu können. Auf der anderen Seite sprechen die nackten Zahlen bei den Umsätzen eine andere Sprache. Rechnet man die Einnahmen aus Auflagen und Anzeigen zusammen, ist die Zeitungsbranche seit dem Jahr 2000 um 43% geschrumpft.

Die Verluste aus dem Printgeschäft können nicht annähernd durch die Gewinne aus dem Online-Geschäft ausgeglichen werden. Jedem im Netz gewonnenen Werbedollar steht ein entsprechender Verlust von 10$ bei den Printanzeigen gegenüber. Wie hier eine Kehrtwende geschafft werden soll, erschließt sich derzeit nicht. Für die Gesellschaft ist dieser beklagenswerte Zustand der Zeitungen auch alles andere als erfreulich. Bis jetzt sind die klassischen Nachrichtenmedien, wie Zeitungen oder Fernsehen, die wichtigsten Informationsvermittler für die Bürger. Wenn dieses Medienkrise anhält, stellt sich die Frage, welcher Informationsproduzent in diese Bresche springen kann und will? Blogs, soziale Medien und andere Websites können diese Informationslücke mit Sicherheit nicht schließen. Für demokratische Länder ist die Informationsqualität entscheidend, um sich weiterzuentwickeln. Ist dies nicht gewährleistet, sind Gerüchten und Falschmeldungen Tür und Tor geöffnet.

Quelle:
Project for Excellence in Journalism (Pew Research Center) (Hrsg.): “The State of the News Media 2012”; online verfügbar unter http://stateofthemedia.org/

Das Pew Research Center hat zum 9. Mal seinen jährlichen Lagebericht der Nachrichtenbranche veröffentlicht. Die vorliegenden Auswertungen sind nur teilweise als positiv für Zeitungsverlage und andere Informationsanbieter zu interpretieren. Auf der einen Seite sollten sie von einem stärkeren Nachrichtenkonsum aufgrund der zunehmenden Verbreitung von mobilen Endgeräten wie Smartphones profitieren. Auf der anderen Seite hat genau dieser technologische Wandel u.a. zu mehr mobilen „Vermittlungsstellen“ negative Auswirkungen für die Nachrichtenproduzenten. So ist es schwierig für die Nachrichtenanbieter, mit der dynamischen Entwicklung bei den mobilen Plattformen und sozialen Medienkanälen technologisch mitzuhalten. Erwähnt seien nur die vielen verschiedenen mobilen Betriebssysteme wie iOS oder Android, mit den jeweils zahlreichen verschiedenen Versionen, wie z.B. das immer noch weit verbreitete Eclair (Version 2.1) oder das aktuelle Ice Cream Sandwich (Version 4.X).

Die folgenden Aussagen sind aber nicht nur für Medienverlage und andere Nachrichtenproduzenten von Interesse, sondern allgemein auch für Informationsspezialisten, die als Schnittstelle zwischen Anbietern und Endusern tätig sind, und somit große Ähnlichkeit mit dieser Branche aufweisen:

  • Allgemein hat der Konsum von Nachrichten in digitaler Form 2011 zugelegt. Dies gilt unabhängig von der Art der von den Usern benutzten Endgeräte.
  • Nachrichtenanbieter haben immer mehr Probleme, mit der technologischen Entwicklung mitzuhalten. Ständig neue mobile Plattformen und soziale Medienkanäle bieten nicht nur die Chance, um mehr Leser zu erreichen, sondern erfordern auch entsprechende Investitionen.
  • Problematisch erscheint auch die zunehmende Macht von großen Technologie-Konzernen wie Google, Amazon, Facebook und Apple ...

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