Elektronische Lesegeräte werden zum Auslaufmodell

Ausgabe 10/2012

Kaum zu glauben, aber neueste Untersuchungen deuten darauf hin, dass das Ende der E-Bookreader kurz bevor steht. Das Marktforschungsunternehmen IHS iSuppli hat in einer aktuellen Studie stark sinkende Verkaufszahlen für elektronische Lesegeräte vorhergesagt. Erst letztes Jahr ist mit 23,2 Mio. abgesetzten Lesegeräten ein neuer Verkaufsrekord gefeiert worden. Für 2012 erwartet IHS iSuppli allerdings einen Rückgang um erstaunliche 36% auf nur mehr 15,9 Mio. verkaufte Geräte. Der Hauptgrund für diese Entwicklung ist schon länger bekannt: Es ist der kometenhafte Erfolg der Tablet-Rechner.

Das Marktforschungsinstitut sieht den diesjährigen Absatzrückgang dabei nicht als einen statistischen Ausreißer, sondern prognostiziert für das Jahr 2016 einen anhaltenden Absatzschwund auf nur mehr 7,1 Mio. jährliche verkaufte elektronische Lesegeräte. Dies würde bedeuten, dass innerhalb von 5 Jahren mehr als zwei Drittel weniger an E-Bookreadern abgesetzt werden würden. Selbst für elektronische Geräte weisen E-Bookreader damit einen unglaublichen kurzen Lebenszyklus auf.

Derzeit haben elektronische Lesegeräte allerdings immer noch eine gewisse Marktbedeutung. Hier sind an erster Stelle die rapide fallenden Preise für diese Geräte zu nennen. Außerdem haben elektronische Lesegeräte gegenüber den immer dünner werdenden Tablets den nicht zu unterschätzenden Vorteil, dass man sie wirklich in fast jeder Tasche mitnehmen kann. Nicht wenige Analysten erwarten zudem, dass z.B. der führende E-Bookreader-Produzent und Online-Buchhändler Amazon in Kürze dazu übergehen könnte, diese Geräte sogar komplett gratis abzugeben, um den eigenen E-Book-Verkauf anzukurbeln. Gewisse Hoffnungen gibt es auch durch einige Wachstumsmärkte, wie Osteuropa, Indien und Afrika. Trotzdem liegt man sicher nicht falsch in der Annahme, dass die E-Bookreader kaum mehr zu einem Massenmarkt werden dürften.

Sichtbar wird dies allein schon an der gegenteiligen Entwicklung der Verkaufszahlen der Tablet-Rechner. Dank Apples iPad sind die Verkäufe bereits auf 120 Mio. Geräte angestiegen. Bis 2016 wird bereits mit Absatzzahlen von 340 Mio. Tablets gerechnet. Die vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten der Tablets als E-Bookreader, E-Mail-Client, beim Internetsurfen, Multimedia etc. sind für die meisten User deutlich attraktiver  als der reine Kostenvorteil der E-Bookreader

Zusammengefasst dürfte der Preisdruck auf die Hersteller von E-Book-Lesegeräten in Zukunft noch weiter zunehmen, um wenigstens einen gewissen Marktanteil für mobile Endgeräte zu behalten. Mittel- bis langfristig dürfte für die vor wenigen Jahren noch als  "Next big thing" gefeierten Geräte kaum mehr als eine Marktnische übrig bleiben.

Für diejenigen Bibliotheken und andere Informationseinrichtungen, die schon seit einiger Zeit in elektronische Lesegeräte investiert haben, ist diese Entwicklung sicher nicht optimal. Die Gefahr besteht, dass elektronische Lesegeräte in Zukunft, wenn überhaupt, nur mehr als ein sehr kleiner und spezifischer Markt weiterbestehen werden. Ob man mit solchen Auslaufmodellen und mit für die User dann eher ungewohnten mobilen Endgeräten langfristig punkten kann, dürfte daher eher zweifelhaft sein.

Quelle:
Selburn, Jordan: "Ebook Readers: Device to Go the Way of Dinosaurs? Shipments are on a fast decline, overwhelmed by tablets"; Pressemitteilung vom 10. Dezember 2012, online verfügbar unter http://www.isuppli.com/Home-and-Consumer-Electronics/MarketWatch/Pages/Ebook-Readers-Device-to-Go-the-Way-of-Dinosaurs.aspx

Mehr zum Thema:

Die Kommentare sind geschlossen.