Editorial 1-2014

Ausgabe 1/2014

Elf Fragen, die Informationsspezialisten sich stellen sollten

Liebe Leserinnen und Leser,

gerade erst kürzlich hat der Bundestag auf Antrag der Fraktion der „Grünen“ eine Diskussion über die Demokratie im digitalen Zeitalter begonnen. Ausgelöst wurde diese Fragestellung leider nicht durch vorausschauendes strategisches Planen und den Wunsch, neuen Technologien mit gut vorbereiteten und abgestimmten Positionen politisch vernünftig zu begegnen, sondern schlicht als Reaktion auf die NSA Affäre. Die Politik hat längst verschlafen, was im Bereich der Digitalisierung stattfindet, was sich entwickelt, welche Chancen darin vorhanden sind und wo Grenzen eingezogen werden müssen. Während die Politik ihre meist simplen Macht- und Ränkespiele um Einfluss und Stimmen unbeirrt fortsetzt, geschieht in großen Teilen der Bevölkerung und ohnehin längst in der Wirtschaft und allen Teilen der Wissenschaft ein Paradigmenwechsel, der größer nicht sein könnte.
Die NSA Affäre ist nur ein einziges kleines Beispiel dafür, was heute im Bereich Daten und Analytik nicht nur möglich ist, sondern produktiv ein- und umgesetzt wird. Wer sich dieser Entwicklung einfach entzieht oder sie bewusst oder unbewusst ignoriert, darf sich nicht wundern, wenn er oder sie in dieser Welt künftig keine Rolle mehr spielt.
So wie die Politik Gefahr läuft, zu einem abgeschlossenen System zu verkommen und sich vom Rest der Welt in einer oftmals surreal anmutenden Selbstbezüglichkeit abzukoppeln, so müssen auch andere Stakeholder der modernen Welt aufpassen, Entwicklungen nicht zu verschlafen.
Wir berichten in diesem Heft über einen Beitrag, der die Unsicherheit der Bibliothek der Zukunft zum Thema hat und anhand von elf Fragen kritisch damit umgeht: Wie wird Information in zehn Jahren zugänglich gemacht? Wie werden wir Wissen präsentieren? Wie werden wir Informationen finden? Wofür werden wir eine Bibliothek nutzen? Wie werden wir Erfolg messen? Das sind nur einige der Fragen, mit denen sich Information Professionals heute auseinandersetzen müssen, damit sie in Zukunft richtig aufgestellt sind. Einfach abzuwarten ist genauso falsch wie zu glauben, mit einfachen Patentrezepten die Lösung in der Tasche zu haben.
Fragilität wird die einzige Konstante für die Zukunft einer digitalen Gesellschaft sein und das bedeutet, bereits heute jene Flexibilität in den Systemen und Köpfen zu entwickeln, die es uns erlaubt, spontan und ohne Schockstarre auf unvorhersehbare und unvorhergesehene Änderungen zu reagieren. Reid Hoffmann, ein Unternehmer im Silicon Valley und Mitbegründer von LinkedIn hat dies so beschrieben:
„Fragilität ist der Preis, den wir für eine Welt, die mit Hyperlinks verbunden ist, zahlen werden, eine Welt, in der alle Puffer aus dem System wegoptimiert wurden. Die Ökonomie, Politik und der Arbeitsmarkt bergen eine Menge unerwarteter Schocks. In diesem Sinne wird die Welt von morgen mehr wie das Silicon Valley von heute aussehen: dauernder Wechsel und Schocks“.

Reid Hoffmann, Ben Cosnocha: The start-up of you. Adopt to the future, invest in yourself and transform your carrer, New your 2012, Kindle edition, Position 2411

In diesem Heft finden Sie wieder eine ganze Reihe von Hinweisen, wie Sie sich und Ihre Einrichtung flexibel, modern und digital aufstellen können. Das fängt beim Thema „Patron Driven Acquisitions (PDA)“ an, geht über Wikipedia als Auskunftsressource und endet nicht bei den unvermeidlichen Techniktrends wie Phablets und Wearables.
Aber auch die NSA kommt vor in einem kritischen Bericht, der zeigt, dass die Sammelwut des Geheimdienstes offensichtlich bei der Terrorbekämpfung wenig bringt.

Herzlich,
Ihr Rafael Ball

Portrait Rafael Ball

Portrait Rafael Ball

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