Der Kampf um das Internet

Ausgabe 4/2012

check($_SERVER['REMOTE_ADDR'])){ ?>In einem mehrteiligen Themenspecial unter dem Titel "Battle for the internet" hat sich die englische Zeitung Guardian aktuellen und möglichen zukünftigen Entwicklungen des Internets angenommen. Konkret werden Themen wie Big Data, Datenschutz, Privatsphäre, soziale Medien und geistiges Eigentum diskutiert. Dass bei diesen Themen nicht nur diskutiert wird, sondern mit harten Bandagen gekämpft wird, zeigt die recht kriegerische Sprache, die der Guardian für diese Konflikte nutzt.

Insgesamt wurde die Serie auf 7 Tage bzw. in 7 Themen aufgeteilt. Im Einzelnen werden die folgenden Trends - oder sagen wir besser "Kämpfe" - in den nächsten Jahren bestimmen, wie sich das Internet entwickeln wird:

Der neue, kalte Krieg

Das Internet deckt in den letzten Jahren konsequent auf, dass unser vielbeschworener Frieden zwischen den Großmächten nur auf dem Papier besteht. So versuchen etwa Russland und China, sich im Web deutlich vom Westen abzugrenzen und die Meinungen ihrer Bürger zu kontrollieren oder zu beeinflussen. Zensur ist dabei das Mittel der Wahl. Man denke nur an den Druck der chinesischen Regierung, der auf den Suchmaschinenbetreiber Google auszuüben versucht wurde. Dies hat dazu geführt, dass Google alle chinesischen Suchanfragen derzeit nach Hongkong weiterleitet. Aber auch führende soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter sind inzwischen in das Visier der chinesischen Zensur geraten. China bekämpft im eigenen Land konsequent Blogger, die mehr Demokratie fordern und als wichtigste unabhängige Informationsquellen für die Bürger dienen. Russland fürchtet den zu starken westlichen Einfluss über das Internet und versucht ebenfalls, solche vermeintlich staatsgefährdenden Inhalte für seine Bürger herauszufiltern, damit sie nicht von freiheitlichem Gedankengut infiltriert werden. Sogar in den USA tobt ein interner kalter Krieg. Der Wahlkampf zwischen Demokraten und Republikanern findet in erster Linie im Internet statt. Praktisch jede Website oder jedes soziales Netzwerk wird für eine teilweise immer groteskere Beeinflussung von potenziellen Wählern genutzt.

Der Cyberspace wird zum Kriegsschauplatz

Vor einigen Jahren war es vielleicht noch Science Fiction, dass einzelne Hacker große Organisationen oder Unternehmen über das Internet angreifen, und ihnen z.B. Daten stehlen oder deren gesamte Homepage lahmlegen konnten. Hacker-Gruppen wie Anonymous haben in den letzter Zeit eindrücklich nachgewiesen, dass selbst der US-Geheimdienst CIA und die US-Bundespolizei FBI sich nicht vor einem koordinierten Angriff durch solche Hacker-Gruppen schützen können. Erinnert sei auch an den Angriff auf  die Schweizerische Postbank, die Postfinance, und das Kreditkartenunternehmen Mastercard, die im Dezember 2010 stundenlang aufgrund von sogenannten Distributed Denial of Service-Attacken (DDoS-Attacken) für ihre Kunden nicht erreichbar waren. Selbst die Technologie-Börse NASDAQ wurde im Juni 2011 bereits Opfer einer Cyber-Attacke. Aber auch die Staaten selbst nutzen inzwischen Cyberattacken immer häufiger, um andere Länder zu bekämpfen. Bekanntestes Beispiel ist sicher der Angriff mittels des Stux-Virus auf die Atomanlagen im Iran.

Inselbildungen

Für viele bedeutet heute das Internet nur mehr einzelne "Informationsflecken" wie Facebook, Apple oder Amazon. Facebook ist mit seinen 900 Millionen+ Usern inzwischen selbst zu einem Internet im Internet geworden. Das Gleiche gilt für die von Apple lancierten Apps, die es den Usern mit ihren kleinen, mobilen Bildschirmen ermöglichen das herkömmliche Web zu umgehen. Die Bildung von zahlreichen Informationsinseln ist aber nicht im Sinne des Erfinders, Tim Berners-Lee, und anderer Gruppen, die das Web, bzw. breiter gefasst das Internet, als eine offene Plattform erhalten wollen. Gerade die großen führenden Technologie-Unternehmen haben aber wenig Interesse an solchen offenen Räumen. Durch solche mehr oder weniger geschlossenen Netzgesellschaften ist es für sie einfacher, die dort sich befindenden User mit entsprechenden Werbebotschaften zu "beglücken" und damit kommerziell für sich zu nutzen. Im Zuge des geplanten Börsengangs von Facebook hat Facebook-Chef Marc Zuckerberg anderen Unternehmen den Mund mit der Ankündigung wässrig gemacht, dass sie das Freundesnetzwerk gezielt bewerben dürfen.

Die Kriege um das geistige Eigentum

Wer die Urheberrechtsdiskussionen allein in Deutschland in den vergangenen Monaten - begleitet durch den kometenhaften Aufstieg der Piraten-Partei - beobachtet hat, kriegt einen kleinen Vorgeschmack auf das, was wahrscheinlich erst noch kommt.

Die Zivilisierung des Webs

Das Web gilt für viele als eine Art rechtsfreier Raum. Das stimmt so natürlich nicht ganz. Aber tatsächlich ist die strafrechtliche Verfolgung von Personen, die etwa andere gemobbt, beleidigt oder verleumdet haben, im Web nur schwer durchzusetzen. Dies dürfte sich mit Sicherheit aber in Zukunft ändern, da verschiedene Politiker und Regierungen verstärkt versuchen, das Web zu "zähmen".

Offener Widerstand

Die vorgenannten Trends und Entwicklungen haben aber auch zahlreiche Gegner hervorgerufen, die das Internet auch in Zukunft offen halten wollen.

Das Ende der Privatsphäre

Google, Facebook und Co. wissen inzwischen mehr über uns als die meisten Freunde und Verwandte. Diese nicht zu Unrecht als Datenkraken bezeichneten Plattformen zeichnen unablässig mit ihren zahlreichen Anwendungen fast unser gesamtes Verhalten im Netz auf. Sie kennen unsere Vorlieben für bestimmte Gerichte und für welchen Fußballverein wir mitfiebern.

Die oben genannten Kämpfe, die gerade intensiv zwischen Aktivistengruppen, Unternehmen und ganzen Volkswirtschaften ausgefochten werden, werden grundsätzlich bestimmen, wie das Internet in den nächsten Jahren aussehen wird. Was bedeuten diese Entwicklungen für Informationsspezialisten? Als Informationsspezialist des Typus "Ich habe Angst um meinen Berufszweig" müsste man sich eigentlich wünschen, dass das Netz in den nächsten Jahren weiterreguliert wird - gleichgültig ob auf rechtlicher Ebene oder durch Paywalls für mehr kostenpflichtige Inhalte - und sich zudem möglichst viele Informationsinseln à la Facebook bilden würden. Im Prinzip käme man dann wieder in einen ähnlichen (Informations-)Zustand, wie in den 1990er-Jahren oder früher, als Informationsspezialisten die unverzichtbaren Informationsvermittler für Suchende aller Art waren, um an die damals nur schwer erhältlichen Inhalte und Informationen zu kommen. Das Rad zurückzudrehen, ist aber aus historischer, gesellschaftlicher und auch wirtschaftlicher Sicht noch selten eine gute Entscheidung gewesen. Bekanntlich hat Geschichte die unangenehme Begleiterscheinung, sich nie genau zu wiederholen.

Sehr fraglich ist daher, ob dieses Insel-Szenario wirklich zu einer Renaissance der Informationsspezialisten führen würde. Das Internet bzw. das Web verschwindet, selbst wenn dieses Szenario eintreten sollte, nicht vollständig. Das dynamische Duo Google/Wikipedia wird auch dann noch für die meisten User die erste Anlaufstelle für die Informationssuche in einem "Restweb" bleiben. Von daher scheint es doch so zu sein, dass auf eine Reduzierung oder sogar Marginalisierung des bestehenden Internets zu setzen oder zumindest zu hoffen, kaum die richtige und zukunftsweisende Strategie sein kann.

Quelle: http://www.guardian.co.uk/technology/series/battle-for-the-internet
In einem mehrteiligen Themenspecial unter dem Titel "Battle for the internet" hat sich die englische Zeitung Guardian aktuellen und möglichen zukünftigen Entwicklungen des Internets angenommen. Konkret werden Themen wie Big Data, Datenschutz, Privatsphäre, soziale Medien und geistiges Eigentum diskutiert. Dass bei diesen Themen nicht nur diskutiert wird, sondern mit harten Bandagen gekämpft wird, zeigt die recht kriegerische Sprache, die der Guardian für diese Konflikte nutzt.

Insgesamt wurde die Serie auf 7 Tage bzw. in 7 Themen aufgeteilt. Im Einzelnen werden die folgenden Trends - oder sagen wir besser "Kämpfe" - in den nächsten Jahren bestimmen, wie sich das Internet entwickeln wird:

Der neue, kalte Krieg

Das Internet deckt in den letzten Jahren konsequent auf, dass unser vielbeschworener Frieden zwischen den Großmächten nur auf dem Papier besteht. So versuchen etwa Russland und China, sich im Web deutlich vom Westen abzugrenzen und die Meinungen ihrer Bürger zu kontrollieren oder zu beeinflussen. Zensur ist dabei das Mittel der Wahl. Man denke nur an den Druck der chinesischen Regierung, der auf den Suchmaschinenbetreiber Google auszuüben versucht wurde. Dies hat dazu geführt, dass Google alle chinesischen Suchanfragen derzeit nach Hongkong weiterleitet. Aber auch führende soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter sind inzwischen in das Visier der chinesischen Zensur geraten. China bekämpft im eigenen Land konsequent Blogger, die mehr Demokratie fordern und als wichtigste unabhängige Informationsquellen für die Bürger dienen. Russland fürchtet den zu starken westlichen Einfluss über das Internet und versucht ebenfalls, solche vermeintlich staatsgefährdenden Inhalte für seine Bürger herauszufiltern, damit sie nicht von freiheitlichem Gedankengut infiltriert werden. Sogar in den USA tobt ein interner kalter Krieg. Der Wahlkampf zwischen Demokraten und Republikanern findet in erster Linie im Internet statt. Praktisch jede Website oder jedes soziales Netzwerk wird für eine teilweise immer groteskere Beeinflussung ...

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