Benötigt die Websuche auch Informationskompetenz?

Ausgabe 6/2012

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Auf den ersten Blick scheinen Informationskompetenz und die Websuche mittels Suchmaschinen zwei sich ausschließende Konzepte zu sein, um Informationen zu finden. Wer mit Google sucht, und dabei ein oder zwei Suchwörter in das Suchfeld einträgt, scheint nicht viel mit dem hehren Bild des mit komplexen Recherchestrategien hantierenden Information Professionals zu tun zu haben. In Wahrheit hat der Prozess der Websuche mit der Auswahl einer Suchmaschine, der Eingabe von Suchbegriffen, der Auswahl und Überprüfung einzelner Resultate aus der Trefferliste sowie der Navigation auf einer gefundenen Website durchaus etwas mit Informationskompetenz zu tun. Verwirrend an dieser Situation ist für Infoprofis in erster Linie, dass die User mehrheitlich mit den angezeigten Suchergebnissen zufrieden sind, die sie über Google erhalten. Der nachfolgende Beitrag untersucht, woher diese schnelle Zufriedenheit mit den Suchergebnissen herkommt, und bei welchen Recherchen man noch etwas mehr Informationskompetenz benötigt.

Die Antwort auf die erste Frage ist relativ einfach zu beantworten. Die meisten von Internetnutzern durchgeführten Web-Recherchen betreffen mehrheitlich einen bestimmten Typ von Suchanfragen. Bekanntermaßen lassen sich nach Broder drei grundlegende Anfragetypen unterscheiden: informationsorientierte, navigationsorientierte und transaktionsorientierte Anfragen.

Für Suchmaschinen sind navigationsorientierte Anfragen, z.B. die Suche nach einer Homepage eines Unternehmens, relativ einfach und eindeutig zu beantworten. Ebenso sind transaktionsbezogene Suchanfragen, z.B. die Suche nach einer Website mit einer anschließenden Transaktion, wie der Download einer Datei, verhältnismäßig gut zu erledigen.

Etwas aus dem Rahmen fällt hier die informationsbezogene Recherche. Wobei man auch hier oftmals einfache Anfragen hat, die mit einem einzigen gefundenen Dokument in der Trefferliste für den Nutzer als ausreichend gut empfunden beantwortet werden können. Rechnet man die verschiedenen Suchanfragen nun nach den verschiedenen Anfragetypen zusammen – das sind vor allem einfach zu beantwortende Suchen –, wird offensichtlich, dass ein Großteil aller Suchanfragen für die meisten User zufriedenstellend beantwortet wird. Es gibt für die Nutzer somit gar keinen Grund, hier noch tiefer zu gehen und ihre Rechercheanfragen zu verfeinern, oder sogar eine andere Suchmaschine zu wählen. Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass nur für eine Minderheit aller Webanfragen überhaupt eine höhere Informationskompetenz in Form einer ausgeklügelten Suchstrategie nötig ist.

Natürlich gibt es aber durchaus Fälle, in denen etwas mehr Informationskompetenz beim Umgang mit Suchmaschinen benötigt wird, auch wenn diese Fälle in der täglichen Suchpraxis eines typischen Internetusers eher selten sind. Diese Informationskompetenz betrifft in erster Linie zwei Aspekte. Einmal gilt es den eigentlichen Suchprozess zu verbessern. Dann geht es darum Kenntnisse über die technische Funktionsweise und den Aufbau von Suchmaschinen zu erhalten. Für Informationsspezialisten, die etwa Informationskompetenz-Schulungen für Mitarbeiter oder andere Benutzer anbieten, ist es damit von zentraler Bedeutung, diese Unterschiede herauszuarbeiten und den Fokus auf die schwierigen Fälle bei der Websuche zu legen, die entsprechende Fähigkeiten benötigen.

Bezogen auf den Suchprozess lässt sich bereits auf der ersten Stufe, d.h. der Auswahl des geeigneten Recherchewerkzeugs, dem Laien einiges an Wissen vermitteln. Diese kennen in der Regel kaum Alternativen zu Google. Unbekannt ist beim durchschnittlichen Internetnutzer oftmals auch, dass es nicht nur den Typus "universelle Suchmaschine" gibt, sondern auch eine Vielzahl weiterer Suchwerkzeuge wie Spezialsuchmaschinen oder Metasuchmaschinen.

Eine Art schwarzes Loch oder dunkle Materie ist für die meisten User auch die Technologie hinter den Suchmaschinen selbst. Für die meisten Nutzer sind die Funktionsweise und der Aufbau einer Suchmaschine komplett unbekannt. Nur wenn diese Hintergründe bekannt sind, kann man aber die möglichen Stärken und Schwächen eines gewählten Recherchemittels wissen. So ist den meisten Usern nicht bewusst, dass Suchmaschinen überwiegend keine Echtzeit-Informationen anbieten.

Als Fazit kann man festhalten, dass man Suchmaschinen auch ohne große Informationskompetenz einsetzen kann und trotzdem in vielen Fällen brauchbare Informationen erhält. Allerdings hat dieses intuitive Vorgehen gerade bei schwierigeren Suchaufgaben seine Grenzen. Hier können gerade Informationsspezialisten wertvolle Hilfestellung leisten.

Die in diesem Beitrag auf den Punkt gebrachte Problematik, d.h. ein User ohne große Recherchestrategie ist zufrieden mit den Ergebnissen die ihm Google anbietet, bringt vielleicht den in den letzten 10 bis 15 Jahren stattgefundenen Wandel für Informationseinrichtungen und Informationsspezialisten auf den Punkt. Die meisten Internetnutzer sind heute in der Lage, selbstständig eine große Anzahl von Anfragen mittels Internetsuchmaschinen zu beantworten. Der Informationsspezialist wird so oftmals umgangen. Dieser Zustand lässt sich auch nicht mehr rückgängig machen, da das Internet und Suchmaschinen nicht verschwinden werden. Was Informationsspezialisten aber machen können, ist den Benutzern zu zeigen, bei welchen Recherchen zusätzliches menschliches Know-how den Suchmaschinen deutlich überlegen ist.

Quelle:
Lewandowski, Dirk: "Informationskompetenz und das Potenzial der Internetsuchmaschinen"; 2012, Preprint eines Buchkapitels aus dem "Handbuch Informationskompetenz", abrufbar unter der URL http://eprints.rclis.org/handle/10760/17242#.UAEfFpHFBth bzw. der URI http://hdl.handle.net/10760/17242

Auf den ersten Blick scheinen Informationskompetenz und die Websuche mittels Suchmaschinen zwei sich ausschließende Konzepte zu sein, um Informationen zu finden. Wer mit Google sucht, und dabei ein oder zwei Suchwörter in das Suchfeld einträgt, scheint nicht viel mit dem hehren Bild des mit komplexen Recherchestrategien hantierenden Information Professionals zu tun zu haben. In Wahrheit hat der Prozess der Websuche mit der Auswahl einer Suchmaschine, der Eingabe von Suchbegriffen, der Auswahl und Überprüfung einzelner Resultate aus der Trefferliste sowie der Navigation auf einer gefundenen Website durchaus etwas mit Informationskompetenz zu tun. Verwirrend an dieser Situation ist für Infoprofis in erster Linie, dass die User mehrheitlich mit den angezeigten Suchergebnissen zufrieden sind, die sie über Google erhalten. Der nachfolgende Beitrag untersucht, woher diese schnelle Zufriedenheit mit den Suchergebnissen herkommt, und bei welchen Recherchen man noch etwas mehr Informationskompetenz benötigt.

Die Antwort auf die erste Frage ist relativ einfach zu beantworten. Die meisten von Internetnutzern durchgeführten Web-Recherchen betreffen mehrheitlich einen bestimmten Typ von Suchanfragen. Bekanntermaßen lassen sich nach Broder drei grundlegende Anfragetypen unterscheiden: informationsorientierte, navigationsorientierte und transaktionsorientierte Anfragen.

Für Suchmaschinen sind navigationsorientierte Anfragen, z.B. die Suche nach einer Homepage eines Unternehmens, relativ einfach und eindeutig zu beantworten. Ebenso sind transaktionsbezogene Suchanfragen, z.B. die Suche nach einer Website mit einer anschließenden Transaktion, wie der Download einer Datei, verhältnismäßig gut zu erledigen.

Etwas aus dem Rahmen fällt hier die informationsbezogene Recherche. Wobei man auch hier oftmals einfache Anfragen hat, die mit einem einzigen gefundenen Dokument in der Trefferliste für den Nutzer als ausreichend gut empfunden beantwortet werden können. Rechnet man die verschiedenen Suchanfragen nun nach den verschiedenen Anfragetypen zusammen – das sind vor allem einfach zu beantwortende Suchen –, wird offensichtlich, dass ein Großteil aller Suchanfragen für die meisten User zufriedenstellend beantwortet wird. Es gibt für die Nutzer somit gar keinen Grund, hier...

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