Editorial 5-2019

Kostet nix – ist nix

Was nichts kostet, kann auch nichts taugen und hat keinen Wert.
So wird oft leichthin gesagt und gedacht, wenn es um die Bewertung der Qualität von Produkten oder Dienstleistungen geht. Einem geschenkten Gaul schaut man eben nicht ins Maul, das wusste man schon seit der Antike.

Heute hat die Gratismentalität wieder Hochkonjunktur. Unsere Studienanalyse belegt klar, dass es bei deutschen Onlinern eine hartnäckige Gratismentalität und deshalb nur eine geringe Zahlungsbereitschaft für Onlinedienste gibt („Money for nothing and content for free: Zahlungsbereitschaft für digitaljournalistische Inhalte“, S.18).

Das gilt offensichtlich aber nicht für die Anschaffung jener wunderbaren Smartphones und Tablets, für die junge Menschen ganze Monatsgehälter und noch mehr hinblättern, um damit im Wesentlichen die Gratisdienste zu nutzen.

Diese Moral ist also eine doppelte: Auch wenn heute das Auto bei der jüngeren Generation kaum mehr als Statussymbol herhält, dann sind es eben die schicken Smartphones, Tablets und Fitnesstracker, die als Hightech-Geräte offensichtlich immer noch einen höheren Sexappeal haben als das Abonnement einer digitalen Tageszeitung mit Qualitätsjournalismus. Wenn es aber um Inhalte geht, die meist wichtiger sind als Geräte und Technik, werden die gleichen Personen plötzlich kleinlaut und erwarten, dass alles umsonst sein müsse.

Das kennen wir gut beim Journalismus, wo noch immer 75 % der Onliner Journalismusleistungen gratis beziehen wollen und nicht bereit sind, für gut recherchierte und aufbereitete, qualitätsgeprüfte Nachrichten Geld auszugeben.

Auch in Bibliotheken kennen wir das Phänomen. Wenn der Preis des Bibliotheksausweises, der zur Nutzung riesiger geprüfter und ausgewählter Informationsmengen, Literatur und vieler Dienst berechtigt, angehoben (oder erstmals eingeführt) wird, gehen die Bürger wieder. Auch hier soll alles umsonst sein.

Sogar in der Wissenschaft beobachten wir ähnliche Tendenzen: Es gibt Zeitgenossen, die der Meinung sind, alle wissenschaftlichen Informationen müssten kostenlos und frei zur Verfügung stehen; selbstverständlich qualitätsgeprüft, sicher und vertrauenswürdig. Für die (technische) Ausstattung ihres Labors geben die gleichen Personen hingegen Millionen aus.

Wünsche darf man ja haben, aber wir sollten nicht vergessen, dass gute Recherchen, professionelle, qualitätsorientierte Aufbereitung und geprüfte Zurverfügungstellung aufwändig sind und damit Geld kosten. Alles hat eben seinen Preis und nichts ist umsonst. Wer das ehrlich prüft, wird schnell erkennen, dass niemand etwas zu verschenken hat. Vermeintliche Gratisangebote zahlt man mit seinen Daten oder den nachgelagerten „In-App-Käufen“, einem geschickten Marketingtrick.

Auch der Wissenschaftler mit seinem Ruf nach kostenlosem Zugang zu Information muss wissen, dass irgendjemand den Preis dafür zahlt. Das kann er selbst sein, wenn er seine Arbeitszeit für Publikationstätigkeiten verwendet oder seine Bibliothekare, die auch nicht umsonst arbeiten.

Es gilt das englische Sprichwort auch hier: “There is no such thing as a free lunch."

Herzlich

Ihr Rafael Ball

Portrait Rafael Ball

Portrait Rafael Ball

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