Editorial 2-2020

Wer suchet, der findet….

Dieses Zitat aus dem Matthäus-Evangelium könnte das Leitmotiv für die Zentralaufgaben von Bibliotheken sein. Denn neben der Archivierung ist die Verfügbarmachung und damit die Auffindbarkeit von Informationen und Literatur eine der zentralen Aufgaben von und für Bibliotheken. So kommt es nicht von ungefähr, dass sich Bibliothekarinnen und Bibliothekare seit Jahrhunderten mit der Systematik der Aufstellung von Beständen und ebenso mit deren Erschließung befassen. Dazu sind hoch elaborierte Katalogsysteme entwickelt worden, alle mit dem Ziel, das Suchen und Auffinden von Literatur und Inhalten zu ermöglichen und zu optimieren. Denn eine Sammlung von Literatur und Information macht nur dann Sinn, wenn die Auffindbarkeit gewährleistet ist. Und diese Suche muss aus den verschiedensten Perspektiven gedacht und realisiert werden: Formale, sachliche, personenbezogene oder zeitlich geordnete Zugänge sind nur eine Auswahl möglicher Erschließungsperspektiven, die alle aus der Sicht der Suchenden gedacht waren und gedacht sind. Mit dem Einzug der Digitalität glaubte man das Problem der Katalogzugänge und damit der Erschließung der Bestände gelöst zu haben: Google machte es vor, die Bibliothek macht es nach und damit sind alle Sorgen beseitigt.
Tatsächlich jedoch sind Such- und Auffindbarkeit auch im Zeitalter der elektronischen Suchsysteme nach wie vor eine Herausforderung. Denn nicht jede und jeder ist in der Lage oder bereit, die oft verschachtelten elektronischen Suchsysteme der Bibliotheken richtig zu nutzen und erhält Suchergebnisse, die dem Suchwunsch weder vollständig noch angemessen entsprechen.
In diesem Heft haben wir gleich mehrere Beiträge, die dieses wichtige Dauerthema adressieren und bearbeiten: Mit User Experience die Suche auf Bibliothekswebsites (besser) gestalten, DOIs für Buchkapitel als neues Discovery-Werkzeug und Googeln ist doch nicht so einfach.
Auch auf einen anderen Dauer-Hotspot lohnt es sich hinzuweisen: Die Transformation des Publikationssystems. In unserem Beitrag Wer zahlt eigentlich für Gold Open Access? wird die Gretchenfrage der Open-Access-Diskussion gestellt. Tatsächlich nämlich ist die Transformation des Publikationssystems beschlossene Sache und die Umstellung auf Open Access allgemein akzeptiert. Was dabei allerdings auf der Strecke blieb, ist die Frage nach der Verteilung der Kosten. Hier zeigt sich nun, dass in Deutschland, aber auch in anderen Ländern, der Verteilungskampf längst entbrannt ist, weil klar wird, dass nun neue Zahlungsströme entstehen werden. Selbst Einrichtungen, die sich für Open Access stark gemacht haben, bekommen nun „kalte Füßeˮ, wenn sie bei den neuen Verteilungsschlüsseln nicht zu den Profiteuren gehören. Denn es zeigt sich, dass Einrichtungen, die bislang sehr große Lizenzpakte in Konsortien gezahlt haben, von denen vor allen viele kleine und mittlere Bibliotheken profitieren konnten, bei der Umstellung der Verteilungsschlüssel nach Publikationsaufkommen besser dastehen als vorher. Ebenso sind etwa Staatsbibliotheken fein raus, haben sie doch per definitionem gar keine eigenen Wissenschaftler und Publikationen.
Man wird sehen, ob die Begeisterung für die Transformation des Publikationssystems auch noch dann anhält, wenn die Versprechungen, Open Access dürfe nicht teurer werden als die Lizenzierungen, nicht eingelöst werden können und die Argumente am eigenen Erwerbungsetat spürbar werden.
Genug Themen und spannender Stoff also, um auch die Holding-Position der Corona-Warteschleife zu überstehen.
Herzlich

Ihr Rafael Ball

Portrait Rafael Ball

Portrait Rafael Ball

Mehr zum Thema:

  • Derzeit keine weiteren Artikel

Die Kommentare sind geschlossen.