Editorial 2-2015

Ausgabe 2-2015

Wer soll das noch alles lesen?

So überschreibt „Spiegelonline“ am 12. März diesen Jahres einen Beitrag zur Publikationsflut in der Wissenschaft. Immerhin, dieses doch eher spezielle Thema aus unserer Branche ist inzwischen in der Populärpresse angelangt. Und das bedeutet einiges.

Denn nun gibt es endlich auch eine Studie, die beweist, dass zu viele Studien geschrieben und zu wenige rezipiert werden. Mehr als 23 Millionen Veröffentlichungen haben die Autoren untersucht und bewiesen, was wir eigentlich alle schon immer gefühlt haben: Es wird immer mehr publiziert, das „Publish-or-perish-Prinzip der Wissenschaft überrollt alle mit einer steigenden Flut von Inhalten.

So weit so gut, aber was heisst das für uns Informationsspezialisten?

Sollen wir nun noch mehr Datenbanken und Informationen und Lizenzen zur Verfügung stellen? Noch mehr Inhalte anbieten, obwohl sie ohnehin längst niemand mehr rezipieren kann?

Ja und nein: Denn als Informationsspezialisten sind wir nicht für die Steuerung des Informationsoutputs verantwortlich. Das ist die Sache der Produzenten. Wir nehmen zur Kenntnis, dass immer mehr produziert wird und stellen nach Kräften diese Inhalte zur Verfügung. Erst im zweiten Schritt kommen wir ins Spiel: Wir müssen die Auffindbarkeit der Inhalte übernehmen, Selektionsmöglichkeiten schaffen und die Langzeitverfügbarkeit garantieren. Es sind genau diese Herausforderungen, die wir in unserer Branche leisten müssen:

Wie gelingt es uns, den Information Overload in eine „passgenaue“ Informiertheit zu verwandeln? Wie können wir dazu beitragen, dass unsere Kunden immer mehr zur Verfügung haben und dennoch (nur) das Richtige finden?

Unsere aktuelle Nummer der Library Essentials ist dafür heute in zweifacher Hinsicht ein gutes Beispiel: Das Format der konzentrierten Zusammenfassung und Fokussierung schafft Übersicht und Kürze. Wenn alles knapp auf den Punkt gebracht wird, ist man schneller und genauer informiert.

Außerdem beschäftigen sich gleich die ersten drei unserer Artikel mit der Lösung gegen die Informationsflut: Ein Beitrag zu „Content Curation“ macht klar, wie man Netzinhalte auf Qualität überprüft und sie sichert, der zweite Artikel befasst sich mit der spannenden Frage, ob und warum auch E-Books aussortiert werden müssen, und im dritten Beitrag wird untersucht, welche Folgen der Einsatz von Discovery-Tools haben können.

Wir sind uns also ganz sicher und hoffen das auch von Ihnen, liebe Leser, dass Sie von Library Essentials auch diesmal in doppelter Hinsicht profitieren: Für Sie selbst durch die aufs Wesentliche konzentrierten Beiträge aus Informationswissenschaft und -praxis und zum anderen durch die Anregungen in unseren referierten Beiträgen selbst.

In diesem Sinne wünsche ich uns allen den vollen Durchblick trotz steigender Veröffentlichungszahlen.

Herzlich

Ihr Rafael Ball

Portrait Rafael Ball

Portrait Rafael Ball

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