Editorial 1-2016

Das Neue Jahr beginnt gut!

Auch im Jahr 2016 werden wir Sie, liebe Leserinnen und liebe Leser, wieder mit spannenden, anregenden und bisweilen auch kontroversen Themen in unserer Zeitschrift versorgen und konfrontieren.

Bereits in diesem ersten Heft des neuen Jahres stellen wir Ihnen in Library Essentials eine ganze Reihe von tollen Themen vor: Das beginnt mit der „Benutzerorientierten Bibliothek“ und dem „Einsatz von Computer- und Informationstechnologie in Bibliotheken“ und geht über „Präferenzen von Bibliothekaren in der Informationskompetenz“ bis hin zu „Big Data in Europa“, der „Arbeit von Liaison Librarians“ und dem „Potenzial des Internet der Dinge“.

Besonders beeindruckt hat mich eine Studie über den Einsatz von ICT in der Bibliothek der Zukunft: Dort werden zwei interessante Gedanken prognostiziert, die sich auf den ersten Blick auszuschliessen scheinen: Zunächst wird die Notwendigkeit der Aufteilung von Sammlungen in (kleine) Informationseinheiten erläutert. Im Zeitalter der sehr konkreten und dezidierten, auch kleinteiligen Informationswünsche müssen (Buch)Sammlungen immer mehr in kleinere Einheiten unterteilt und such- und findbar sein. Das heisst konkret, dass sich die Nutzer von Bibliotheken zunehmend nicht mehr das ganze Buch ausleihen oder downloaden wollen, sondern nur noch einen sehr konkreten, auf ihre Bedürfnisse hin zugeschnittenen Teil daraus. Also nicht mehr die vollständigen Objekte einer Sammlung stehen im Fokus, sondern nur noch einzelne Informationseinheiten dieser Sammlungen. Wir können das gut nachvollziehen: Denn im Zeitalter des Information Overload brauchen wir ganz gezielte, nutzbare Information und nicht die ganze Masse. Im Endeffekt reduzieren wir damit unsere Sammlungen auf das, was sie in ihren Grundelementen als Informationseinheiten sind: Die Bits und Bytes der Daten.

Auf der andere Seite aber sieht der Autor der Studie die zunehmende Notwendigkeit und Tendenz, dass Nutzer nicht nur einzelne Objekte, z.B. Bücher ausleihen, downloaden und bearbeiten wollen, sondern ganze Sammlungen als Gesamtheit. Der Hintergrund ist einerseits ein technologischer und andererseits ein verändertes oder weiter entwickeltes Nutzerverhalten: Mit den neuen Technologien wie Big Data und Text und Data Mining können erstmals ganze Datenbestände durchsucht und bearbeitet werden, ohne ihre einzelnen Elemente durchlesen zu müssen. Man sieht: Erkenntnis kann seit der Existenz digitaler Sammlungen und Bestände auch ohne Lesen generiert werden, und die Nutzer von Bibliotheken fordern dies zunehmend ein.

Und ein Widerspruch zwischen dem zielgenauen Suchen von Detailinformationen und dem (digitalen) Durchstöbern ganzer Sammlungen besteht keineswegs, denn es sind die beiden Seiten ein und derselben Medaille: Eines technisch getriebenen neuen Ansatzes, Informationen wahrzunehmen und zu bearbeiten.

Wir sollten nicht allzu lange staunen, was da auf uns zukommt, sondern handeln. Und zwar besser heute als morgen. Das Jahr ist noch jung und hält viele Chancen dazu bereit.

Herzlich

Ihr Rafael Ball

Portrait Rafael Ball

Portrait Rafael Ball

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