Wie sich Twitter Trends ausbreiten
Datum: 3. Dezember 2013
Autor: Erwin König
Kategorien: Kurz notiert

Der Kurznachrichtendienst Twitter hat aktuell mit seinem überaus erfolgreichen Börsengang einige Medienaufmerksamkeit auf sich gezogen. Bisher ist allerdings relativ wenig darüber bekannt, wie sich trendgebende Tweets geografisch entwickeln und ausbreiten. Grundsätzlich erfolgt die Verbreitung von Meldungen, wie in allen sozialen Medien, durch die Übertragung von Mensch zu Mensch und dann weiter von Stadt zu Stadt und Land zu Land, bis sich einige Meldungen sogar rund um den ganzen Globus ausgebreitet haben. Wissenschaftler der Indiana Universität in Bloomingfield haben in einer aktuellen Untersuchung die geografische Ausbreitung von Tweets nun näher analysiert, und dabei einige interessante Erkenntnisse gewonnen.

 

Soziale Medien und Online-Netzwerke können allgemein als ein Indikator eingesetzt werden, um komplexe soziale Vorgänge, wie die Verbreitung von Meinungen und Informationen oder die Muster von kollektiver Aufmerksamkeit, zu studieren.

 

Ausgangspunkt der folgenden Untersuchung bildet die von Twitter ständig aktualisierte Liste der Top 10 Hashtags und Begriffe. Diese wurde weiter auf 63 Städte der USA heruntergebrochen. Diese Liste wurde dann alle 10 Minuten durch einen Webcrawler im Zeitraum von 50 Tagen im April bis Mai 2013 abgefragt. Insgesamt wurden dadurch in der Untersuchungsperiode mehr als 11.400 solcher Hashtags und Begriffe gesammelt.

 

Die wichtigsten Erkenntnisse aus dieser Studie sind:

  • Die meisten Twitter-Trends haben nur eine sehr kurze Lebensdauer. 70% dieser Trends sind bereits nach 20 Minuten schon wieder Vergangenheit. Gerade 0,3% dieser Twitter-Trends überstehen einen ganzen Tag.
  • Als geografisch wichtige Gebiete bezüglich der Ausbreitung von Twitter-Trends, wurden in dieser Studie die Ostküste, der Mittlere Westen und der Südwesten der Vereinigten Staaten identifiziert.
  • Als Trendsetter auf Städteebene für die Streuung von Twitter-Trends haben die Forscher die Städte Los Angeles (1. Platz), Cincinnati (2.), Washington (3.), Seattle (4.) und New York (5.) erkannt. Am anderen Ende der Rangliste liegen die Trend-Follower: Oklahoma City (63. Platz), Albuquerque (62.), El Paso (61.), Omaha (60.) und Kansas City (59.).

 

Diese Studie ist bezüglich der geografischen Viralität von sozialen Medien sehr interessant. Wie und warum bestimmte Meldungen und Begriffe sich wo und wie ausbreiten, ist immer noch weitgehend unerforscht. Die vorliegende Arbeit ist einer der ersten Versuche, dies zu ändern, um das Phänomen soziale Medien bzw. allgemeiner die menschliche Kommunikation besser zu verstehen. Das Forscherteam um Ferrara will demnächst noch weiter forschen, und zwar ob sich über den Flugverkehr solche Twitter-Trends nachweisbar ausbreiten. Dies könnte z.B. erklären, wie die fast gleichzeitig stattfindende Verbreitung von Twitter-Trendthemen zwischen großen Städten wie New York und Los Angeles abläuft. Die Hypothese der Wissenschaftler lautet dabei konkret, dass durch Flugreisende zwischen diesen Städten diese Themen, wie bei einem Krankheitserreger, weiter übertragen werden. Wenn diese Hypothese stimmt, müsste man in Deutschland wohl eher die Autoverkehrsströme als möglichen Teil der viralen Verbreitung von Twitter-Themen in Deutschland mutmaßen, da in Deutschland der Straßenverkehr eine noch stärkere Bedeutung hat als in den USA. Zumindest wäre dies eine Überlegung wert.

 

Quelle:

Ferrara, Emilio; Varol, Onur; Menczer, Filippo; Flammini, Alessandro: "Traveling Trends: Social Butterflies or Frequent Fliers?"; 10. Oktober 2013, online abrufbar unter http://arxiv.org/abs/1310.2671

 

Schlagworte:

Mehr zum Thema:

Demokratie in Gefahr: Passen soziale Medien und Demokratie zusammen?

Mit dem Erfolg von sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter und Co. zeigen sich immer häufiger auch hässliche Nebeneffekte dieser Plattformen. Ursprünglich geschaffen, um Menschen virtuell eine einfache und schnelle Möglichkeit zu geben, sich global miteinander...

Informationsüberlastung wird zu einem gesellschaftlichen Problem

Informationsüberlastung – englisch: Information Overload – wird in der bibliotheks- und informationswissenschaftlichen Fachliteratur schon seit Jahren intensiv und häufig diskutiert. Es handelt sich also um ein Phänomen, das auch unter Zuhilfenahme neuer Technologien...

Akzeptanz von E-Paper steigt

Deutschland ist ein Land, wo das Lesen auf Papier eine hohe Präferenz genießt. Dies gilt nicht nur für Bücher, sondern auch für Zeitschriften und Zeitungen. Während sich E-Books trotz eines Corona „Boosters“ weiterhin schwertun, weist eine aktuelle Studie des...