Geschäft mit falschen Followern boomt
Datum: 20. September 2012
Autor: Wolf Galetzki
Kategorien: Kurz notiert

Aufgrund der großen Popularität von sozialen Netzwerken entdecken immer öfter auch Unternehmen, Organisationen und Politiker diese neuen Kommunikationskanäle für die eigene PR-Arbeit. Allerdings werden dabei nicht immer ganz „legale“ Mittel eingesetzt, wenn es darum geht, die eigene Popularität, gemessen anhand der Anzahl der Follower zu steigern. Zu diesem Zweck wird oft mit Fake-Followern gearbeitet, die man sich über Ebay und andere Websites kostengünstig beschaffen kann. Das IT-Unternehmen Barracuda Networks hat in einer Studie nun untersucht, wie das Geschäft mit den falschen Followern genau funktioniert.

 

Viele Leute träumen davon, berühmt zu werden und soziale Netzwerke wie Twitter ermöglichen es, solche Träume wahr werden zu lassen. Leider versuchen nicht immer alle User auf legalen Weg dieses Ziel zu erreichen. Viele kaufen sich aus diesem Grund einfach Follower, um sich bekannter oder beliebter zu machen, als man eigentlich ist. Anzumerken ist, dass dies nicht nur unbekannte Personen machen, sondern auch viele bekannte Persönlichkeiten.

So hat das Internetportal Mashable.com berichtet, dass sich im aktuellen US-Präsidentschaftswahlkampf sowohl der amtierende Präsident Barack Obama als auch der Herausforderer Mitt Romney mit unzähligen falschen Followern schmücken. So sind laut einer Analyse 30%, bzw. 5,7 Mio. aller Follower von Präsident Obama falsche Follower. Mitt Romney hat lediglich 900.000 Follower, von denen aber auch 15% Fake-Follower sein sollen. Wer einmal überprüfen will, wie viele falsche „Fuzziger” einem selbst folgen, kann z.B. den „Fake ­Follower Check“ (http://fakers.statuspeople.com/) durchführen.

Zurück zur Studie von Barracuda Networks. Im Mai 2012 haben Forscher des Unternehmens drei Twitter-Konten erstellt, sowie zwischen 20.000 und 70.000 Follower für jedes dieser Konten über Ebay gekauft. Danach wurde jedes dieser Accounts 75 Tage beobachtet. Die Studie hat u.a. folgende Ergebnisse hervorgebracht:

  • Es gibt 20 Verkäufer/Anbieter auf Ebay sowie 58 Websites (in den Top 100 bei Google, wenn man „buytwitterfollowers“ sucht), die falsche Follower zum Kauf anbieten.
  • 1.000 Follower kosten durchschnittlich 18 US$.
  • Ein User, der falsche Follower kauft, hat im Mittel knapp 49.000 Follower.
  • Einem falschen Twitter-Konto folgen selbst durchschnittlich wiederum 1.799 Follower.
  • Ein falscher Twitter-Account ist durchschnittlich nicht älter als 19 Wochen oder knapp 5 Monate alt. Das älteste falsche Twitter-Konto, das in dieser Untersuchung gefunden wurde, stammt vom 15. Januar 2007.
  • Es werden auch Retweets verkauft. Ein Anbieter verkauft 2.000 Retweets für 5$.
  • Ein Dealer, also der Ersteller von falschen Twitter-Konten und Verkäufer von Followern, kann täglich bis zu 800 $/ 7 Tage die Woche mit diesem Geschäft verdienen.
  • Barracuda Networks ist zudem der Meinung, dass die Dealer solcher falschen Follower darauf achten, dass bei der Follower-Verbreitungsgeschwindigkeit und der Gesamtzahl der falschen Konten gewisse Grenzen nicht überschritten werden. Damit wollen sie verhindern, von Twitter abgestraft zu werden.

 

Die Beliebigkeit und Schnelligkeit der Informationsverbreitung über soziale Medien machen die Unterscheidung zwischen wahr, halb wahr oder falsch von Meldungen oder Nachrichten für den einzelnen User immer schwieriger. Nun hat man es auch mit echten und falschen Followern zu tun. Dass Unternehmen und andere Kreise versuchen, mittels gekaufter Twitter-Accounts eine eigentlich nichtbestehende Beliebtheit unter der Internetgemeinde vorzutäuschen, ist verständlich, allerdings moralisch nicht akzeptabel. Was nützen dann die ganzen Möglichkeiten für die Nutzergenerierten Inhalte, wenn man nicht sicher sein kann, dass Kommentare oder Rezensionen überhaupt irgendeine halbwegs objektive Relevanz, Echtheit oder Glaubwürdigkeit besitzen?

Bisher haben sich soziale Netzwerke hauptsächlich im Glanz ihre Abermillionen von Usern gesonnt. Dies dürfte für einen langfristigen Erfolg kaum ausreichen. Vielmehr sollten soziale Medien – egal ob sie Facebook, Twitter oder Wikipedia heißen – verstärkt nach Lösungen Ausschau halten, wie sie solche Manipulationen aufdecken und unterbinden können. Wenn nämlich nur mehr Gerüchte als wahre und echte Informationen gelten, kann dies weder für Gesellschaft, Wirtschaft, noch für den technischen Fortschritt ein freudiges Zukunftsszenario sein. Zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang, dass Facebook aktuell einen ersten Schritt in diese Richtung gemacht hat, und nun mittels eines so genannten „Integrity System“ versucht falsche Facebook-Identitäten, gehackte Konten und auch Botsysteme zu erkennen, um diese aus Facebook zu entfernen.

 

Quellen:
Fitzpatrick, Alex: „Obama Has Millions of Fake Twitter Followers“; Beitrag vom 24. August 2012, http://mashable.com/2012/08/24/obama-has-13-million-fake-twitter-followers-report/

Petermann, Mary Catherine: „The Twitter Underground Economy: A Blooming Business“; online abrufbar unter https://www.barracudanetworks.com/blogs/labsblog?bid=2989

Schlagworte: 07-2012 | facebook | follower | Twitter

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