Was beeinflusst die Zahlungsbereitschaft für ­elektronische Informationsquellen?

Ausgabe 7/2012

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Bibliotheken und andere Informationseinrichtungen müssen aufgrund der knappen Budgets immer öfter ihre Daseinsberechtigung nachweisen. Anhand des Beispiels der portugiesischen „Biblioteca do Conhecimento Online“ (kurz: b-on), untersuchen die Autoren, welchen monetären Wert elektronische Informationsquellen für die Benutzer haben. b-on ist eine digitale Bibliothek für elektronische, wissenschaftliche Informationen und bietet portugiesischen Institutionen aus Forschung und Lehre Zugang zu Volltexten von knapp 17.000 wissenschaftlichen Publikationen. Die Hauptstudienziele sind zu erfahren, welche Faktoren die Bereitschaft zum Bezahlen für E-Ressourcen bei den Usern erhöhen können, sowie eine Nachfragefunktion für b-on-Dienstleistungen abzuleiten, basierend auf den vorher evaluierten Faktoren.

Ausgangspunkt der nachfolgenden Überlegungen bildet die Tatsache, dass aktuell nicht nur Informationseinrichtungen sparen müssen, sondern auch ihre Kunden, d.h. in erster Linie Institutionen wie Universitäten und Forschungseinrichtungen. Für diese Institutionen ist es daher notwendig zu bestimmen, welche Kosten-Nutzen durch die Benutzung von wissenschaftlichen Bibliotheken entstehen. In diesem Beitrag wird genau genommen aber nicht eine Kosten-Nutzen-Analyse für wissenschaftliche Einrichtungen durchgeführt. Dies wurde bereits in einer anderen Studie im Vorjahr von den Autoren gemacht und hat gezeigt, dass der Nutzen über den Kosten liegt. Im Mittelpunkt des Interesses stehen hier mögliche Faktoren, die die Bereitschaft, für elektronische Informationsdienstleistungen zu bezahlen, bei den Usern erhöhen können.

Der Studienaufbau beinhaltet, neben der Datenerhebung durch Umfragen unter Wissenschaftlern und Studenten, eine statistische Auswertung mittels verschiedenen Methoden der Regressionsanalyse. Die Bemessung des ökonomischen Werts von wissenschaftlicher Information erfolgt in dieser Arbeit anhand der Kontingenten Bewertungsmethode (engl. Contingent Valuation Method – CVM).

Am Anfang der Arbeit erfolgt zuerst eine kurze theoretische Diskussion über die Eigenschaften und den Wert von Information. Zusammengefasst lässt sich aus den bisher auf diesem Gebiet publizierten Studien sagen, dass der Wert von immateriellen Informationsgütern im Vergleich zu materiellen Gütern unterschätzt wird. Dies gilt übrigens sowohl für die Käuferseite als auch für die Verkäuferseite. Ursachen dafür sind, spezifischen Eigenschaften von Information, wie die allgemeine Unsicherheit, die mit diesem Gut verbunden ist, sowie die Möglichkeit, dass Information manipuliert oder unvollständig ist. Allgemein kann gesagt werden, dass es eine Neigung in unserer Gesellschaft gibt, informationelle Güter geringer einzuschätzen als materielle. Wissenschaftliche Information besitzt noch zusätzliche andere Eigenschaften, wie die Möglichkeit zur kreativen und innovativen Nutzung. Aus diesem Grund wird angenommen, dass der Wert von wissenschaftlicher Information nicht ganz so stark unterschätzt wird, wie es bei anderen Informationsarten der Fall ist.

Folgende hypothetische Faktoren, die als relevant für die Zahlungsbereitschaft für die Online-Bibliotheksdienstleistungen von b-on sein könnten, werden für diese Studie gewählt:

  • Die Bereitschaft für b-on zu bezahlen, nimmt mit einer höheren Nutzungshäufigkeit von b-on zu.
  • Die Neigung für den Zugang zu b-on zu bezahlen, hängt von dem Benutzertyp ab. Diejenigen User, die wissenschaftliche Information produktiv nutzen, d.h. für forschungs- und andere wissenschaftliche Arbeiten, dürften eine höhere Bereitschaft besitzen als jene Nutzer, die die Information nur aus privatem Interesse lesen.
  • Die Bereitschaft zu zahlen, dürfte bei denjenigen Usern höher sein, die b-on bereits kennen und nutzen.
  • Es wird angenommen, dass die Bereitschaft zu zahlen auch von dem jeweiligen wissenschaftlichen Fachgebiet sowie von den verschiedenen Institutionen abhängig ist.

Insgesamt haben knapp 2.000 Personen (Professoren, Doktoranden, Studenten sowie Fakultäts- und Bibliotheksmitarbeiter) den Online-Fragebogen beantwortet.

Nachfolgend die wichtigsten Resultate dieser Untersuchung:

  • Die vorliegenden Antworten lassen den Schluss zu, dass die Bereitschaft zu zahlen, und damit der Wert einer Informationsquelle, tatsächlich mit steigender Nutzungshäufigkeit eines Users zunehmen.
  • Die Bereitschaft zu zahlen hängt auch von dem Nutzertyp ab. Die Benutzergruppe der Professoren ist eher bereit zu bezahlen als andere Nutzergruppen, da sie Informationen eben vorwiegend produktiv einsetzen.
  • Ebenfalls beeinflusst das jeweilige Fachgebiet eines Nutzers die Zahlungsbereitschaft für b-on. Positiv auf die Zahlungsneigung wirkt sich auch aus, wenn die User b-on bereits kennen.
  • Weiterhin wurde eine hohe Preiselastizität bei b-on festgestellt, d.h. die User reagieren auf Preiserhöhungen empfindlich und mit einer stark abnehmenden Kaufbereitschaft.

Zusammengefasst konnten durch diese Untersuchung alle vorher vermuteten Einflussfaktoren auf die Zahlungsbereitschaft für die digitalen Dienstleistungen von b-on bestätigt werden. Somit liefert dieser Beitrag wichtige Hinweise zum Verständnis des Wertes von dem immateriellen Gut namens „Information“.

Quelle:
Melo, Luiza Baptista; Pires, Cesaltina: „Which factors influence the willingness to pay for electronic library services? A study of the Portuguese electronic scientific information consortium b-on“; in: Journal of Librarianship and Information Science, September 2012, Vol. 44, No. 3, 185-198

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