Trends und Entwicklungen bei Informationseinrichtungen

Ausgabe 7/2012

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In den letzten Jahren haben sich die Rahmenbedingungen für Informationseinrichtungen weltweit einschneidend verändert. Damit sind nicht nur die Auswirkungen durch eine immer stärker vernetzte Gesellschaft gemeint. Hierzu zählen auch die anhaltend schwierige wirtschaftliche Lage sowie auch die Veränderungen bei der akademischen Kommunikation, d.h. beim Austausch und der Verbreitung von wissenschaftlichen Informationen. Direkte Folge davon ist etwa ein Wandel bei der Sammlungstätigkeit durch wissenschaftliche Bibliotheken, wie die Reduzierung der Bestände oder der Austausch von gedruckten Zeitschriften durch ihre elektronischen Pendants. Welche weiteren Trends und Entwicklungen bei den Bibliothekssammlungen in der jüngeren Vergangenheit entstanden sind, wird in diesem Beitrag anhand einer Analyse der einschlägigen Fachliteratur aus den Jahren 2009 und 2010 untersucht. Dazu wurden mehr als 600 Zitierungen aus Büchern, Fachzeitschriften und Online-Datenbanken überprüft, wovon schließlich 400 Publikationen ausgewertet wurden.

Als wichtigste Themen und Aufgaben bei der Sammlungsentwicklung werden in der Literatur der Jahre 2009 bis 2010 genannt:

  • Der Wandel bei den Bibliothekssammlungen dauert an, da der Wechsel von gedruckten zu digitalen Materialien anhält.
  • Die Informationseinrichtungen erforschen noch, welche (neue) Rolle sie innerhalb des wissenschaftlichen Forschungsprozesses einnehmen können.
  • Print-Sammlungen werden vermehrt zu Gunsten von gemeinsam benutzten Repositorien aufgegeben.
  • Die Zusammenarbeit und Kooperationen mit anderen Bibliotheken sowie zwischen den wissenschaftlichen Institutionen werden verstärkt.
  • Der Schwerpunkt bei den Sammeltätigkeiten konzentriert sich vermehrt auf Spezialsammlungen sowie auf einzigartige Materialien.
  • Bei der Erwerbungspolitik kommen immer öfter neue Beschaffungsmodelle zum Einsatz, wie der kundengesteuerte Erwerb (Patron Driven Acquisition – PDA) und die bedarfsorientierte Vorgehensweise („Just-in-time“).
  • E-Books stehen bei der Akzeptanz in wissenschaftlichen Bibliotheken an einem Wendepunkt, da viele der bisherigen Probleme nicht mehr in der alten Form bestehen. So hat die Titelauswahl bei den E-Books in den letzten Jahren stark zugenommen. Und auch die früher oft bestehende große zeitliche Lücke zwischen der Veröffentlichung einer gedruckten und einer elektronischen Ausgabe, existiert so nicht mehr.
  • Bei den praktischen Arbeiten für die Sammlungen stehen Aufgaben wie Auswahl, elektronische Informationsquellen-Verwaltung, Aussortieren, Lagerhaltung, Bestandsaufnahme und Prüfung bei der Bestandsentwicklung im Vordergrund.
  • Es entwickeln sich neue Aufgabengebiete für Fachreferenten und Bestandsmanager.

Interessant ist auch eine Zusammenstellung mit Prognosen zur Sammlungsentwicklung, die in der Fachliteratur dieser Jahre publiziert worden sind. Nachfolgend einige Vorhersagen des Taiga Forum sowie der Association of College and Research Libraries(ACRL):

  • Bestandsmanagement, wie wir es bisher kennen, wird innerhalb der nächsten fünf Jahre komplett durch den kundengesteuerten Erwerb abgelöst werden.
  • Benötigt werden Bibliothekare nur mehr bei der Bestandsentwicklung, wenn es sich um Sondersammelgebiete und Archive handelt.
  • Das aktuelle vorherrschende hybride Erwerbsmodell mit gedruckten und digitalen Materialien wird zugunsten reiner elektronischer Sammlungen aufgegeben werden.
  • Die verfügbaren Etats werden auch in den nächsten Jahren knapp bleiben, aber die Informationseinrichtungen werden sich daran anpassen.
  • Digitalisierungsprojekte für einzigartige Bibliotheks-Sammlungen werden weiter zunehmen und gleichzeitig mehr Ressourcen (finanziell und personell) beanspruchen.
  • Die früher gültige Definition einer Bibliothek verändert sich, genauso wie die Informationseinrichtung als physischer Ort neuen Nutzungszwecken zugeführt wird, und die virtuellen „Räume“ ausgebaut werden.

Der Beitrag verdeutlicht, dass sich in den letzten Jahren der Druck zum Wandel auf Informationseinrichtungen weiter beschleunigt hat. Ursache hierfür sind die sich rasant entwickelnden Informations- und Kommunikationstechnologien sowie auch neue Formen der wissenschaftlichen Kommunikation. Wäre dies nicht allein schon schwer genug zu bewältigen, stehen durch die bereits lange anhaltende Wirtschaftskrise auch oftmals nur mehr geringere Budgets zur Verfügung. Kurz gesagt ist dies eine Zeit der großen Unsicherheit für Bibliotheken, in der vieles in Frage gestellt wird und werden muss, was vorher undenkbar war.

Quelle:
Thomas, Marcia L.: „Disruption and Disintermediation: A Review of the Collection Development and Management Literature, 2009–10“; in: Library Resources & Technical Services, 2012, Vol. 56, No. 3, 183-198

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