Tablets könnten elektronische Lesegeräte verdrängen

Ausgabe 7/2012

Der US-amerikanische Branchenverband Book Industry Study Group (BISG) sieht für die Hersteller der führenden elektronischen Lesegeräte, wie den Kindle des Online-Händlers Amazon, in naher Zukunft schwere Zeiten aufziehen. Ursache hierfür sei die immer stärkere Verbreitung von Tablet-Rechnern unter den Verbrauchern. Die Tablets würden von den Konsumenten immer öfter auch als E-Book-Reader verwendet, so dass auf den Kauf eines spezifischen E-Book-Readers mehrheitlich verzichtet wird.

 

In den USA bleibt der Kindle, laut einer neuen Studie von BISG, zwar zur Zeit der führende E-Bookreader mit einem Marktanteil von ca. 40%, und dies deutlich vor dem Nook von Barnes & Noble mit weniger als 20%. Dies könnte sich nach Ansicht von BISG aber relativ schnell ändern. Ursache sind nicht etwa neue Konkurrenzmodelle, wie der neue Sony Reader PRS-T2, sondern vielmehr der ungebrochene Siegeszug der Tablet-Rechner wie Apples iPad oder sogar Amazons eigenes Tablet, der neue KindleFire HD. Tablets könnten somit nicht nur allmählich Desktop-PCs und Notebooks ablösen, sondern demnächst auch E-Bookreader. Laut dieser Studie werden 2012 weltweit nur mehr 11 Mio. elektronische Lesegeräte verkauft werden. 2011 lag die Zahl der verkauften E-Reader noch bei 15 Mio. Stück. Insgesamt wird erwartet, dass die Verkäufe von elektronischen Lesegeräten in den nächsten fünf Jahren jährlich um 6,1% zurückgehen werden. Zum Vergleich: Die Absatzzahlen für Tablet-Rechner sollen sich für 2012 bereits auf 102 Mio. weltweit verkaufte Geräte belaufen. Und für 2017 wird sogar mit einem Absatz von 250 Mio. Tablets gerechnet.

Trotzdem sieht die BISG auch in der Zukunft weiterhin einen gewissen Bedarf für elektronische Lesegeräte, da es eine bestimmte Kundschaft gibt, die die Vorteile beim Lesen von E-Books auf Readern gegenüber den Tablets zu schätzen weiß, bzw. (noch) nicht darauf verzichten will.

Diese Entwicklung ist für Informationseinrichtungen, die sich mit der E-Book-Ausleihe beschäftigen, von nicht zu unterschätzender Relevanz. Schließlich muss man sich entscheiden, ob man für User Leih- und Lesegeräte in Form von speziellen elektronischen Lesegeräten bereitstellen oder zu den immer beliebter werdenden Tablet-Rechnern wechseln soll. Derzeit dürften die elektronischen Lesegeräte in Bibliotheken oder anderen Informationseinrichtungen noch kaum in Frage gestellt sein, da sie neben den besseren Leseeigenschaften auch durch einen kostengünstigeren Preis (< 100 US$ gegenüber durchschnittlichen Preis von 465$ für einen Tablet-Rechner) aufwarten können. Demnächst wird erwartet, dass die Hersteller von elektronischen Lesegeräten durch die aufkommende Konkurrenz der Tablets gezwungen sein werden, ihre E-Reader sogar kostenlos an ihre Kundschaft abzugeben, um den E-Book-Verkauf anzukurbeln.

Quelle:
Greenfield, Jeremy: „E-Readers Will Shrink in Popularity But Not Disappear, New ­Report Says“; Nachricht vom 30. August 2012, online abrufbar unter

http://www.digitalbookworld.com/2012/e-readers-will-shrink-in-popularity-but-not-disappear-new-report-says/

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