Suchmaschinen sind immer noch relevanter als soziale Medien

Zwei aktuelle Studien – vom deutschen Hightech-Branchenverband BITKOM sowie von der US-amerikanischen Internetforschungsorganisation PewInternet - relativieren etwas das Bild vom unaufhörlichen Erfolg von sozialen Medien wie Facebook. In der alltäglichen Internetnutzung sind Suchmaschinen, und im Besonderen Google, immer noch die wichtigsten Anlaufstellen, wenn es um die Informationssuche geht. Sogar die Qualität der Suchergebnisse ist von den Nutzern noch nie so hoch eingestuft worden wie heute. Wenn es Vorbehalte gegenüber der Verwendung von Suchmaschinen gibt, sind dies datenschutzrechtliche Gründe. Der Gedanke, dass pausenlos private Informationen von den Suchmaschinen gesammelt und personalisierte Werbeanzeigen eingeblendet werden, stößt immer mehr auf Skepsis und Widerstand.

BITKOM hat für seine repräsentative Untersuchung 1.000 Internetuser befragt. Folgende Ergebnisse haben sich bei der Frage „Welche Seite öffnet sich beim Start Ihres Internet-Browsers?“ ergeben:

  • Die Internetuser beginnen mehrheitlich ihren Online-Tag mit dem Aufruf einer Suchmaschine (58%). Zumindest sind Google und Co. als Startseite in ihrem Browser verankert.
  • Zweitbeliebteste Tätigkeit ist der Abruf eines E-Mail-Dienstes (11%) wie GMX oder T-Online. Dahinter folgen Nachrichtenseiten mit 4%, soziale Netzwerke 4%, eine leere Seite mit ebenfalls 4%, die Website des Arbeitgebers mit 2%, eine persönliche Website mit 2% sowie sonstige mit 12%.
  • Interessant auch die Aussage des BITKOM-Hauptgeschäftsführers Bernhard Rohleder, dass die Bedeutung der Internetsuche für die jüngeren User noch größer ist als bei den Älteren.
  • Die E-Mail wird bei den jüngeren Internetusern immer öfter von den in den sozialen Netzwerken integrierten Möglichkeiten zur Kontaktaufnahme konkurrenziert, zumindest wenn es um den Austausch mit Freunden und Bekannten geht.

Für die Studie von PewInternet wurde eine Telefonumfrage unter 2.253 Personen in den USA durchgeführt. Folgende Resultate wurden hier gefunden:

  • 91% der Nutzer haben angegeben, dass sie dank der Suchmaschinen immer oder fast immer die gesuchte Information finden.
  • 73% der User sind der Meinung, dass die über die Ergebnislisten der Suchmaschinen gefundenen Informationen richtig und vertrauenswürdig sind.
  • 55% der User glauben, dass die Qualität der Suchergebnisse im Laufe der Zeit immer besser geworden ist. Lediglich 4% haben das Gefühl, dass diese immer schlechter werden.
  • In den USA sind die beliebtesten Internet-Aktivitäten zu 92% E-Mails lesen oder versenden, zu 91% Informationen suchen mittels Suchmaschinen, zu 76% Online-Nachrichten lesen, zu 71% Online-Einkaufen sowie zu 66% soziale Netzwerke besuchen.
  • 65% der Antwortenden empfinden es als negativ, dass Suchmaschinen ihre Suchhistorie speichern und für das Ranking von zukünftigen Suchanfragen einsetzen. Dies begrenzt das Aufspüren von neuen Informationen.
  • 29% sind dagegen der Meinung, dass die Speicherung von früheren Suchanfragen eher die Relevanz der Suchergebnisse erhöhen würde.
  • 73%, also knapp Dreiviertel aller Befragten, findet es nicht in Ordnung, dass Suchmaschinen ihre früheren Suchanfragen auswerten, um damit ihre kommenden Suchergebnisse zu personalisieren. Dies wird als ein Eingriff in ihre Privatsphäre empfunden.

Zusammenfassend kann man festhalten, dass trotz sozialer Netzwerke die Suchmaschinen – und damit vor allem Google – weiterhin die zentrale Anlaufstellen für die User im Netz sind (siehe hierzu aber auch den nachfolgenden Beitrag „Studie zum Social Web in Deutschland“ in diesem Newsletter).

 

Quellen:
BITKOM (Hrsg.): „Suchmaschinen sind die beliebtesten Startseiten im Web“; Pressemitteilung vom 12. März 2012, online abrufbar unter http://www.bitkom.org/de/presse/8477_71475.aspx

Purcell, Kristen; Brenner, Joanna, Rainie, Lee: „Search Engine Use 2012“; PewInternet, 9. März 2012, online abrufbar unter http://pewinternet.org/Reports/2012/Search-Engine-Use-2012.aspx

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