Studie: Freemium ist das ideale Geschäftsmodell für das digitale Zeitalter

Ausgabe 4/2012

iYogi, ein Anbieter für Computer- und Kommunikationsdienstleistungen, will in einer Studie herausgefunden haben, dass das Freemium-Geschäftsmodell das ideale Verkaufs- und Abonnementsmodell für das heutige Internetzeitalter ist. Bei dem Freemium-Geschäftsmodell werden gewisse Basisdienste oder Einführungs-produkte kostenlos für interessierte Kunden angeboten. Will man mehr dieser Produkte oder über diese Basis-Angebote hinausgehende Dienste, muss man diese kostenpflichtig, oft in Form von Abonnements, erwerben. Freemium vereinigt also die zwei Geschäftsmodelle kostenfrei ("Free") und kostenpflichtig ("Premium").

Wichtige Ergebnisse dieser Studie sind:

  • In dieser Studie wurden ausschließlich Personen befragt, die schon mindestens einmal ein Freemium-Produkt oder -Dienst genutzt haben.
  • Etwas weniger als die Hälfte (42%) hat nach dem Konsum der kostenfreien Angeboten auch die Premium-Produkte und -Diensleistungen gekauft.
  • Gerade bei Konsumenten, die die angebotenen Produkte oder Dienste vorher überhaupt nicht kannten, funktioniert dieses Modell besonders gut. Über alle untersuchten Produkt- und Dienste-Kategorien hinweg waren in dieser Nutzergruppe die höchsten Konversationsraten zu beobachten.
  • Freemium eignet sich besonders gut für die Einführung neuer Produkte und Dienste, die aus den Bereichen Kommunikation, Unterhaltung, Musik, Produktivitäts-Tools (z.B. Evernote, Memonic etc.)  und Cloud-Dienste kommen.
  • Wenn man den IT-Support ausklammert, haben 40% der Antwortenden bereits einmal eine kostenlose Einzelberatung durch eine Experten nutzen können. Auch Produkte und Dienste, die auf Beratung und Expertenwissen basieren, bieten sich  für das Freemium-Geschäftsmodell an.
  • Am erfolgreichsten scheint das Freemium-Modell in der vermeintlich besonders schwer unter Urheberrechtsverletzungen leidenden Unterhaltungsbranche anzukommen. Dort hat man Konversionsraten von bis zu 65% (im Durchschnitt 57%) festgestellt. D.h. knapp Zweidrittel derjenigen User, die ein Produkt oder Dienst zuerst gratis getestet haben, sind dann auch zu zahlenden Abonnenten oder Käufern geworden. Untersucht wurden z.B. die in Deutschland (noch) nicht verfügbaren Video-Streamingdienste Hulu und Netflix.
  • Ebenfalls hohe Verwertungsraten verzeichnen die relativ neuen Cloud-Dienste. Im Durchschnitt 41% der User verwandeln ihren kostenfreien Zugang später in einen kostenpflichtigen Mehrwert-Dienst.
  • Viele User nutzen kostenfreie und hervorragende Virensoftware oder andere Sicherheitstools, um sich vor den Bedrohungen aus dem Internet wie Viren oder Malware zu schützen. (Anmerkung: Man denke nur an den vor kurzem veröffentlichten Antiviren-Software-Test der Stiftung Warentest, der zeigt, dass die kostenlosen Programme ihren kostenpflichtigen Varianten nur unwesentlich unterlegen sind) Trotzdem sind auch hier 37% der Nutzer im Durchschnitt bereit, für die kommerzielle Version zu bezahlen.

Sicher kann man bei solchen Untersuchung immer bemängeln, dass diese Studien nicht ganz unabhängig von den Eigeninteressen des herausgebenden Unternehmens sind. Was auch in diesem Fall sicher nicht ganz falsch ist. Schaut man sich aber die Erfolgsgeschichten im Internet an, scheint der Freemium-Ansatz wohl nicht ganz "falsch" zu sein. Erwähnt sei in diesem Zusammenhang auch das sehr erfolgreiche Freemium-Modell der Financial Times Online, die schon seit Jahren als eine der wenigen Zeitungen überhaupt sehr erfolgreich mit diesem Bezahlmodell ist. Registrierte User können dort sieben Artikel im Monat gratis lesen. Wollen sie mehr, stehen ihnen verschiedene kostenpflichtige Abo-Varianten zur Verfügung.

Weite Verbreitung hat dieses Modell zudem auf den App-Plattformen von Apple und Google Android Market (neu: Google Play) gefunden. Dort gibt es zahlreiche Apps, die in einer kostenfreien, eingeschränkten Version, und gleichzeitig in einer kostenpflichtigen, vollumfänglichen Version angeboten werden. Freemium ist praktisch das Äquivalent zur Probefahrt oder dem Probeabonnement der "Old Economy". Wieso nicht mehr Medien, wie Zeitungen und Zeitschriften, auf dieses Modell setzen, erschließt sich einem nicht ganz. Die Vorteile sind offensichtlich. Man kann so sehr schnell viele potenzielle Kunden anlocken und muss zudem nicht seine ganzen und aufwändig recherchierten Artikel kostenlos bzw. ausschließlich kostenpflichtig im Internet feilbieten. Freemium ist also nichts anderes als die marketingtechnische Umsetzung der alten Weisheit "Niemals die Katze im Sack zu kaufen":

Quelle: iYogi (Hrsg.): "Freemium Survey Report: Consumer Adoption Of Freemium Products And Services"; Mai 2012, online abrufbar unter http://insights.iyogi.com/wp-content/themes/iYogiinsight/Download/report.pdf

Mehr zum Thema:

Antworten