Soziale Metadaten in Informationseinrichtungen

Ausgabe 3/2012

check($_SERVER['REMOTE_ADDR'])){ ?>Das Bibliotheksdienstleistungsunternehmen OCLC hat in Zusammenarbeit mit 21 anderen kulturellen Organisationen im Rahmen der RLG Partnership untersucht, inwieweit soziale Metadaten in Bibliotheken, Museen, Archiven etc. helfen können, die Qualität und Relevanz von Suchergebnissen für Benutzer zu erhöhen. Allgemein wird mit dieser Studienreihe versucht, den Einfluss der sozialen Medien auf Informationseinrichtungen aller Art zu beschreiben. Abschließend werden verschiedene Handlungsempfehlungen formuliert, um diesen Wandel mit allen seinen Risiken und Chancen besser bewältigen zu können.

Für diese Untersuchung wurden in fünf Ländern insgesamt 76 für Bibliotheken, Archive und Museen relevante Websites analysiert, die verschiedene soziale Medien-Funktionen wie Tagging, Kommentare oder Empfehlungen einsetzen. Unter sozialen Metadaten werden von Usern erstellte Informationen verstanden, die anderen Nutzern helfen, einfacher Inhalte zu finden, zu verstehen und bewerten zu können.

Nachfolgend einige wichtige Ergebnisse und Schlussfolgerungen aus dieser Studie:

  • Die meisten Bibliotheksseiten (70%) bieten soziale Medien-Funktionen für nutzergenerierte Inhalte erst seit einer relativ kurzen Zeit an, d.h. seit zwei Jahren oder kürzer.
  • Die am häufigsten verwendeten sozialen Medienanwendungen auf den untersuchten Websites sind Kommentare, Tagging und RSS-Feeds. Auf denjenigen Websites, die Rezensionen erlauben, bietet nur die Hälfte gleichzeitig auch eine Bewertungsmöglichkeit an.
  • Obwohl Tagging sehr beliebt ist, scheint es im Gegensatz zu einer Kommentarfunktion verhältnismäßig wenige User anzuziehen.
  • Interaktive Userfunktionen wie "Wer ist online", das Betrachten von anderen Nutzerprofilen, das Teilen von Inhalten über andere sozialen Medien-Portale oder das Erstellen von eigenen Usergruppen oder Foren ist auf den untersuchten Websites bisher nicht sonderlich weitverbreitet. Insgesamt weniger als ein Drittel der beobachteten Websites bieten solche interaktive Möglichkeiten an.
  • Die meisten der Umfrageteilnehmer haben angegeben, dass sie ihre Webseiten selber hosten. Dies wird damit erklärt, dass es sich bei den Antwortenden mehrheitlich um Mitarbeiter von großen Organisationen handelt. Diese haben im Gegensatz zu kleineren Institutionen meistens ausreichende Mittel sowie auch eine eigene IT-Infrastruktur, um ein eigenes Hosting betreiben zu können.
  • Auf den Websites kommen immer öfter Multimedia-Inhalte zum Einsatz. Es dominieren zwar immer noch Textinformationen und Bilder auf den Homepages, aber mehr als ein Drittel bieten inzwischen auch weitere Formate wie Audio an.
  • Für die Verwaltung der Webauftritte ist mehrheitlich Personal aus der IT-Abteilung zuständig.
  • Die Mehrzahl der untersuchten Websites verfügen über Richtlinien für angemessenes Verhalten, Inhaltsbearbeitung sowie für Datenschutz.
  • Mehr als die Hälfte der Studienteilnehmer setzen auf ihren Websites ein kontrolliertes Vokabular ein.
  • Die Umfrageergebnisse weisen darauf hin, dass man den User-Dialog am besten anhand der Qualität der Beiträge und Inhalte misst, und nicht unbedingt an der quantitativen Anzahl an Inhalten oder Usern.

Vor der Einführung von sozialen Medien sollte man sich u.a. zuerst folgende Fragen stellen und beantworten:

  • Welche Ziele will man mit einem sozialen Medienangebot überhaupt erreichen?
  • Welche sozialen Medien-Anwendungen sind geeignet, diese Ziele umzusetzen?
  • Welche Kennzahlen will man zur Messung der geplanten Ziele einsetzen?
  • Welche Schulungen sind im Zusammenhang mit sozialen Medien für die eigenen Mitarbeiter notwendig?
  • Wie viel Zeit und Ressourcen kann man überhaupt für Einführung und Betrieb von sozialen Medien aufbringen?

Weitere Empfehlungen von OCLC für den Einsatz von sozialen Medien sind:

  • Die User müssen begeistert werden, damit sie auch mitwirken.
  • Ein Blick auf ähnliche Angebote anderer Websites kann nicht schaden, um Ideen für den Einsatz von sozialen Medien zu erhalten.
  • Man sollte keine Angst vor Spam oder Missbrauch durch unerwünschte User haben. Neben technischen Lösungen für diese Probleme, wie etwa CAPTCHAs (Sicherheitsabfragen), helfen auch eine notwendige Registrierungspflicht für User sowie das Aufstellen von Richtlinien für die Inhaltserstellung, die negativen Auswüchse im Rahmen zu halten.
  • Festlegen, wer von den Mitarbeitern sich in den Communities beteiligt sowie als Ansprechpartner für die User zur Verfügung steht.
  • Für kleine Organisationen mit begrenzten Mitteln ist zu überlegen, ob nicht bestehende große soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter genutzt werden, anstatt eigene Angebote auf der Homepage zu entwickeln. Interne als auch externe soziale Medien-Angebote haben jeweils ihre spezifischen Vor- und Nachteile. Hier ist im Vorfeld ein genaues Abwägen von Nöten.
  • Ausführliches Testen der Benutzerfreundlichkeit des Angebots, sowohl vor als auch nach Fertigstellung des Auftritts.
  • Regelmäßig neue Inhalte erstellen, damit die Besucher erkennen, dass es sich um eine aktive Community handelt.
  • Anzeigen und Indexieren der von den Usern erstellten Inhalte. Die Hälfte der an dieser Studie teilnehmenden Website-Manager hat angegeben, dass sie keine von Usern erzeugten Tags auf ihrer Homepage anzeigen. Und mehr als ein Drittel indexiert auch nicht die von den Usern selbst erstellten Inhalte, um sie z.B. über die Site-Suche auffindbar zu machen.
  • Sich überlegen, wie man Nutzer generierte Inhalte in bestehende Kataloge oder in Schlagwortverzeichnisse integrieren kann.
  • Bei Anfragen oder Anregungen durch User möglichst schnell antworten.

Die wichtigste Empfehlung aus dieser Untersuchungsreihe ist bestimmt, dass Informationseinrichtungen sich nicht dem Thema „soziale Medien“ generell verweigern sollten. Mit solch einer Nicht-Strategie läuft man schnell Gefahr, in den nächsten Jahren selbst belanglos für die eigenen Benutzer zu werden. Soziale Medien sind gerade für Organisationen und Unternehmen ein sehr komplexes Thema. Deswegen aber mit einer „Vogel Strauß“-Politik darauf zu reagieren, war schon beim Aufkommen des Web 1.0 die schlechteste aller Entscheidungsmöglichkeiten. Natürlich birgt auch die Nutzung von sozialen Medien ein Risikopotenzial. So ist nicht auszuschließen, dass Investitionen ins Leere laufen können. Erinnert sei hier an die vor wenigen Jahren einst hoch gepriesenen 3D-Online-Plattform Second Life. Wie gesagt, gar nichts zu unternehmen, sollte aber auch nicht die Lösung sein.

Quelle:
Smith-Yoshimura, Karen: “Social Metadata for Libraries, Archives and Museums. Executive Summary“; März 2012, online verfügbar unter http://eprints.rclis.org/handle/10760/16776

Weitere Berichte in dieser Veröffentlichungsreihe sind:
„Social metadata for libraries, archives and museums Part 1: Site Reviews” (http://eprints.rclis.org/handle/10760/16182)
“Social Metadata for Libraries, Archives and Museums. Part 2: Survey Analysis” (http://eprints.rclis.org/handle/10760/16448)
“Social Metadata for Libraries, Archives and Museums. Part 3: Recommendations and Readings” (http://eprints.rclis.org/handle/10760/16777)

Das Bibliotheksdienstleistungsunternehmen OCLC hat in Zusammenarbeit mit 21 anderen kulturellen Organisationen im Rahmen der RLG Partnership untersucht, inwieweit soziale Metadaten in Bibliotheken, Museen, Archiven etc. helfen können, die Qualität und Relevanz von Suchergebnissen für Benutzer zu erhöhen. Allgemein wird mit dieser Studienreihe versucht, den Einfluss der sozialen Medien auf Informationseinrichtungen aller Art zu beschreiben. Abschließend werden verschiedene Handlungsempfehlungen formuliert, um diesen Wandel mit allen seinen Risiken und Chancen besser bewältigen zu können.

Für diese Untersuchung wurden in fünf Ländern insgesamt 76 für Bibliotheken, Archive und Museen relevante Websites analysiert, die verschiedene soziale Medien-Funktionen wie Tagging, Kommentare oder Empfehlungen einsetzen. Unter sozialen Metadaten werden von Usern erstellte Informationen verstanden, die anderen Nutzern helfen, einfacher Inhalte zu finden, zu verstehen und bewerten zu können.

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