Plattformübergreifender Fernseh- und Videokonsum

Ausgabe 8/2012

In der letzten Ausgabe dieses Newsletters wurde eine Studie von Google publiziert, die sich mit der Mediennutzung über mehrere Bildschirme beschäftigt hat. Eine aktuelle Untersuchung durch das Marktforschungsunternehmen Nielsen liefert einen weiteren Einblick in dieses auch für Informationsspezialisten wichtige Trendthema. Laut dieses Berichts verbringen US-Amerikaner inzwischen fast 35 Stunden pro Woche, um Filme und Videos anzuschauen. Sie nutzen hierfür – teilweise gleichzeitig – die Bildschirme von mehreren Endgeräten. Sie schalten diese Geräte auch bei Nichtnutzung nicht einfach aus, sondern sind mit einer größeren Auswahl an Medienkonsum-Optionen konfrontiert. Dies führt zu einem offensichtlichen Wandel bei der zeitlichen Nutzungsverteilung der einzelnen Endgeräte. Dies ist Ausdruck davon, dass die Konsumenten auch bereit sind, die neuen ihnen zur Verfügung stehenden Möglichkeiten auszuschöpfen um selbst zu bestimmen, was, wann und wo sie Medien konsumieren wollen.

  • Der Videokonsum umfasst Fernsehschauen (1. Quartal 2012: 4 Stunden 38 Minuten pro Tag), per DVD-Recorder aufgenommene Sendungen (24 Minuten pro Tag), Videospiele (14 Minuten pro Tag) sowie DVD-Filme (12 Minuten pro Tag). Gegenüber dem 1. Quartal 2011 bedeutet dies beim TV-Konsum einen geringen Rückgang von 9 Minuten.
  • Neben den 35 Stunden in der Woche an Videokonsum verbringen US-Amerikaner noch zusätzlich knapp 5 Stunden in der Woche mit dem Internetkonsum mittels PC.
  • Festgestellt wurden bei den verschiedenen Videospielgeräte-Typen deutliche Nutzungsunterschiede. User, die eine Spielekonsole der 7. Generation besitzen, nutzen diese wesentlich länger als die oben genannten durchschnittlichen 14 Minuten, und zudem nicht nur für Spiele. PS3-User kommen täglich auf 36 Minuten, Wii-Nutzer auf 17 Minuten pro Tag sowie Xbox-User auf 32 Minuten. Diejenigen 39% aller US-Haushalte, die eine Spielekonsole der 7. Generation besitzen, unterscheiden sich in ihrem allgemeinen Nutzungs- und Medienverhalten von den restlichen US-Bürgern. Laut Nielsen ist in dieser Verbrauchergruppe eine größere Akzeptanz für neue Endgeräte, für das Bezahlen von kostenpflichtigen TV-Angeboten sowie für breitbandiges Internet vorhanden. Spielekonsolen sind in der Altersklasse der unter 35-Jährigen die Domäne vorwiegend junger Männer. Die jungen Frauen verbringen im Vergleich zu der Usergruppe der jungen Männer deutlich weniger als die Hälfte der Zeit mit Spielekonsolen.
  • Insgesamt nimmt der Film- und Videokonsum der US-Amerikaner weiter zu. Das klassische Fernsehgerät bleibt dabei der zentrale Medienkanal. Allerdings haben auch der Videokonsum über andere Kanäle wie zeitverzögerter Fernsehkonsum, Videokonsum über mobile Endgeräte und Internet zugelegt. So nutzen gegenwärtig knapp 36 Mio. Mobiltelefonbenutzer in den USA ihre Geräte zum Videoschauen.
  • Die amerikanischen Konsumenten suchen verstärkt nach professionell produzierten TV-Inhalten. So verwundert es nicht, dass Streamingdienste wie Netflix beginnen, ihre eigenen TV-Formate zu produzieren und zu veröffentlichen. „Content is King“ scheint derzeit, noch mehr als sonst, das Motto der diversen Fernsehmedien zu sein. Und damit ist nicht nur eingekaufter Content, d.h. Filme oder TV-Serien, sondern die eigene Produktion von solchen Inhalten gemeint.
  • Bei der Anzahl an Geräten fällt auf, dass klassische DVD- und Bluray-Player im Vergleich zum Vorjahr eher eine rückläufige Verbreitung in den US-amerikanischen Haushalten haben. Zugenommen hat der Absatz von DVD-Aufnahmegeräten, von HDTV-Geräten und von Spielekonsolen.

Es wird immer offensichtlicher, dass die User gewillt sind, die ihnen heute zur Verfügung stehenden Technologien und Geräte zu nutzen, und dies unter Umständen auch teilweise simultan. Für die Anbieter von Inhalten bedeutet dies die Notwendigkeit, ihren Content auch auf mehreren Plattformen zu produzieren, um diese neue Generation an Usern zufriedenstellen zu können. Aber auch originäre Inhalte scheinen gerade im TV-Bereich für eine Vielzahl an Usern entscheidend für ihren Medienkonsum zu sein.

Quelle: http://blog.nielsen.com/nielsenwire/online_mobile/the-cross-platform-report-how-and-where-content-is-watched/

Mehr zum Thema:

Antworten