OCLC-Befragung: künftige Arbeitsschwerpunkte von Bibliotheken

Ausgabe 7/2012

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Der US-amerikanische Bibliotheksdienstleister OCLC hat in mehreren Ländern Umfragen unter Bibliotheksmitarbeitern durchgeführt um zu erfahren, welche Trends, Themen und Prioritäten in den nächsten fünf Jahren für die Bibliothekswelt am wichtigsten werden dürften. Insgesamt wurden für diesen Stimmungsbericht 143 Bibliothekare in Deutschland, 152 Bibliothekare aus den Niederlanden sowie 279 Bibliothekare in Großbritannien befragt. Ein bestimmender Trend, der sich in diesen verschiedenen Länderberichten wiederfindet, ist die Ansicht, dass die physischen Besuche der Benutzer in den nächsten Jahren stagnieren dürften. Gleichzeitig wird aber ein Anstieg der Besucherzahlen bei den Online-Dienstleistungen der Bibliotheken erwartet.

 

Nachfolgend einige der wichtigsten Trends für deutsche Bibliotheken:

  • Die Verteilung der Teilnehmer nach Bibliothekstypen sieht im deutschen Länderbericht wie folgt aus: 45% wissenschaftliche Bibliotheken, 23% öffentliche Bibliotheken, 20% Spezialbibliotheken sowie 12% Andere.
  • Bis zum Jahr 2017 wird sich der Hauptgrund für einen Besuch der Nutzer in einer ­Bibliothek verändern. Etwas mehr als zwei Drittel der Umfrageteilnehmer (69%) sehen, dass es beim Nutzungsverhalten zu mehr oder weniger einschneidenden Veränderungen kommen wird. Stehen heute bei einem Besuch noch Bücher und andere vorwiegend gedruckte Materialien im Vordergrund, rücken innerhalb der nächsten fünf Jahre für die Benutzer hauptsächlich Online-Datenbanken und elektronische Zeitschriften in den Fokus.
  • Von daher verwundert es nicht, dass Online-Informationsquellen sowie elektronische Bücher sowohl bei öffentlichen als auch wissenschaftlichen Bibliotheken in Deutschland höchste Relevanz genießen.
  • Um sich über aktuelle Themen und Trends im Bibliothekswesen zu informieren, nutzen deutsche Bibliotheksmitarbeiter besonders gerne Gespräche mit ihren Kollegen (72%). Dahinter folgen als zweitwichtigste Informationsquelle die bibliothekarischen Fachzeitschriften (60%). Die drittwichtigste Quelle für deutsche Informationsspezialisten sind spezifische bibliothekarische E-Mail-Listen mit 48%. Blogs, Twitter und Facebook werden zwar von 28% der Umfrageteilnehmer gelesen. Sie zählen aber mit 11% (Blogs) und jeweils 2% (Twitter und Facebook) nicht unbedingt zu bevorzugten Quellen. Fachzeitschriften werden insgesamt von 90% der Umfrageteilnehmer gelesen. Twitter spielt dagegen praktisch keine Rolle, da 93% der deutschen Bibliothekare diesen Informationskanal überhaupt noch nicht nutzen.
  • Online ist inzwischen der neue „Normalzustand“ auch für alle Bibliothekstypen. So erwarten 71% aller an dieser Untersuchung antwortenden Teilnehmer, dass die Nutzung von Online-Bibliotheken in der Zukunft weiter zunehmen wird. Gleichzeitig werden bei der physischen Nutzung der eigenen Bibliothek eher stagnierende Benutzerzahlen erwartet (49%). 37% der Teilnehmer rechnen dagegen mit einer Zunahme der persönlichen Bibliotheksbesuche und 9% erwarten eine Abnahme der physischen Besuche durch die Nutzer.

Zum Vergleich hier noch einige Ergebnisse aus den Länderberichten von Großbritannien, Niederlande und den USA (die Berichte über die USA wurden bereits im März und im Mai 2012 veröffentlicht):

  • In den Niederlanden steht der Nachweis des Wertes der Bibliothek ganz oben auf der Agenda. Wie in Deutschland informieren sich viele Bibliotheksmitarbeiter über aktuelle Trends im Bibliothekswesen durch einen Austausch mit ihren Berufskollegen. Allerdings reicht es in den Niederlanden hier mit 57% nur zum 2. Platz bei der Frage nach der bevorzugten Informationsquelle. Für die niederländischen Bibliothekare sind Fachzeitschriften mit 64% die wichtigste Quelle, wenn es um fachspezifische Informationen geht.
  • In Großbritannien wird ebenfalls erwartet, dass sich in den nächsten fünf Jahren die Gründe für die Nutzung von Bibliotheken nachdrücklich verändern werden. Diesen Trend zu antizipieren wird von den britischen Bibliothekaren als wichtigste Aufgabe angesehen. Dazu zählt auch eine stärkere Ausrichtung des Informationsangebots auf E-Books und andere elektronische Ressourcen. Zur fachspezifischen eigenen Weiterbildung setzen die britischen Bibliothekare hauptsächlich auf Mailinglisten (70%), dahinter folgen Gespräche mit Berufskollegen (58%) sowie Websites (30%). Bibliothekszeitschriften liegen mit 25% der wichtigsten Informationsquellen erst auf Rang 4, noch knapp vor den Blogs mit 23%.
  • Die wichtigsten Prioritäten sehen die verschiedenen nordamerikanischen Bibliotheksarten – wie in Deutschland auch – vorwiegend bei E-Books und anderen elektronischen Informationsquellen. Im Unterschied zu deutschen Bibliotheken wird in den nächsten fünf Jahren allerdings kein Wandel beim Nutzungsverhalten von Bibliotheken erwartet, d.h. die physischen Besuchen werden dort nach Bibliothekstyp eher stagnierend oder sogar steigend eingestuft. Daher wollen die öffentlichen Bibliotheken in den USA auch den Fokus auf das Bereitstellen von mehr Internetzugängen für ihre Benutzer legen. Diese Dienstleistung hat sich in den Jahren der Finanzkrise in den USA zu einem wahren Magneten für mehr Benutzer erwiesen. Somit versuchen die öffentlichen Bibliotheken, diesen Trend weiter zu verstärken. Eine Abweichung zu deutschen Bibliotheksmitarbeitern gibt es auch bei den Quellen, die die US-amerikanischen Mitarbeiter nutzen, um sich auf dem Laufenden zu halten. Während in Deutschland mehrheitlich auf den Wissensaustausch mit Arbeitskollegen gesetzt wird, nutzen die Bibliotheksmitarbeiter in den USA vor allem die einschlägige Mailinglisten sowie inzwischen teilweise auch soziale Medien.

Die vorliegenden Länderberichte von OCLC liefern einige interessante Einsichten zu aktuellen Entwicklungen im Bibliothekswesen, auch wenn sie statistisch nicht unbedingt repräsentativ sind. Auf der einen Seite scheinen Informationseinrichtungen, unabhängig von Land und Kultur, mit den gleichen Problemen und Herausforderungen konfrontiert zu sein. Dazu zählen in erster Linie ein anhaltender Wandel bei dem Benutzerverhalten sowie die zunehmende Digitalisierung der eigenen Angebote. Andererseits werden bei den befragten Bibliothekaren auch einige länderspezifische Unterschiede sichtbar. So variiert die Angabe der wichtigsten Informationsquellen, um sich bei bibliothekarischen Themen weiterzubilden, deutlich je nach Land. Gerade in Deutschland scheinen noch die klassischen Zugangswege zu diesen Informationen bevorzugt zu werden. Neue Medien wie soziale Netzwerke und Blogs spielen hierzulande erst eine untergeordnete Rolle.

Quellen:
OCLC (Hrsg.): „Momentaufnahme der Prioritäten und Perspektiven deutscher Bibliotheken“; online abrufbar unter http://www.oclc.org/reports/de-libraries/default.htm bzw. http://www.oclc.org/reports/de-libraries/214758usb-Member-Communication-Survey-Report-Deutschland.pdf

Weitere OCLC-Länderberichte über Bibliotheken in den Niederlanden, Großbritannien und den USA findet man unter der URL http://www.oclc.org/reports

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