Mobile Infodienste für (fast) lau

Ausgabe 8/2012

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Das mobile Web wird nach einer Definition des World Wide Web Consortiums (W3C) einfach als ein Web bezeichnet, in welchem die User unabhängig von ihrem Standort und verwendeten Endgerät auf Informationen zugreifen können. Immer mehr Studien belegen den Trend hin zu einer immer stärkeren Nutzung von mobiler Datenkommunikation und mobilen Endgeräten durch die User. Wollen Informationseinrichtungen in den nächsten Jahren für diese zahlreicher werdenden mobilen Nutzer noch eine Rolle spielen, werden sie nicht daran vorbeikommen, entsprechende mobile Informationsangebote und Dienste zu erstellen und anzubieten. Der vorliegende Beitrag zeigt am Beispiel der Universitätsbibliothek von Valencia, dass dies nicht unbedingt mit einem großen Einsatz und der Bereitstellung von Personal, Know-how und Finanzen verbunden sein muss.

Technologischer Fortschritt geht immer auch mit Herausforderungen einher. Wer hier nur „mehr“ Aufwand oder Risiken sieht, verpasst eine gute Gelegenheit, die eigene Informationseinrichtung an die neuen Wünsche und Bedürfnisse der Benutzer anzupassen. Mit der rapide steigenden Verbreitung und Nutzung von mobilen Endgeräten wie Smartphones und Tablets geht auch ein steigendes Interesse von mobilen Bibliotheksnutzern an für diese mobilen Geräte optimierte Informations- und Bibliotheksdienstleistungen einher. Typische Informationen und Dienste, die solche mobilen User gerne nutzen würden, sind die OPAC-Suche, Buchreservierungen, Buchverlängerungen oder auch einfach nur die Öffnungszeiten. Konsequent umgesetzt bedeutet dies die Weiterentwicklung von klassischen Informationsangeboten wie den OPAC, die in den mOPAC münden sollte. Gleichzeitig ermöglicht es die Technologie, völlig neue Dienstleistungen aufzubauen, wie etwa mittels QR-Codes. Verschiedene Studien in den vergangenen zwei Jahren haben nachgewiesen, dass Informationseinrichtungen sich bisher sehr schwer tun, ihre mobilen Webangebote auszubauen, zu verbessern oder neue mobile Dienste zu entwickeln.

Nun zu den konkreten Tipps zur Umsetzung eines mobilen Webangebots. An erster Stelle steht hier natürlich die Entwicklung einer mobilen Website. Wieso sollte man aber überhaupt eine spezielle, mobile Website erstellen? Eine mobile Homepage hat den Vorteil, dass sie auf die Möglichkeiten von den meist kleinen Bildschirmen der mobilen Endgeräte optimiert ist. Verzichtet man darauf, eine spezifische, mobile Website anzubieten, ist dies für potenzielle mobile Webuser äußerst unbefriedigend. Die aktuellen mobilen Webbrowser sind derzeit nämlich nicht in der Lage, herkömmliche Webseiten adäquat anzuzeigen.

1. Eine mobile Website erstellen

Folgende vier Phasen helfen bei einem Aufbau eines mobilen Webauftritts:

  • Die Inhalte definieren, d.h. durch die Begrenzungen der mobilen Endgeräte muss festgelegt werden, was und wie viel Inhalte und Dienste den Usern über die mobile Plattform angeboten werden.
  • Auswählen aus verschiedene Optionen zur Erstellung einer mobilen Website, d.h. nichts machen (0€), ein automatisches Konvertierungsprogramm verwenden (0€) oder eine Selbstentwicklung (ab 0€) in Betracht ziehen.
  • Die erstellte mobile Website kann dann mittels kostenlosen mobilen W3C Validators (http://validator.w3.org/mobile/) auf die Einhaltung von mobilen Standards kontrolliert werden.
  • Der Zugang zu der mobilen Website muss gewährleistet sein. Dies geschieht entweder durch eine automatische Erkennung des verwendeten mobilen Geräts und der entsprechenden Weiterleitung auf die mobile Homepage und/oder eine entsprechende Verlinkung auf die mobile Website von der Standard-Homepage 

 

2. Entwicklung eines mobilen OPACs

Ein mobiler OPAC lässt sich auf zwei Arten umsetzen. Die erste, bei 0€ beginnende Möglichkeit ist, die mobile Version des OPAC von Grund auf selbst zu erstellen. Hier muss im Vorfeld festgelegt werden, welche Funktionen der mOPAC benötigt und zudem müssen IT-Experten in den Entwicklungsprozess miteinbezogen werden. Die 2. Option ist der Rückgriff auf kommerzielle Werkzeuge wie Bibliotheksmanagementsysteme, die die Erstellung eines mOPAC mehr oder weniger automatisch ermöglichen. Allerdings ist dies teilweise mit hohen Kosten verbunden.

3. Mobile Dienste mit QR-Codes entwickeln

QR-Codes ermöglichen den Usern mittels der in ihren Smartphones eingebauten Kameras schnell und auf einfache Weise zusätzliche Informationen abzurufen. Gerade in Bibliotheken bieten die QR-Codes den Benutzern die Möglichkeit, umfangreiche Zusatzinformationen wie Internetadressen, Text, Telefonnummern etc. in diesen kleinen, quadratischen Bildern aus schwarzen und weißen Punkten abzuspeichern. So können die User unabhängig von ihrem Standort und der Zeit mittels mobilen Endgeräten wichtige Bibliotheksinfos erhalten. Zur Erstellung von QR-Codes stehen zahlreiche kostenlose Programme und Online-Generatoren zur Verfügung, sodass QR-Codes praktisch kein Kostenfaktor sind.

Ergänzend sei auch auf eine aktuelle Untersuchung des auf Online-Daten spezialisierten Marktforschungsunternehmens comScore hingewiesen. In dieser Analyse sind rapide steigende Nutzungszahlen für QR-Codes durch Smartphone-Besitzer gefunden worden. So hat sich gegenüber 2011 die Nutzung von QR-Codes um 96% auf 17,4 Mio. User erhöht. Dies entspricht einem Anteil von 14,1% aller Smartphone-Besitzer, die ihre Endgeräte zum Scannen von QR-Codes einsetzen. Und die deutschen Smartphone-User liegen hierbei europaweit mit einem Anteil von 18,6% an QR-Code-Nutzern an erster Stelle.

4. Augmented Reality

Erweiterte Realität (engl. Augmented Reality – AR) bietet Benutzern eine computergestützte Erweiterung der bestehenden realen Wahrnehmung, meist in visueller Form. So wird bei einem Besuch in einer Bibliothek das gerade in der Realität gesehene mit relevanten Informationen auf dem mobilen Endgerät ergänzt. Dabei kommt die Kamera des Smartphones zum Einsatz, die die Umgebung filmt und durch den GPS-Empfang des Geräts entsprechende Geoinformationen abrufen kann. Voraussetzung ist natürlich eine bestehende Internetverbindung des Smartphones. In einem Bibliotheksumfeld bietet sich in erster Linie die zusätzliche Nutzung von Bibliotheks-Geoinformationen an, um Fotos, Kontaktinformationen, Öffnungszeiten oder Orientierungshilfen im Gebäude auf einem mobilen Endgerät an den entsprechenden Stellen in oder um die Bibliothek herum für den User einzublenden. Will man eigene Anwendungen mit Erweiterter Realität erzeugen, stellt sich als erste Frage, auf welchen AR-Browser gesetzt werden soll. In dem vorliegenden Praxisbeispiel der Universitätsbibliothek Valencia wird zur Umsetzung des AR-Angebots auf den in der Basisversion kostenlosen AR-Browser Layar (http://www.layar.com/) gesetzt, der auf vielen Smartphones der User bereits vorinstalliert ist.

Der Beitrag präsentiert sehr detaillierte Hinweise und Empfehlungen, wie eine mobile Website und mobile Informationsangebote erstellt werden können, die hier nur stark verkürzt wiedergegeben werden können. Ergänzend anzumerken ist, dass viele Content Management Systeme (CMS), wie das in diesem Beitrag beschriebene Joomla, inzwischen von Haus aus immer mehr Erweiterungen und Programme mit responsivem Webdesign anbieten, sodass in Zukunft der Umstieg auf einen mobilen Auftritt sich noch einfacher gestalten wird. Responsives Webdesign bietet die Möglichkeit, die Darstellungsproblematik der unterschiedlichen Endgeräte zu überwinden, sodass sich die einzelnen Elemente auf die Bildschirmgröße eines Geräts anpassen. Ob man auf responsives Webdesign setzen oder doch eine gesonderte mobile Website entwickeln soll, ist aber eine andere Diskussion, für die man in einschlägigen Internet- und Computerzeitschriften entsprechende Informationen und Antworten findet (siehe z.B. Maurice, Florence: „Schwere Entscheidung?“; in: Internet Magazin, Ausgabe 09/2012, 14-18).

Der entscheidende Grundgedanke hinter dem vorliegenden Artikel ist vielleicht nicht einmal die eigentliche Umsetzung solcher Angebote, sondern eher noch im Hinweis des Autors zu sehen, dass eine Informationseinrichtung durch den Einsatz moderner Technologie auch ein zeitgemäßeres Bild nach außen für bestehende und potenzielle Benutzer abgibt. Die z.B. unter Erstellung einer Website genannte Option „nichts tun“ sollte in unserer mit neuen Technologien überquellenden Zeit eigentlich nie gewählt werden, selbst wenn bisher keine oder nur sehr wenige Benutzer diese Angebote nutzen können oder wollen. Der Beitrag zeigt, dass man auch ohne spezifische Programmierkenntnisse und ohne großen finanziellen Aufwand ein entsprechendes mobiles Angebot umsetzen kann.

Quellen: Villoldo, Marta Abarca et. al.: „How to Mobilize your Library at Low Cost“; in: LIBER Quarterly, 2012, Vol. 22, No. 2, 118-145, abrufbar unter der URL http://liber.library.uu.nl/index.php/lq/article/view/8054

comScore, Inc. (Hrsg.): „QR Code Usage Among European Smartphone Owners Doubles Over Past Year“; Pressemitteilung vom 19. September 2012, online verfügbar unter http://www.comscore.com/Press_Events/Press_Releases/2012/9/QR_Code_Usage_Among_European_Smartphone_Owners_Doubles_Over_Past_Year

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