Ist Google unfair?

Ausgabe 3/2012

Eine Lobby-Vereinigung namens Fairsearch.org macht augenblicklich mit einer recht aufwändigen Medien- und Anzeigenkampagne in Europa auf die möglichen Gefahren und Folgen durch den Quasi-Suchmaschinenmonopolisten Google aufmerksam. In den USA ist diese Organisation bereits seit Oktober 2010 aktiv. Fairsearch.org stellt dabei in Anzeigen die Frage, ob man Google vertrauen kann? Google selbst hat erst kürzlich fünf verschiedene Grundsätze aufgestellt, anhand derer sie ihr geschäftliches Handeln und Tun ausrichten wollen.

Die fünf Grundsätze von Google sind:

  • Tue das, was für den User am Besten ist.
  • Liefere so schnell wie möglich die zutreffendsten Antworten.
  • Kennzeichne Werbung so deutlich wie möglich.
  • Sei transparent
  • Binde deine Kunden, ohne sie zu knebeln.

Anhand von Aussagen führender Google-Manager – Google-Gründer Larry Page und Sergey Brin, der frühere CEO Eric Schmidt, Andy Rubin – der Chefentwickler für Android und andere Anwendungen für die Google Mobilsparte – oder von Vizepräsidentin Marissa Mayer – wird nun versucht diese Grundsätze als Augenwischerei darzustellen. Hier einige Beispiele:

  • Eric Schmidt hat am 14. August 2010 im Wall Street Journal z.B. folgende Aussage getätigt: „Ich glaube, die meisten Menschen wollen nicht, dass Google ihre Fragen beantwortet, sondern dass Google ihnen sagt, was sie als nächstes tun sollen.“
  • Oder in ihrer Abschlussarbeit 1998 an der Stanford Universität haben Page und Brin bereits eingestanden, dass ein auf Werbeumsatz basiertes Geschäftsmodell zu schlechten Suchergebnissen führt.
  • Weiterhin bestätigen sie in ihrer Magisterarbeit die Ansicht, dass es selbst für Fachleute schwer ist, Suchmaschinen genau zu analysieren, womit Manipulationen bei den Ergebnissen Tür und Tor geöffnet sind.

Alle diese Zitate enthalten natürlich Erkenntnisse, die alles andere als neu sind. Aber wer steht überhaupt hinter Fairsearch.org? Auf der Homepage von Fairsearch.org sind momentan insgesamt 16 Unternehmen und Unternehmen gelistet, darunter Konkurrent Microsoft und einige bekannte Reisewebsites wie TripAdvisor, Travelocity und Expedia. Gleichzeitig fordert diese Zweckgemeinschaft eine faire Online-Suche. Leider wird diese „faire Suche“ nicht konkret definiert, sondern nur aus vermeintlichen schädlichen und illegalen Vorgehensweisen von Google indirekt abgeleitet.

Interessant ist, dass gleichzeitig die Meinung vertreten wird, dass die horizontale (allgemeine) Websuche für Konkurrenten gegenüber Google bereits verloren sei. Chancen gäbe es nur noch bei der vertikalen (themenspezifischen) Suche. Mit Fairsearch.org will man wohl zumindest die vertikale Online-Suche, d.h. die Einnahmen generierende Suchwerbung, vor Google geschützt sehen.

Was soll man von dieser Kampagne halten? Direkte Konkurrenten und große Online-Portale beschweren sich über das von Google unterstellte Ausnutzen durch dessen Marktstellung? Sehr glaubwürdig wirkt das nicht gerade. Natürlich ist die Vormachtstellung von Google beängstigend. Andererseits sind eigentlich genügend Alternativen für die zahlreichen Google-Dienste vorhanden. Es liegt an jedem Einzelnen, nicht immer nur auf die Google-Taste zu drücken. Keiner wird schließlich gezwungen, fragwürdige Sendungen auf mit Werbung triefenden Privatsendern anzuschauen. Gerade Informationsspezialisten sind hier prädestiniert, die Bevölkerung aufzuklären, um ihnen diese Alternativen sowie die Problematik des andauernden „Googlens“ näherzubringen. Vielleicht sollten die hinter Fairsearch.org stehenden Unternehmen ihre finanziellen Mittel lieber Bibliotheken zukommen lassen, um dort Informationskompetenz-Schulungen zu unterstützen, als teure und durchsichtige Anti-Werbekampagnen und politische Lobbyarbeit gegen Google zu betreiben.

Quellen:
http://www.fairsearcheurope.org/ bzw. http://www.fairsearch.org/

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