Informationsspezialisten sollten selbst Fachartikel publizieren

Ausgabe 4/2012

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Bekanntlich können Fortschritte auf einem spezifischen Fachgebiet nur dadurch erreicht werden, dass die entsprechenden Kenner dieser Materie ihre Ideen und Erfahrungen auch an andere weitergeben. Dies geschieht bekanntlich vorrangig in Form von publizierten Fachbeiträgen. Die Gründe für die Verweigerung, sich an diesem Prozess der Wissensteilung und -generierung zu beteiligen, sind vielfältig. Diese reichen von fehlendem Interesse, knapper Zeit bis zu Befürchtungen verschiedenster Art inklusive einer vorhandenen Abneigung gegenüber Verlagen oder auch gegenüber dem allgemeinen Wissenschaftsbetrieb. Mit dem vorliegenden Beitrag will der Autor Informationsspezialisten dazu ermutigen, ihre Erkenntnisse besonders in Peer Review-Zeitschriften zu veröffentlichen.

Gerade wissenschaftliche Bibliothekare sehen sich oftmals allein schon durch ihre forschende Arbeitsumgebung, in der sie tätig sind, unter Druck gesetzt, selbst etwas zu publizieren. Tatsächlich haben schätzungsweise 95% aller Bibliothekare während ihrer Arbeit in irgendeiner Form mit Peer Review-Prozessen zu tun. Zudem wird von 80% der akademischen Informationsspezialisten während der Dauer ihrer Anstellung erwartet, dass sie zumindest gelegentlich selbst Fachbeiträge veröffentlichen.

Die Gründe für das Verfassen von Fachartikeln sind aber mannigfaltig. Dazu zählt etwa die Möglichkeit, über einen veröffentlichten Artikel mit anderen Informationsspezialisten in Kontakt zu kommen, oder der Austausch von Ideen mit anderen Experten. Zudem kann mit einer Veröffentlichung potenziell die Aufmerksamkeit von wesentlich mehr Personen erreicht werden als etwa mit einem Vortrag an einer Tagung. Nicht zu vergessen ist, dass sich solche Veröffentlichungen auch gut in einem Lebenslauf machen und so die eigene Berufskarriere fördern können.

Generell spielt es dabei keine Rolle, ob man in einer von Fachkollegen geprüften Zeitschrift publiziert oder in einem nicht geprüften Magazin. Welche Zeitschrift man für sein Manuskript auswählt, hängt im Prinzip von der inhaltlichen Zielsetzung des Artikels ab und von den Informationen/Inhalten, die ein Autor verbreiten will. Für die Veröffentlichung in einem Journal mit einem Peer-Review-Verfahren gibt es aber gute Gründe. Das Konzept des Peer Reviews ist heute das Standard-Verfahren, um eingereichte Beiträge für wissenschaftliche Zeitschriften zu prüfen. Durch die Begutachtung eines Fachkollegen wird einem publizierten Beitrag in der Regel eine hohe inhaltliche und wissenschaftliche Qualität attestiert. So genießen mit dem Peer Review-Verfahren geprüfte Fachbeiträge allgemein eine höhere Anerkennung innerhalb der wissenschaftlichen Gemeinschaft, als solche, die sich nicht so einem Prüfprozess unterzogen haben. Vergessen werden darf auch nicht, dass bei dem Peer-Review-Prozess eine gewisse Interaktion zwischen dem Autor und den Begutachtern stattfindet. So liefert das Feedback des prüfenden Experten unter Umständen wertvolle Hinweise etwa zu eingesetzten Methoden oder auch dem Schreibstil. Wird der eigene Artikel durch einen erfahrenen Prüfer beurteilt, wird dieser nicht nur Kritik anbringen, sondern mehr ein guter Mentor sein.

Das Peer Review-Konzept reicht dabei bis zum Jahr 1665 zurück, als die ersten wissenschaftlichen Zeitschriften begannen, Schiedsrichter beizuziehen, die die Inhalte dieser Magazine überprüften. So wurde Peer Review nach und nach Teil des Publikationsprozesses sowie der Legitimierung für zuverlässiges Wissen. Es ist aber nicht nur die Voraussetzung für die Anerkennung einer Zeitschrift innerhalb der Wissenschaftsgemeinde, sondern auch für die schreibenden Forscher selbst. Je öfter ein Wissenschaftler in Zeitschriften, die von anerkannten Experten begutachtet werden, Artikel publiziert, umso mehr steigt dessen eigenes akademisches Renommee.

Insgesamt gibt es drei grundlegende Systeme von Peer-Review-Verfahren. Es sind dies das offene Peer-Review-System, die einseitig anonymisierte Begutachtung ("single-blind") sowie die beidseitig anonymisierte Begutachtung ("double-blind"). Bevorzugt wird von den meisten Autoren das "double-blind"-Verfahren, bei dem sowohl Verfasser als auch der Prüfer anonymisiert werden. Zu erwähnen ist, dass ein erfahrener Gutachter durchaus einen Autor, auch ohne Nennung dessen Namen, anhand seines Stils und seiner angegebenen Referenzen erkennen kann. Allgemein gibt es in den letzten Jahren weitere Kritikpunkte an dem Peer-Review-Prozess, auf die an dieser Stelle aber nicht weiter eingegangen wird.

Wie entwickelt man nun einen eigenen Artikel?

  • Zuerst braucht man ein Thema. Eine Idee für einen Beitrag kann man u.a. aus seinem eigenen Lebenslauf, aus Blogs, aus einem Konferenzvortrag etc. gewinnen.
  • Anschließend folgt eine Literaturrecherche, um Hintergrundinformationen zu diesem Thema zu erhalten. Auch die Zusammenarbeit mit anderen Fachkollegen ist eine Option.
  • Und schließlich muss entschieden werden, in welcher Zeitschrift der Beitrag erscheinen soll.

Zum Schluss einige wichtige Ratschläge für neue Autoren:

  • Falls ein Beitrag von einem Magazin abgelehnt wird, sollte man sich nicht gleich entmutigen lassen. Einige der heute am häufigsten zitierten Fachartikel sind regelmäßig bei ihren früheren Einreichungsversuchen abgelehnt worden.
  • Je öfter man schreibt und publiziert, umso besser wird man.
  • Vor einer Einreichung ist es sinnvoll, einen Kollegen oder Bekannten, um seine kritische Einschätzung zu fragen.
  • Man sollte sich selbst einen Abgabetermin setzen und sich auch strikt an diesen halten, da die Zeitschriften selbst selten ein solches Lieferdatum vorgeben.
  • Sinnvoll ist es auch, selber als Gutachter für Fachartikel von anderen Autoren tätig zu werden.

 Quelle: Lamothe, Alain R.: "The Importance of Encouraging Librarians to Publish in Peer-Reviewed Publications"; in: Journal of Scholarly Publishing, January 2012, 156-167

Bekanntlich können Fortschritte auf einem spezifischen Fachgebiet nur dadurch erreicht werden, dass die entsprechenden Kenner dieser Materie ihre Ideen und Erfahrungen auch an andere weitergeben. Dies geschieht bekanntlich vorrangig in Form von publizierten Fachbeiträgen. Die Gründe für die Verweigerung, sich an diesem Prozess der Wissensteilung und -generierung zu beteiligen, sind vielfältig. Diese reichen von fehlendem Interesse, knapper Zeit bis zu Befürchtungen verschiedenster Art inklusive einer vorhandenen Abneigung gegenüber Verlagen oder auch gegenüber dem allgemeinen Wissenschaftsbetrieb. Mit dem vorliegenden Beitrag will der Autor Informationsspezialisten dazu ermutigen, ihre Erkenntnisse besonders in Peer Review-Zeitschriften zu veröffentlichen.

Gerade wissenschaftliche Bibliothekare sehen sich oftmals allein schon durch ihre forschende Arbeitsumgebung, in der sie tätig sind, unter Druck gesetzt, selbst etwas zu publizieren. Tatsächlich haben schätzungsweise 95% aller Bibliothekare während ihrer Arbeit in irgendeiner Form mit Peer Review-Prozessen zu tun. Zudem wird von 80% der akademischen Informationsspezialisten während der Dauer ihrer Anstellung erwartet, dass sie zumindest gelegentlich selbst Fachbeiträge veröffentlichen.

Die Gründe für das Verfassen von Fachartikeln sind aber mannigfaltig. Dazu zählt etwa die Möglichkeit, über ...

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