Editorial 3-2014

Ausgabe 3/2014

Googeln wir uns gaga?

Nur wenig andere Bücher haben in der Informationswelt so polarisiert wie die ,,Digitale Demenz" von Manfred Spitzer. Was hatte der Psychologie und Psychiater in seinem Bestseller dort den Internetusern nicht alles unterstellt: Das Internet mache einsam, es unterbinde soziale Interaktion, statt aktiver Bewegung an der frischen Luft und Sport surften sich die Internetnutzer dick und dumm, sie verlören ihre sprachliche Kompetenz und würden durch Computerspiele aggressiv. Sind das alles nur offensichtliche Vorurteile eines ideologischen Computergegners oder die traurigen empirischen Erfahrungen eines Psychiaters am täglichen Krankenbett der Internetwahnsinnigen?
Offensichtlich gibt es zu diesem Thema auch eine ganze Reihe anderer differenzierter Erkenntnisse, die zwar die Einschätzung Spitzers nicht voll entkräften, aber auch zeigen, dass es so schlimm um die geistige und körperliche Gesundheit der Internetuser doch nicht bestellt. ist. Wir berichten in dieser Ausgabe über neueste beruhigende Studien zu diesem Thema.

Durchweg positiv sind dagegen die Einschätzungen zu den Trends in Bibliotheken. Seit gut 10 Jahren erst gibt es das Schlagwort Web 2.0 und schon längst ist es in aller Munde. Aber ist dieses Thema mit allen seinen Implikationen auch schon in den Bibliotheken angekommen? Diese Frage kann klar bejaht werden, denn ganz sicher gehören die Bibliotheken zu den ersten, die sich dieses Trends angenommen und ihn als ,,Bibliothek 2.0" in den verschiedensten Facetten umgesetzt haben. Damit gehören Bibliotheken zu den Trendsettern bei diesem modernen Thema. Das ergab eine Studie bei über 100 amerikanischen Hochschulbibliotheken.

Ob dagegen der neueste Trend, das Thema ,,Big Data", von den Bibliotheken aufgegriffen wird, ist noch nicht ausgemacht. Es wäre aber keineswegs verwunderlich, denn Bibliotheken sitzen auf ,,Big Data", Bibliothekare können prinzipiell mit Daten sehr gut umgehen und gehören bei IT-Trends - genau wie beim Web2.0 - zu den Avantgardisten in der Anwendung. Dazu braucht es allerdings noch viel Hintergrundwissen zum Thema ,,Big Data", Anwendungsszenarien und eine gehörige Portion Spieltrieb, diese auch auszuprobieren. Warum aber nicht? In dieser Ausgabe erläutern wir Ihnen fünf ausgewählte Webseiten mit ,,Big Data"-Software, auf denen Sie Ihre ersten Experimente schon einmal machen und erste Erfahrungen im Umgang mit einem überaus spannenden Thema machen können. Es wäre doch gelacht, wenn Bibliotheken nicht auch hier Trendsetter werden könnten!
Ich wünsche Ihnen viel Erfolg beim Experimentieren.

Herzlich
Ihr Rafael Ball

Portrait Rafael Ball

Portrait Rafael Ball

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