Editorial 01-2013

Ausgabe 01/2013

Machen uns E-Books dumm?

Mit dieser provokanten Frage, liebe Leserinnen und Leser, beginnt unsere erste Ausgabe der Library Essentials im Jahr 2013.

Nancy McCormack ist in ihrem Beitrag „Are E-Books Making us Stupid? Why Electronic Collections Mean Trouble for Libraries and Their Patrons“  dieser  Frage nachgegangen.

Vor genau fünf Jahren stellte Nikolas Carr eine ganz ähnlich provokante Frage, nämlich “Macht Google uns dumm?“.  Es ist längst Mode geworden vor diesem und jenem zu warnen und vorab und auf alle Fälle schon einmal den Teufel an die Wand zu malen. Denn genau so geht es weiter: „Macht das Internet uns dumm?“ oder „Klicken wir uns das Gehirn weg?“

Mit allen diesen Suggestiv-Fragen kann nur eins erreicht werden, Panik, Angst und Vorbehalte.

Denn ob uns E-Books dumm machen, ist eine dumme Frage. E-Books sind beste Inhalte in neuer zeitgemäßer medialer Form, und sie machen nicht schlauer und nicht dümmer als die Lektüre von Wissen in anderen Medienformen. Denn wie wir alle beruhigt feststellen können, hat uns auch die Erfindung von Zeitung, Radio und Fernsehen nicht wirklich dümmer gemacht, auch wenn der ein oder andere seinen Medienkonsum übertreibt. Und jüngst haben Medienwissenschaftler aus Mainz, Marburg und Göttingen in einem hirnphysiologischen Experiment festgestellt, dass ältere Menschen auf einem Tablet-PC besser lesen und Inhalte länger behalten.

Generalvermutungen sind also simples Sprücheklopfen, das der Ernsthaftigkeit der neuen Medien und der Sache der Wissensvermittlung nicht gerecht wird,

Sprücheklopfen ist übrigens auch dann keine Lösung, wenn positive Inhalte transportiert werden. Denn für die Bewerbung von Informationsprodukten gibt es vor allem in Bibliotheken noch immer nur ein völlig unterentwickeltes Marketing.

Viele Millionen Euro werden für die Beschaffung von Informationsprodukten jährlich von einzelnen Bibliotheken ausgegeben, die Katalogisierung, Aufbereitung und Bereitstellung noch nicht einmal mitgerechnet. Und kaum ein professionelles Marketingkonzept macht potentielle Kunden darauf aufmerksam.

Professionelles Marketing macht sich eben nicht von selbst, und es kann vor allem auch nicht von jedermann gemacht werden. Wir berichten in dieser Ausgabe über Werbestrategien für Informationsprodukte ab Seite 5. Die Bewerbung von Informationsprodukten, die kontinuierliche Information und Vermarktung von updates, neuen Funktionen und besseren Inhalten müssen im ureigensten Interesse der Bibliotheken liegen.

Dazu braucht man Fachleute aus den Bereichen Kommunikation und Strategie und man braucht Mut, Geld und Personal, das man in solche Maßnahmen steckt. Nur so können die Produkte an Mann und Frau gebracht werden, und nur so werden sich die Nutzungszahlen erhöhen, die wiederum als Beweis oder Gegenbeweis für die Treffsicherheit der Produktauswahl gewertet werden. Nur wer hohe Nutzungszahlen hat, senkt Stückkosten, und diese Rechnung wird auch im öffentlichen Dienst zunehmend von Entscheidungsträgern  nicht nur verlangt, sondern auch geschätzt. Denn Datenbanken und Bücherbestände sind immer nur so wertvoll, wie sie genutzt werden.

Seien wir also mutig und wandeln die nächste frei werdende Bibliothekarsstelle in einen Marketing-Posten um.

Eine ganz andere „Kiste“ macht der Beitrag von Bruns, Lana und Budd auf:  „Institutional repositories : Exploration of costs and value“ fragt kritisch nach den Kosten für institutionelle Open Access Server. Das Ergebnis ist ernüchternd: Die Geheimwaffe der wissenschaftlichen Bibliotheken ist eine kostspielige Sache, die eingepreist werden muss bei der Abschätzung der Kosten des grünen Wegs. Die Verlage dürfte es freuen, dies zu hören, die Bibliotheken aber müssen mit spitzem Bleistift nachrechnen.

Damit genug mit bibliothekarischer Selbstkritik, schauen wir hin und packen wir´s an; Library Essentials hilft Ihnen dabei!

Herzlich

Ihr Rafael Ball

 

Portrait Rafael Ball

Portrait Rafael Ball

 

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