Drei Viertel aller Deutschen sind Online

Ausgabe 6/2012

Die Initiative D21 hat in Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsinstitut TNS Infratest den bereits 12. Jahresbericht zur Internetnutzung in Deutschland, den (N)ONLINER Atlas 2012, veröffentlicht. Inzwischen sind knapp 76% aller Deutschen online angekommen. Allerdings ist die Wachstumsrate für die Online-Nutzung mit 0,9% gegenüber dem Vorjahr nur mehr sehr gering ausgefallen. Damit bleibt ein meist älterer Teil der Bevölkerung Deutschlands offline, obwohl die Altersgruppe der über 70-Jährigen die höchsten Wachstumsraten bei der Internetnutzung aufweisen. Insgesamt wurden für diese Studie mehr als 30.000 Interviews durchgeführt.

Weitere Erkenntnisse aus diesem Bericht sind:

  • Neben den 75,6% (Vorjahr: 74,7%) Onlinern gibt es zurzeit in Deutschland 21,2% (2011: 21,9%) Personen, die offline sind. Dazu kommen 3,1% (2011: 3,3%), die in der Zukunft planen das Internet nutzen zu wollen.
  • Immer noch gibt es einen fühlbaren Geschlechtergraben bei der Internetnutzung. Während 81% (2011: 80,7%) aller deutschen Männer online sind, kommen die deutschen Frauen auf einen Nutzungsanteil von 70,5% (2011: 68,9%). Damit gibt es eine Lücke von 10,5 Prozentpunkten zwischen den Männern und Frauen in Deutschland. Dies sind zwar gegenüber 2011 mit 11,8 Prozentpunkten 1,3 Prozentpunkte weniger, aber dennoch eine nicht zu übersehene Differenz.
  • Einen digitalen Graben gibt es auch nach dem Alter der User, wenn man sich die jeweiligen Anteile der Onliner und Offliner nach verschiedenen Altersklassen anschaut. So gibt es in der Alterskategorie der 14- bis 19-Jährigen einen Onliner-Anteil von 97,7% (2011: 97,6%), bei den 20- bis 29-Jährigen sind es 96,9% (2011: 97,1%) und in der Alterskategorie der 30- bis 39-Jährigen einen Onliner-Anteil von 94,1% (94,2%). Damit zeigt sich bei den 14- bis 40-Jährigen eine gewisse Stagnation bzw. Sättigung bei der Internetnutzung. Das höchste Wachstum ist in der Gruppe der über 70-Jährigen feststellbar. Gegenüber dem Vorjahr mit einem Onliner-Anteil von 21,0% hat sich dieser Anteil 2012 um 3,6% auf 24,6% erhöht. Ebenfalls sichtbar zugelegt hat die Altersklasse der 60- bis 69-Jährigen auf nun 60,4% (2011: 57,3%).
  • Eine weitere digitale Kluft bei der Internetnutzung besteht bei der Differenzierung nach dem demographischen Merkmal "Bildung". So nutzen 60,6% aller Volks- und Hauptschüler das Internet. Bei den Schülern mit Abitur sind es 90,8%.
  • Erfreulich ist die Zunahme der Breitband-Verbindungen gegenüber 2011. Inzwischen verfügen 57,1% (2011: 52,5%) der Onliner über einen Breitbandanschluss, wobei anzumerken ist, das Breitband in Deutschland nicht gleich Breitband ist. Zwischen einem 1 MB-"Breitbandanschluss" und einem mit 100 MB liegen doch Welten. Die Onliner mit einem langsamen Anschluss, d.h. Schmalbandnutzer mit weniger als 1 MB, sind von 15,9% im Vorjahr auf 10,7% 2012 gesunken.
  • Bei der Internetnutzung nach Bundesländern liegen nicht ganz überraschend die Stadtstaaten Hamburg, Berlin und Bremen vor den anderen Bundesländern. Hamburg hat mit einem 80%-Anteil an Onlinern nicht nur den 1. Platz (2011: Platz 5) in dieser Rangliste übernommen, sondern mit 3,5 Prozentpunkten auch den höchsten Zuwachs gegenüber dem Vorjahr zu verzeichnen. Am unteren Ende der Rangliste liegen die neuen Bundesländer – Ausnahme ist hier das Saarland auf Rang 15 – mit Sachsen-Anhalt (67,3% Onliner-Anteil) als Schlusslicht, aber mit der zweithöchsten Zuwachsrate von 3,1% Prozentpunkten.

Auch wenn die Onliner inzwischen klar in der Mehrheit sind, sind ein Viertel aller Deutschen, die älter als 14 Jahre alt sind, immer noch nicht in der digitalen Gesellschaft angekommen. Tendenziell bestehen somit digitale Gräben zwischen jüngeren und älteren Deutschen, zwischen Männer und Frauen sowie bei Schülern mit formal einfacher Bildung und solchen mit einem höheren Bildungsabschluss. Die immer geringeren Wachstumsraten bei der Internetnutzung lassen vermuten, dass auch in den nächsten 10 Jahre ein prozentual bedeutender Teil der deutschen Gesellschaft nicht zu den Onlinern gehören wird. Was bedeutet dies für Informationseinrichtungen? Sie müssen mittelfristig und in Zeiten knapper Budgets den schwierigen Spagat zwischen den Onlinern und Offlinern schaffen, um beide Benutzergruppen mit entsprechend ausreichenden Dienstleistungen und Informationsprodukten versorgen zu können. Die zunehmende Ersetzung von Print durch immer mehr digitale Inhalte wird hier eines der größten Probleme sein, da Offliner bevorzugt auf gedruckte Materialien zugreifen.

Quelle:
http://www.nonliner-atlas.de/

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