Die beliebtesten Informationsquellen für Wirtschaftsinformationen

Ausgabe 9/2012

Der Datenbankhost ProQuest hat ein Whitepaper veröffentlicht, dass sich mit der Frage beschäftigt, welche Informationsquellen Fakultätsmitarbeiter und Studenten in Wirtschaftsstudiengängen für ihre Forschungsarbeiten hauptsächlich nutzen. Insgesamt wurden hierfür mehr als 2.600 Kunden von ProQuest per E-Mail kontaktiert, um ihre Erfahrungen bei der Informationsversorgung mitzuteilen. Anzumerken ist, dass wissenschaftliche Fachzeitschriften bei dieser Befragung nicht berücksichtigt wurden, da die Nutzung dieser Quelle als garantiert angenommen wird. Insgesamt 123 ProQuest-Nutzer haben schließlich an der Umfrage teilgenommen. Bei 102 dieser Studien-Teilnehmer handelt es sich um Professoren. Die überwiegende Anzahl der Antwortenden kommt aus den USA. Die Untersuchung ist damit zwar nicht repräsentativ, aber bietet trotzdem einen interessanten Einblick in die User von "professionellen" Recherchewerkzeugen, wie es Datenbankhosts ohne Zweifel sind. Untersucht wird ausnahmsweise also einmal nicht der typische Google-User, sondern eher der Typus "Nutzer mit fortgeschritttener Informationskompetenz".

Folgende Resultate hat die ProQuest-Umfrage ergeben:

  • Auch heute ist das gedruckte Buch immer noch die am häufigsten genutzte Informationsressource. Insgesamt 97% der Umfrageteilnehmer haben angegeben sich regelmäßig Informationen aus Print-Büchern zu besorgen. Dahinter folgen mit jeweils 91% Arbeitspapiere, Vorveröffentlichungen von Arbeiten sowie Rohdatennutzung, z.B. aus dem Finanz- oder Demographie-Bereich. Knapp dahinter liegen Tagungsberichte (90%), Zeitungen (80%), Abstracts (84%), Nachschlagewerke wie Enzyklopädien oder Wikipedia  (78%) sowie Dissertationen und Thesenpapiere (76%).
  • Zu den eher durchschnittlich genutzten Quellen (zwischen 50 bis 75% Nutzungsanteile) gehören Buchrezensionen, Branchenmagazine und E-Books.
  • Zu den eher weniger genutzten Informationsquellen (unter 50%) gehören in absteigender Reihenfolge Buchrezensionen, Blogs, Best Practice-Berichte, Normenwerke, Videos, SWOT-Analysen, graue Literatur sowie Patente.
  • Betrachtet man nur "aktive" Recherchen, führen die Arbeitspapiere (85%) vor den Print-Büchern (ebenfalls 85%), Vorveröffentlichungen von Arbeiten (84%) und Rohdaten (83%). Dahinter folgen Konferenzberichte (74%), Abstracts (64%), E-Books (56%) sowie Dissertationen und Thesenpapiere (55%).
  • Nimmt man nur den Bereich, der von ProQuest als "passive" Recherche bezeichnet wird, ändert sich diese Reihenfolge deutlich. Hier führen Zeitungen (76%), vor gedruckten Büchern (73%), Nachschlagewerke wie Enzyklopädien oder Wikipedia  (64%), Abstracts (64%), Konferenzberichte (62%), Arbeitspapiere (59%) sowie Vorveröffentlichungen von Arbeiten (58%).

Aufhorchen lässt bei dieser Untersuchung, die leider nicht repräsentativ ist, dass Rohdaten für die Arbeit von Forschern und Wissenschaftlern immer wichtiger werden. Auf der anderen Seite fällt auf, dass schwer zugängliche oder recherchierbare Informationsquellen, wie Patente oder graue Literatur, bei weitem nicht so oft von den Forschern verwendet werden. Gerade diese "seltenen" Informationsressourcen machen im unternehmerischen und wissenschaftlichen Wettbewerb aber oftmals den entscheidenden Unterschied aus. Auffällig ist auch, dass Abstracts gerade im Wissenschaftsbereich immer noch eine relativ große Bedeutung als wichtige Informationsquelle besitzen. Dem durch Google und Co. in den letzten Jahren stark unter Druck geratene Berufszweig der  Informationsvermittlung empfiehlt es sich vielleicht in Zukunft auf die Beschaffung von Rohdaten und schwer recherchierbaren Informationsquellen zu setzen. Hier bieten sich noch zahlreiche Chancen, die aber auch entsprechendes Know-how und eine Spezialisierung benötigen.

Quelle:
ProQuest (Hrsg.): "ProQuest Business Faculty Survey on Use of Non-Journal Resources, ProQuest Publishing and Market Development Organization (August 2011-December 2011)"; Oktober 2012, online verfügbar unter http://www.proquest.com/assets/newsletters/doc/bizfaculty_findingsconclusions.pdf

Mehr zum Thema:

Die Kommentare sind geschlossen.