Der Nutzen von geschäftskritischen Systemen für Bibliotheken

Ausgabe 9/2012



Wissenschaftliche Bibliotheken und andere Informationseinrichtungen dienen für ihre übergeordneten Institutionen als Lern- und Rechercheumgebung. Aus diesem Blickwinkel betrachtet ist es für Bibliotheken entscheidender, zuerst die Entwicklungen ihrer bestimmenden Institution im Auge zu behalten, als die eigenen Bibliotheksprozesse. Eine Bibliothek sollte in diesem Sinn ein geschäftskritisches System sein, das mit dem Betrieb einer Organisation derart verflochten ist, dass dieses Unternehmen ohne dieses System kaum allein funktionsfähig ist. In der Wirtschaftswelt sind diese Systeme das Herz der Unternehmen. Sie vereinen Funktionen wie Auftrags-, Lager-, Buchhaltungs- und Rechnungsverwaltung, bieten Zugang zu verteilten Datensammlungen und machen dadurch die Arbeitsprozesse effizienter. Genau wie diese Automatisierungsprozesse in Unternehmen bieten spezifische, geschäftskritische Bibliothekssysteme die Möglichkeit, Talente und Zeit der Bibliotheksmitarbeiter freizulegen. Dies sind die benötigten Ressourcen, um den Wandel der Hochschulen und ihrer Lernumgebungen mit neuen, kreativen Diensten voranzutreiben. Anhand der Fallstudie der an der SUNY Geneseo (State University of New York-College at Geneseo) angesiedelten Milne Bibliothek wird die Bedeutung von geschäftskritischen Systemen für Informationseinrichtungen erläutert.

Ein Projekt der Milne Bibliothek ist z.B. GIST (Getting It System Toolkit – http://www.gistlibrary.org/), durch das zwei kritische Bibliothekssysteme, der Erwerb und die Fernleihe, in einem einzigen Arbeitsprozess zusammengeführt werden. Hintergrund ist der, dass Bibliotheken dazu neigen alle Arbeitsschritte und Richtlinien einzeln und getrennt von anderen Aufgaben zu verwalten und durchzuführen. Am Beginn von GIST steht eine einfache Frage, nämlich „Kaufen oder Leihen?“, wenn bei der Anfrage eines ausleihwilligen Benutzers der gewünschte Titel sich nicht im Sammelbestand befindet. Bisher kann kein Bibliotheksystem mit dieser Frage umgehen. Vielmehr bestellt der Benutzer das Medium per Fernleihe und eventuell wendet sich der Bearbeiter dieser Fernleihanfrage an die zuständigen Mitarbeiter in der Erwerbsabteilung, ob hier ein Kauf möglicherweise sinnvoll wäre. GIST ermöglicht nun diese Aufgabe zu übernehmen, d.h. die Anfrage des Benutzers wird gleichzeitig sowohl als Anfrage für eine Ausleihe als auch für einen Kaufvorschlag gehandhabt. Dazu werden alle notwendigen Daten und Links geliefert, wie z.B. die Rezensionen von Amazon oder die Verfügbarkeit des gesuchten Titels in anderen Bibliotheken, womit die Bibliotheksmitarbeiter in der Lage sind, …

Um den Artikel in voller Länge lesen zu können benötigen Sie ein ABO | oder melden Sie sich an (Login)

Mehr zum Thema:

Die Kommentare sind geschlossen.